Ich kann ein bisschen mit PHP, HTML und CSS arbeiten, ich hab schon selber Homepages entworfen und mir schon viele Gedanken über Usability und Funktionalität gemacht. – Ich bin aber kein Entwickler.

Ich nutze WordPress und Linux. Ich nutze Chrome, Firefox, Thundebird, K-9 und so weiter. Hier und da finde ich Fehler, sehe etwas das besser gemacht werden könnte und stelle Dinge fest. – Ich bin aber nicht der Entwickler dieser Software. Es wird schon seine Gründe haben warum etwas so ist wie es ist.

Ich nutze seit meinem 9ten oder 10ten Lebensjahr Computer. Meine erste Festplatte mit 30 MB musste ich nicht nur einschrauben, nein ich musste auch Kabel vom Netzteil und zum Motherboard selber legen und löten. Irgendwas war da nicht so vorgesehen. Ich hab unter DOS gespielt und mit diversen Autexec-Bats jongliert damit das eine Spiel aber auch das andere Spiel oder Windows 3.11 läuft. Ich hatte Atari ST, Commodore VC 20 und C 64. Ich hatte OS/2 und alle Windows-Systeme bis Windows 10. Ich hab dieses alles nicht nur angewandt sondern hab von den jeweiligen Systemen immer soviel verstanden das ich mir selber Probleme lösen konnte.

Ich glaub, ich bin ganz gut mit all dem Zeug. Dennoch bin ich nie auf den Gedanken gekommen jemandem vorzuhalten warum etwas nicht so geht wie ich es mir vorstelle.

In meinem 18 Jahren Support für die Telekom höre ich aber jede Woche mindestens von einer Person: Und das was ihr macht ist scheiße. Und die Begründung ist immer: Ich bin selber Entwickler. Ich hab vor 15 Jahren einen Abendkurs belegt. Das sagt mein Sohn auch, und der studiert EDV.

Am geilsten sind da die Kunden die sich selber Webdesigner oder ähnliches schimpfen und Ihren Kunden unseren Baukasten verkaufen. Wenn da mal was nicht klappt wie gedacht, dann kommen die nämlich richtig ins trudeln, weil die das nicht lösen können. Die sind dann richtig frech.

Jipp, manches ist nicht optimal. Aber wenn du so ein gott verdammter Hacker bist, dann mach es doch einfach besser? Geht nicht? Zu teuer? Zu aufwendig? Doch alles recht komplex?

Richtig. Etwas zu entwickeln ist nicht einfach. Ich sehe das schon bei einem kleinen Projekt wie erwm.de. Ich hab mir da sehr viele mühe gegeben und versucht alles so zu programmieren das keine Fehler auftreten können. Alles so zu bauen das der Anwender keine Fragen stellen muss. Ich hab da all meine Erfahrung und mein Wissen einfließen lassen. Reicht aber nicht. Es passieren immer wieder Fehler und die Anwender stellen fragen und finden Dinge doof. Macht nichts, ich lerne daraus.

Und bei Projekten für Unternehmen kommt zu der Komplexität des eigentlichen Produktes noch das drumherum. Budgets müssen eingehalten werden. Feste Rahmen für Entwicklung, Testing und Deployment. Marketingstrategien bewirken Deadlines. Und alle arbeiten an mehreren Projekten zur gleichen Zeit. Klar, es muss ja immer was zu tun sein, also nimmt man ein Projekt an und bevor es abgeschlossen ist schon das nächste.

Will sagen: Es ist alles nicht so einfach.

Aber wie komme ich auf dieses spannende Thema?

Anfang Januar erhielt ich eine Nachricht:

Hallo Liebe Telekom,

es wäre toll wenn mich nach Weihnachten der Entwickler für das Produkt xy anrufen könnte. Ich habe da 2 Fehler entdeckt. Und da ich selber Entwickler bin, kann ich Ihm die Lösung erklären.

Mit freundlichen .....

Das ist so nett und lieb und naiv. Ich hätte den guten am liebsten angerufen. Nur bin ich ja kein Entwickler….