Am 20.05.2026 durfte ich Marc-Uwe Kling live in der Glocke in Bremen erleben. Ein Abend dem ich mit gemischten Gefühlen begegne.
Der Herr Kling ist mit das erste mal Begegnet als Holger über seinen Besuch bei Marc-Uwe (siehe https://aussernet.de/2013/11/18/marc-uwe-kling-mal-besuchen/) schrieb. Damals verstand ich den Beitrag überhaupt nicht und musste mich wohl erst mal von Holger auf schlauen lassen – beschäftigte mich damit aber nicht weiter.
Irgendwann bekam ich dann das Hörbuch in meine Finger. Immer auf dem Weg nach Schwerin oder in den Urlaub hörten wir Hörspiele und später Podcasts. Einfach besser als Radio… und seit dem bin ich Fan. In den letzten Jahren hab ich mich immer mehr mit Marc Uwe beschäftigt und bin ein noch größerer Fan geworden. Ich liebe es, wie er es schafft Lustige (Känguru-Chroniken) und spannende (Qualty Land) Geschichten zu schreiben und dabei politsche und gesellschaftliche Bildung zu betreiben. Auch seine Kinderbücher sollten total toll sein – ich muss da mal bei. Ja, den Film zum Beuteltier fand ich jetzt nicht soooo gut. Aber nunja.
Hinzu kommt das er das was er sagt auch lebt. Sein Merchandising betreibt er selber und spendet von jedem verkauften Produkt einen Teil. Beim Verkauf wird konkret das Spendenziel angegeben. Er hat wohl genug Geld und teilt deswegen. Er ist mit dem Di-Day und Fun Facts als politischer Aktivist unterwegs und ist sich auch nie zu schade seine Meinung zu sagen. Ein sehr sympathischer und schlauer Mensch – der dabei auch wirklich extrem umtriebig ist. So weit so gut.
Mit seiner Podcastreihe Schreiben & Schreddern wurde in mir der Wunsch immer größer ihn live zu sehen. Als dann die Lesetour zum neuen Buch über das Beuteltier bekannt gegeben wurde, war ich dabei und kaufte Blind zwei Karten.
Soweit zum Vorgeplänkel. Die Glocke ist ein Konzertsaal der an irgendeinem fetten Dom in der Bremer Innenstadt liegt. Die Anfahrt war okay – Bremen ist nicht für seine gute Verkehrsführung bekannt – es war nur ein Fehler, mich nicht direkt zu einem Parkhaus leiten zu lassen.
Im Eingangsbereich angekommen, merkte ich sofort: Sehr spezielles Publikum. Ich kann das gar nicht so recht beschreiben – die Leute sahen eben alle sehr Links aus. Aus der konservativen Mitte war hier nichts zu sehen. Aber vll ist das auch Bremen. Ich weiß es nicht. Lustig war, das jeder mit Jacke aufgefordert wurde, die Jacke abzugeben. Einer Linkenmasse bürgerliche Vorschriften zu machen, bei einem Abend unter dem Titel „Die Die Känguru Rebellion“ … das ist schon frech. Aber es gab keine Tumulte. Hier alles friedlich.
Im Großen Saal auf unserem Platz angekommen – war es sehr laut. Man hatte das Gefühl das alles schreien. Ich war durch die Anfahrt leicht gestresst, das Pebbles noch auf Toilette und eine rauchen musste und der Gong schon geläutet hatte verschaffte mir einen Puls von 130 (wirklich). Ich weiß nicht ob es an mir lag, oder der Raum wirklich so laut war. Aber … ich glaube so beginnt eine Panikattacke.
Marc-Uwe begann pünktlich. Er war souverän und lustig. Die Geschichten waren gut (schade das ich die alle schon kannte) und lustig vorgetragen. Natürlich baute er auch wohl lokale Specials ein. Er las „es klingelte“ und man hörte aus dem Foyer den Theater-Gong. Nach der Halbzeitpause funktioniert das noch einmal. Ich bin mir gar nicht so sicher ob das wirklich Zufall gewesen ist.
Für mich persönlich war der Raum für eine Lesung zu groß. Wir hatten ja Bela B in der Kulturetage gesehen und das war deutlich besser. Bei einer Lesung möchte man etwas Intimität mit dem Vortragenden und die ist nicht möglich, wenn die Person so weit weg sitzt das ich kaum Gesichtskonturen erkennen kann. Vielleicht wäre eine Videoleinwand hilfreich gewesen.
Der größte Fehler aber: Zu Beginn ermunterte er das Publikum sich zu beteiligen – und das taten die Menschen. Ein Kind musste unbedingt mitteilen das es alle Bücher gelesen hat und viele Männer wollten unbedingt witzig sein – ohne das diese es gewesen wären. Alte Männer – vermutlich. Zum einen musste Marc-Uwe bei jedem Kommentar nachfragen – manchmal auch mehrfach (die Akustik funktioniert wohl nur in eine Richtung) und zum anderen wusste er leider auch manchmal keine passende Reaktion. Das lag aber nicht an seiner Schlagfertigkeit. Die Rufe waren zum fremdschämen dumm.
Ob ich das wieder mache? Weiß ich noch nicht.

Kultur
Kind ist erwachsen, Geld auf dem Konto und zu viel Freizeit. Was macht man da? Man genießt etwas Kultur.
