Eigentlich hatten wir uns für das Jahr 2026 Städtereisen vorgenommen. Wien, München, Paris und Amsterdam stehen auf unserem Zettel. Als wir uns dann aber neulich Gedanken über ein Urlaubsziel im Mai machen mussten, spürten wir beide: Auf „Abenteulere“ haben wir gar nicht so viel Lust. Wir suchen noch nach purer Entspannung ohne vorherigen Stress. Daher nochmal Ostsee.

Dennoch, möchte ich wenigstens ein ganz bisschen Varianz und deswegen geht es nach Travemünde. Hier her hatten wir natürlich schon den einen oder anderen Tagesausflug gemacht, aber Urlaub noch nie. Auf der Halbinsel Priwall betreibt Novasol einen riesige Anlage mit Ferienwohnungen. Hier gibt es auch Wohnungen direkt mit Blick auf den Hafen. So was finde ich toll. Wir finden dort also eine Wohnung mit einem tollen Ausblick, die für nur wenige Nächte buchbar ist und in der Hunde erlaubt sind. Perfekt. Wir träumen von langen warmen Abenden auf dem Balkon mit einem Getränk in der Hand und verträumten Blick auf Segelboote und große Pötte. Zack ~ gebucht.

Anreise

Neulich haben wir uns darüber unterhalten ob wird den großen Passat Variant wirklich noch brauchen oder ob uns ein Golf nicht vollkommen ausreichen würde (Ja explizit Golf, dazu später mehr an einer anderen Stelle). Als wir für diesen Kurztrip den Kofferraum beladen haben, bin ich mir da gar nicht mehr so sicher. Für 2 Nächte, zwei große Koffer, Bettwäsche, Hundekissen, ein paar Grund-Nahrungsmittel für die Fe-Wo. Ganz schön voll auf einmal. Da gibt es sicher Optimierungspotential. Wir brauchen z.B. wieder anständige Reisetaschen, die sind definitiv Kompakter und damit praktischer.

Die Strecke nach Travemünde kann ich aus dem FF und die Autobahn war extrem leer. Da wir keinen nennenswerten Stau hatten, waren wir auch innerhalb der geplanten Zeit am Zielort. Wir wussten aber, das wir die Wohnung erst um 16 Uhr beziehen können. Also machten wir einen Abstecher zum Timmendorfer Strand. Einmal die neue Seebrücke betrachten, ein wenig flanieren und bei Gosch ein Fischbrötchen und Bier (bzw. Aperol Spritz) verzehren. Timmendorf ist aber auch ein extrem schöner Ort. Wirklich. Hier wurde auch das Urlaubs-Motto „Endlich wieder mal die jüngsten sein“ beschlossen. Uiii so viele graue Panther um uns herum.

Gosch preist seine Fischbrötchen als knackig an. Trocken und durchgebacken trifft es wohl eher. Das kauf ich mir mit Garantie nicht wieder. Schnaps ist allerdings Schnaps. Aperol wird immer gut gemischt und ein Königs Pilsener vom Fass macht mich schon glücklich.

Dann ging es weiter zur Ferienwohnung. Das Navi bietet eine Mautfreie Strecke an, für die wir knapp 30 Minuten brauchen, oder eine mit Maut (nämlich die Kosten für die Priwall-Fähre). Ich wähle natürlich die kurze Strecke. Benzinkosten sind ja sooooo hoch und wie teuer kann eine solche Fähre schon sein, die 50m fährt. Kann ich euch sagen. 9.30 € für einen PKW und 2 Erwachsenen. Der Hund ist kostenlos. Überraschung. Nur Barzahlung (what?).

An der Rezeption ging alles wie erwartet gut und schnell von der Hand. Mit Schlüssel, Lageplan, Kurkarten und tausenden Informationen ausgestattet (und einen kleinen Schwips vom Bier in der Sonne) fuhren wir mit dem Auto bis vor die Wohnung und erst mal rein. Den Hunde alles beschnuppern lassen, Pippi machen. Dann Kofferraum ausladen. Die mitgebrachten Getränke sind pisswarm – wir möchten aber ein Anlegeschluck trinken (ja …. das ist alles nur geklaut (klick) e ohh e o) und ich muss das Auto eh noch ins Parkhaus bringen, also fahr ich flott zum nächst gelegenen Edeka und kauf Eiswürfel, Cola und Snacks ein. Der Edeka ist recht leer und dafür aber aufgeräumt. Ganz anders wie ich es von den Anreisetagen in der Hauptsaison kennen. Total entspannt.

Zurück in der Wohnung, sind Frau und Hund schon entspannt und genießen die Aussicht.

Und das ist ja genau das, was wir wollten.

Die Wohnsituation

Wenn ich das richtig recherchiert habe, wurde die BeachBay (Ursprünglich Priwall Waterfront) von 2015 – 2020 gebaut. Die Wohnungen werden also seit knapp 6 Jahren genutzt und ich sag es mal so: Die Gäste waren nicht gut zu den Wohnungen. Zu mindestens die unsere hatte wirklich schon viele Macken an Wänden, Türen etc pp. Die Wohnung wurde auch nicht sehr sauber an uns übergeben und wir sind da wirklich nicht pingelig. Aber wir haben schon viele Ferienwohnungen gesehen und bezogen und das war hier schon etwas auffällig. Ich hörte und las aber schon davon, das Novasol wohl Probleme mit der Sauberkeit hat.

In der Anlage sind auch andere Unternehmen aktiv – wie z.B. Nordic GmbH – hier mieten wir immer in Boltenhagen und sind immer sehr zufrieden – ich geh davon aus das es dort besser ist.

Die recht kleine Wohnung hat aber ein großes Badezimmer mit Sauna, Dampfdusche und Whirlpool. Features die uns vollkommen egal sind, die aber eben da sind. Dadurch ist die Wohnung aber eben sehr Eng und man stößt sich häufiger – was dann eben Schrammen an der Wänden verursacht und ärgerlich ist.

Ich vermute, das man diese Dinge eingebaut hat, um den Mietern auch in den kalten Monaten einen Mehrwert zu bieten. Mag sein das es für manche Interessant ist. Der Balkon ist definitiv riesig. Leider aber sehr kalt. Die Sonne kommt hier, falls sie scheint, erst um 18 Uhr an. Bis dahin ist es frostig. Das hätte ich mir natürlich vor der Buchung ausrechnen können, das sehe ich also definitiv als meine Schuld an. Leider gab es aber keine Decken oder Heizlüfter oder ähnliches auf dem Balkon. In diesem kalten Mai, daher kaum zu nutzen. Wirklich schade.

Aber ich will nicht meckern.

Der Urlaub

Mit dem ersten Rum-Cola leicht bibbernd, auf dem Balkon sitzend, überlegen wir uns was wir den Abend wohl noch anstellen würden. Klar war: wir kochen keine Mahlzeit. Also schnappten wir uns den Hund und erkundeten die Anlage. Es gibt einige Restaurants in der BeachBay – die Preise sind aber ordentlich. Wir würden hier nirgends für unter 30 Euro pro Person was zu essen bekommen. Hinzu kommt, das alles leer und traurig aussieht. Es mag Saison abhängig sein, aber unser Eindruck war leider, das hier alles kurz vor der Pleite ist.

Richtig Bock auf Essen hat man da nicht. Auf der anderen Seite der Trave sieht es definitiv besser aus. Die Promenade von Travemünde gibt es schon seit immer und dort gibt es viel Laufkundschaft und Tagesgäste. Die Fahren aber nicht extra mit der Fußgänger-Fähre rüber – zu mindestens nicht in der erforderlichen Menge.

Ein Argument für Priwall war der riesige Hundestrand. Dabei haben wir vollkommen vergessen das unser Keks ja nicht mehr ist und das unsere Anna gar kein Interesse an Strand hat. Also es ist okay dort zu sein – aber ihr ist in erster Linie wichtig bei uns zu sein. Wir dackelten also über die Anlage zum Hundestrand, schauten und ein Schiff an das in den Hafen einfuhr und gingen wieder zurück.

Zu Essen hatten wir noch immer nix. Über das handy suchten wir uns einen „Döner-Pizza-Laden“ raus und dackelt dort hin. Personal super nett und süss. Essen top. Und weil es weiter innen auf der Halbinsel lag, war es auch warm und man konnte auf der Terrasse sitzen (Schöne Grüße ans Bistro Esse https://maps.app.goo.gl/rV3i555jgZPCEBc19). Während wir auf unser Essen gewartet haben, konnten wir auf der anderen Straßenseite Rehe beobachten die irgendwelche Blätter mümmelten. So nah trauen sich die Viecher hier bei uns zuhause nie an uns ran. Toll. Zu guter Letzt konnten wir sogar mit Karte zahlen. Das geht in dieser Ecke Deutschlands nicht überall.

Der Magen gefüllt und der Kopf von dem einen oder anderen alkoholischen Getränk erkundeten wir die Halbinsel weiter. Wir wollten schon mal schauen was die anderen Restaurants in der Umgebung zu bieten hatten und welche Wege man gehen kann. Am Hafenbecken war wenig los und wir hatten eine breite Straße mit Grünstreifen vor uns. So konnten wir den Hunde auch frei laufen lassen und schlenderten ganz gemütlich und wirklich entspannt zu unserer Wohnung zurück. Hinter uns ging die Sonne unter. Alles war gut.

Und natürlich gab es noch einen Absacker und wir genossen die Aussicht. Wie es immer Dunkler wurde und die Lichter angingen. Alles sehr schön.

Die Nacht war ungewöhnlich. Denn man wachte häufiger auf. Es gab ein lautes Brummen und ich spürte dieses Brummen sogar im Brustkorb. Die riesigen Autofähren (die wir uns ja auch mit anschauen wollten) fuhren in und aus den Hafen raus. Und immer wenn diese Kolosse sich durch die Trave bewegten spürten wir das. So muss es sein, wenn eine Alien-Invasion stattfindet. Genau so.

Mit der Zeit gewöhnt man sich daran aber. Wenn aber die großen Pötte an einem vorbeiziehen ist man dann doch immer wieder beeindruckt.

Kommt auf den Bildern leider nicht so ganz rüber.

Da wir nicht kochen wollten, hatten wir auch kein Frühstück in der Wohnung. Logisch. Nach ein paar Kaffee zogen wir also los. Wir wußten, das auf der anderen Seite eine Bäckerei Junghans-Filiale ist und wir wissen das es dort megageile belegte Brote gibt. Das sollte also unser Ziel sein.

Am Abend zuvor, hatte ich mir noch die App FährTic installiert (ein ganz großes Lob für die Wortspiel, ich liebs). Damit kann ich mir nämlich die Überfahrt Bargeldlos bezahlen. Leider hatte ich mir die Preise nicht richtig angeschaut und festgestellt: Auch nur Personen kosten pro Überfahrt schon 4 Euro. Auf Grund der Erfahrung des Ankunftstages gingen wir davon aus, das wir mehrfach täglich hin und her fahren würden. Also buchten wir uns für 14 Euro/pro Person eine Wochenkarte. Dann müssen wir uns darüber keinerlei Gedanken mehr machen. Wir werden dann aber nur noch 3 mal fahren. Unterm Strich machen wir dabei also tatsächlich Verlust. Hätte ich mich besser Informiert im Vorfeld, dann hätten sich die Wochenkarte definitiv gelohnt – Egal. Haken dran. (das niemand die Fußgänger kontrolliert, sei nur am Rande erwähnt).

Wir bummeln also die Promenade hoch, Frühstücken fantastisch und bummeln durch das kleine Städtchen. Zurück am Hafen will endlich etwas Sonne rauskommen. Wir suchen uns im Gosch (ja, es lebe die Systemgastronomie) ein geschütztes Plätzchen und genießen einen Aperol Spritz. Die Kellnerin ist so freundlich und macht die Beschattung hoch und es ist wirklich angenehm.

Wir machen unsere Witze und lachen miteinander und übereinander. Viel aber auch über die anderen Menschen um uns herum. Wir beobachten Möwen die Menschen die Pommes vom Teller klauen. Eine alte Dame die rasende Ihren riesigen Teller verputzt nur um dann noch die Reste Ihres Mannes aufzuessen (Beide sehen nicht so aus, also ob diese überhaupt was essen würden). Eine Frau mit weißen Harren aber Lila-Strähnen. Das Lila passte so gar nicht zu der Dame.

Es ist wirklich wundervoll. Nach 4 Stunden (und 4 Runden) machen wir uns wieder auf den Weg in unserer Wohnung. Dort angekommen ist es uns zu kühl und wir schnappen uns Gläser und Hund und gehen runter und setzen und auf eine Bank direkt unter unserem Balkon. Hier ist Sonne. Es ist warm und schön. Der Hund ist ohne Leine und benimmt sich absolut vorbildlich. Andere Hunde die vorbeikommen interessieren nicht. Andere Menschen auch nicht. Irgendwann ist dieser Tag zu Ende, wir gehen noch etwas essen, in der Seglermesse, und müssen dann auch wirklich schlafen.

Der nächste Tag beginnt bewölkt und verregnet. Es ist jetzt richtig Kalt. Zu Kalt um draußen zu sitzen. Wir gammeln so durch den Vormittag und bewegen uns gegen 11:30 zu einem späten Frühstück ins Cafe Junghans. Anschließend wandern wir zu der Sandskulpturen Ausstellung, sind dann aber nicht bereit den Eintrittspreis zu zahlen. Also wieder zurück in die Wohnung. Nach einer Mittagspause fahren wir nochmal rüber nach Travemünde essen wir eine heiße Waffel mit Sahne und setzen uns anschließend in eine andere Cafe auf ein Aperol. Aber IN einem Gebäude ist es nicht das gleiche. Und draußen ist es kalt.

Wir wandern zurück in die Wohnung, holen uns im Bistro Esse noch was zu essen und lassen den Abend mit Trash-TV ausklingen. Dieser zweite Tag, war etwas traurig – zugegeben.

Dann ist der Urlaub schon rum.

Fazit

Für Wetter kann keiner was. Es gab einige Planungsfehler. Aber Grundsätzlich hat Travemünde schon was. Nächste mal vielleicht einfach nur 2 Nächte in nem Hotel auf der „richtigen“ Seite buchen, dann wäre es gut gewesen.

Kurz-Trips

Einfach mal für ein oder zwei Tage raus aus dem Haus und etwas anderes sehen. Dafür eignet sich so ein Kurz-Trip total. In dieser kleinen Serie findet Ihr die passenden Reiseberichte.