Es gibt keine Rassen, also weg mit dem Begriff.

Ich hatte zwar am Rande mitbekommen, dass es eine aktuelle Diskussion darüber gibt, den Begriff Rasse aus dem Grundgesetz zu streichen, hab aber erst durch Holgers Beitrag angefangen darüber nach zudenken. Ohne etwas darüber gelesen zu haben, habe ich aber natürlich eine Meinung. Ich hab immer eine Meinung… und weil das Thema komplex ist, möchte ich dem einen eigenen Blog-Beitrag widmen.

Menschen haben einen merkwürdigen Reflex. Wenn man Ihnen was nehmen möchte, wollen sie das unbedingt behalten, egal ob man es braucht oder nicht. Dieser Reflex bezieht sich auf materielle Dinge genauso wie auf Weltanschauen, Meinungen und dem Wissen. Die Stärke dieses Reflexes ist von vielen Faktoren abhängig und seit Corona kann man diesen immer öfter beobachten.

Dieser Reflex sorgt eben auch dafür, das man über sowas einfaches wie das Streichen eines Wortes streiten kann. Überhaupt kann der Deutsche sehr gut über Worte streiten. Sei es die Verwendung von Negerkuss oder dem Gendern. Hier ist eine Abkehr der gewohnten Worte und Formulierungen für viele ein Thema zum aufregen. Und das obwohl man ja gar keinen Nachteil hat. Außer vielleicht das man sich Worte abgewöhnen muss. Aber ist das nicht ein wenig Evolution?

Na ja … aktuell geht es also darum, dass wir das Wort Rasse aus dem Grundgesetz streichen sollten. Etwas das andere Nationen schon gemacht haben. Etwas das in Deutschland schon vor 12 Jahren diskutiert wurde und aktuell eben wieder einmal auf den Tisch ist. Etwas das vielleicht gar nicht so wichtig ist? Aber warum sollte man das nicht streichen.

Wissenschaftler sind sich einige das es keine Menschenrassen gibt:

In der Biologie wird die ArtHomo sapiens heute weder in Rassen noch in Unterarten unterteilt. Molekularbiologische und populationsgenetische Forschungen seit den 1970er Jahren haben gezeigt, dass eine systematische Unterteilung der Menschen in Unterarten ihrer enormen Vielfalt und den fließenden Übergängen zwischen geographischen Populationen nicht gerecht wird. Zudem wurde herausgefunden, dass die augenfälligen phänotypischen Unterscheidungsmerkmale der Rassentheorien nur von sehr wenigen Genen verursacht werden, der größte Teil genetischer Unterschiede beim Menschen stattdessen innerhalb einer sogenannten „Rasse“ zu finden ist. Überdies ist etwa die Hautfarbe evolutionär ein sehr labiles Merkmal, das heißt, sie hat sich bei Wanderungsbewegungen menschlicher Populationen über verschiedene Breitengrade hinweg in relativ kurzer Zeit verändert. Dies liegt daran, dass die Hautfarbe unter starkem Selektionsdruck steht

https://de.wikipedia.org/wiki/Rassentheorie

Wenn es also keine unterschiedlichen Menschen-Rassen gibt, dann darf es auch in Gesetzen keinen Hinweis auf diesen Begriff geben. Schließlich könnte man sich rechtlich darauf beziehen und sagen: Wenn im Grundgesetz steht, das es Rassen gibt, dann muss das seine Richtigkeit haben. Und wenn nicht, ist das Grundgesetz oder zu mindestens der betreffende Paragraf unwirksam.

Interessanterweise zitiert Holger in seinen Kommentaren ein vollkommen gegenteiliges Konzept:

Ohne einen entsprechenden Rechtsbegriff, der auch völkerrechtlich verankert ist, könnte Rassismus juristisch noch schwieriger zu greifen sein.

Andrea Lindholz /CSU)

Und dem kann ich zum Teil sogar folgen. Wenn es keine Rassen gibt, wie kann es dann Rassismus geben. Gar nicht. Und das ist vielleicht der Wendepunkt.

Worte haben macht. Das wissen wir. Wenn Eltern immer sagen „Die Türken“ mit einem leicht abfälligen Tonfall dann werden auch die Kinder diesen Zusammenhang übernehmen. Wenn der Begriff Neger im kollektiven Bewusstsein vorhanden ist mit all den beleidigenden und negativen Verknüpfungen, dann kann dieser Begriff auch als Waffe verwendet werden.

Ja ich weiß, da wird viel drüber gestritten (siehe oben). Aber es ist so. Ein Freund meines Sohnes ist kurdischer Abstammung. Er ist immer leicht verpeilt und neigt dazu Verabredungen nicht einzuhalten und die Kommunikation mit den Eltern hat sich früher schwierig gestaltet weil z. B. ständig die Handynr. gewechselt wurden. Alles Verhaltensweisen die ich auch von anderen Freunden oder bekannten aus ähnlichen Herkunftsländern kenne (oder glaub zu kennen).

Für meinen Sohn war das nie ein Problem. Wenn sein Kumpel nicht kam, hat er sich ein wenig geärgert aber keinen kausalen Zusammenhang geknüpft. Das hab ich erst gemacht. Mehr aus Versehen. Ich ärgerte mich selber drüber und sagte sowas wie: Typisch, für …! Bei der nächsten Situation wollte ich ihn trösten und habe von meiner Erfahrung mit XY berichtet.

Irgendwann sagte er dann selber Dinge, die das Narrativ bestätigen, zu mindestens scheinbar. Jetzt ist er natürlich noch immer kein Nazi, aber hat vollkommen Grundlos eine bestimmte Meinung über eine bestimmte Bevölkerungsgruppe von der wir vielleicht 10 Personen kennen. Wenn überhaupt.

Zurück zum Thema. Also Worte machen Dinge. Rassismus ist etwas Schlimmes. Er degradiert Menschen aufgrund der Herkunft. Rassismus verbindet aber auch Menschen. Erst die Stigmatisierung der Rassisten und Nazis führt diese zusammen und macht diese Stark. Dieses WIR-Gefühl sorgt dann dafür das aus Meinungen in Ideologie und eine Gefahr wird.

Wenn wir also keine Rassen haben, dann haben wir keine Rassisten mehr. Dann haben wir nur noch Menschen die Dinge falsch verstehen oder sich grenzwertige Meinungen über andere Menschen bilden und ggf. gegen Gesetzte verstoßen. Weil, schauen wir uns den streitbaren Passus an:

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html

Entfernen wir „seiner Rasse“ gibt es da noch eine ganze Menge Punkte, gegen die man verstoßen kann. Und wegen denen man vor Gericht ziehen kann.

Fazit: Ich befürchte, ich hab hier ein wenig die Struktur verloren. Darum versuch ich es nochmal zusammenzufassen: Es gibt keine Rassen. Damit ist die Grundlage des Rassismus nicht gegeben. Streichen wir den Gedanken das es Rassen gibt, aus dem kollektiven Bewusstsein wird, das auch den Rassismus sterben lassen.

Hören wir auf Menschen als Rassisten zu betiteln, können diese nicht mehr als Gruppe gegen „die anderen“ funktionieren. Dann gibt es auch keinen Rassismus mehr (Fremdenhass und Vorurteile natürlich weiterhin).

Ein Kommentar

Holger 19. Juni 2020 Antworten

„Es gibt keine Rassen.“
Das ist so leider nicht ganz korrekt. Du glaubst hier den Argumenten einer *Theorie* (Rassentheorie).
Langes Thema. Und ich denke, wir reiten auf den falschen Dingen rum. Ein Wort im GG zu streichen ändert nichts am Verhalten von „Menschen“. Wir sind halbweise.
(übrigens: Rassisten haben nicht automatisch eine weisse Hautfarbe)

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