Datenschutz > Eine Worthülse mit Sinn

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Meine erster bewusster Berührungspunkt mit dem Thema Datenschutz ist schon einige Zeit her. Ich war ein junger erfolgreicher Kundenberater und hatte in dem Zuge die Chance mich mit Produktverantwortlichen auszutauschen. Ich forderte mehr administrative Rechte für den Service um schneller und kompetenter Antworten zu können.

Unbequeme Forderung die erst mal Geld kostet. Schließlich muss man so was ja irgendwie bereitstellen. Meine Forderung wurde also mit dem Verweis auf den Schutz der Kundendaten abgewiesen. Das klingt wichtig und ist immer ein Showstopper.

Daher rührt vermutlich meine Ablehnung gegenüber diesem Thema. Mir war lange nicht klar, das der Datenschutz gar nichts für sein schlechtes Image kann. Viel mehr wird er häufig von Ahnungslosen und/oder taktisch denkenden Menschen missbraucht. Der Datenschutz und ich haben also etwas gemeinsam.

Viele Menschen verstehen nicht warum der Datenschutz so wichtig ist. Warum der Staat und Unternehmen nicht einfach haufenweise Informationen über die Bürger und Kunden ansammeln dürfen. Sie tun das mit einem „Ich hab doch nichts zu verbergen“ ab. Und ich z. B. war auch lange der Meinung das die Werbung beruhend auf meinen Daten überhaupt nicht funktioniert und das sammeln meiner Informationen daher eher nicht so wichtig ist.

Aber dann hörte und las ich irgendwo ein Aussage (ich müsste mir solche Sachen mal notieren) die ungefähr folgende Aussage hatte: Wir geben unsere Daten allzu gerne preis. Wir glauben das wir nichts zu verbergen hätten, weil wir in einem sicheren demokratisch geführten Land leben. Sollte aber eines Tages eine andere totalitäre Staatsform an die Macht kommen (und wenn man sich den Rechtsruck in Europa + USA so ansieht, gar nicht unwahrscheinlich) dann haben wir bereits das System geschaffen, das für absolute Macht sorgt.

Wir alle schauen, lesen oder hören die zahllosen Thriller die Zeigen wozu Geheimdienste in der Lage sind. Und nicht alles davon ist überspitzt und unmöglich. Und wir haben eben doch alle was zu verbergen. Eine kleine Notlüge hier, etwas das man getan hat und für das man sich schämt da. Jemand der diese Informationen sammelt kann diese auch gegen einen verwenden. Und wenn es auch vielleicht rechtlich nichts schlimmes ist, dann kann er einen vielleicht doch wenigstens noch emotional damit erpressen.

Wie auch immer, es gibt nur zwei Methoden mit dieser Gefahr umzugehen. Absolute Transparenz oder das Sammeln von Daten verhindern.

Und damit kann ich auch schon die Frage „Du bloggst doch über dein Privatleben, damit wirst du doch deine Daten geradezu ins Netz! Widerspricht das nicht dem Datschutzgedanken?“ beantworten. Alles was ich hier für die Öffentlichkeit zugänglich mache, ist absolut nicht geheim und kann nicht gegen mich verwendet werden. Oder aber ich stehe dazu (Politische Meinung) und will es nicht anders.

Gut … wieder etwas Abstand zum Thema gewinnen.

Was also bedeutet Datenschutz? Was wollen wir hier Schützen?

Nach den Ausführung der DSVGO geht es darum, das jeder Bürger das Recht darüber hat zu wissen wer welche Daten über ihn speichert und warum das passiert. Außerdem hat er jeder Bürger das Recht für eine Löschung der Daten zu sorgen. Und das ist ein sehr guter Ansatz. Leider technisch schwierig umzusetzen. Nehmen wir da nur die IP-Adresse. Jeder Internetzugang hat eine IP-Adresse. Wird vom Browser eine Webseite angefordert, wird die IP-Adresse übermittelt damit der Server auf dem die Webseite gespeichert ist, die Inhalte der Seite an diese IP-Adresse senden kann. Jeder Server hat diverse Mechanismen die diese IP-Adresse unter Umständen protokollieren, und sei es auch nur im Fehlerfall. Spätestens wenn ich einen Cloudservice nutze, hab ich nicht mal ne feste Maschine als Server, sondern „nur“ einen Virtuellen. Als Betreiber der Webseite kann ich also gar nicht beeinflussen wo diese IP-Adresse überall Verwendung findet.

Die IP-Adresse selber stellt aber ja eigentlich kein Problem da, denn es ist ja nur eine Zahlenkolonne die erst im Zusammenhang mit anderen Daten zu einem Indikator für einen Nutzer wird. Die DSVGO bringt Webseitenbetreiber also irgendwie in eine schlechte Situation. Deswegen schimpfen viele auf das DSVGO.

Um das ganze zu umgehen werden Datenschutzerklärungen ins Impressum gehauen die mit juristisch abgeklärten Textbausteinen wichtig klingende Informationen raus hauen. Helfen tut das aber keinem. Es sorgt eben nur für Unsicherheit. Das Gesetzt gibt aber wenigstens den Behörden Möglichkeiten mit die Unternehmen zu checken und zu bestrafen und das nicht allzu knapp. Und das ist gut. Wer die Staaten beim Datensammeln kontrolliert … das ist wieder nen anderes Thema.

Aber was kann ich da tun?

In dem kleinen Absatz hab ich vielleicht ein wenig das Dilemma des Datenschutzes aufzeigen können. Und deswegen ist es umso wichtiger das jeder für sich selber aktiv wird. Schütze dich und deine Daten in dem du nicht alles preisgibst. Ganz einfach.

 


Eine Antwort zu „Datenschutz > Eine Worthülse mit Sinn“

  1. […] Bei diesen Plattformen hat man aber auch eine gewissen Abhängigkeit (also vor vielen Jahren Google seinen Reader eingestellt hat, war das Geschrei groß) und macht sich gläsern. Denn z. B. Feedly könnte ja von einer Ermittlungsbehörde gezwungen werden, deine Feedsammlung preis zu geben. Da sind wir dann beim Thema Datenschutz. […]