Die Eltern eines Jugendfreundes waren Lehrer. Auf dem Esstisch lagen immer 2 Tageszeitungen. Ein mal das regionale Tagesblatt und dann eines dieser großen Zeitungen (TAZ oder FAZ oder was weiß ich) und das morgendliche Ritual der Eltern war es, sich bei einer Kanne Tee durch dieses Papier zu wühlen.

Das macht einen unheimlich intelligenten und informierten Eindruck. Ich war da immer schwer beeindruckt. Wenn ich mal auf meinen Kumpel warten musste, nutzte ich die Zeit und blätterte umher. Aber irgendwie kam ich nicht hinein in diese Welt.

Ich dachte, wenn ich älter bin, dann wird das sicher alles total interessant für mich sein. Das Bürgertum war etwas, das ich durchaus anstrebte. Und dazu gehört eben auch eine fundierte politische Bildung.

Dann kam das Internet und ich nutzte dieses als Informationsquelle. Von Newsgroups, über Nachrichtenportalen und täglichen Infonewslettern zu Bloggern und Social Media bin ich dann zu der Erkenntnis gekommen: Alles quatsch.

Egal wie viele, von Journalisten welcher Art auch immer, aufbereiteten Nachrichten ich mir rein pfeife: Es ändert nichts an dieser Welt und kaum etwas an meiner Meinungsbildung. Das, was mir am meisten im Leben gebracht hat, sind die vielen kleinen Geschichten, die man im Netz lesen kann. Die Geschichten, die unaufgeregt erzählen, was in den Köpfen der Personen vorgeht. Welche Erlebnisse diese haben und hatten. Die Geschichten, die deutlich machen, wie unterschiedlich wir alles sind. Die Geschichten, die erkennen lassen, wie gleich wir alle sind.

Das Erste, was ich morgens mache, ist also: Meinen News-Reader öffnen und mir durchzulesen, was in den Wohnzimmern meiner Mitmenschen gestern passiert ist. Und manchmal, mache ich auch das nicht. Dann mache ich einfach gar nichts.