Es ist eine besondere Magie die Wilhelmine da anwendet. Auch wenn man überhaupt keine Lust auf ein Konzert hat, dauert es nur wenige Takte und man ist voll dabei. Dem Zauber dieser wundervollen Interpretin kann sich wohl keiner entziehen. Und so waren wir am 14.5.2026 zum zweiten Mal auf einem Wilhelmine-Konzert.

Meine Frau und ich kannten zwei Titel von Wilhelmine, weil diese immer wieder mal in der Popland-Playlist auf Spotify aufgetaucht sind. Wir mochten die Songs auch, aber für ein Konzertbesuch hatte es nicht gereicht. Als wie im Mai 2024 Karten aus einem Gewinnspiel für die Oldenburger Kulturetage geschenkt bekamen, dachten wir uns: Was soll’s – schadet keinem und wenn es doof ist, fahren wir halt wieder Heim. Es war aber gar nicht doof. Das Konzert war sogar so gut das wir zu kleinen Fans wurden und uns für die neue Tour Karten kauften – auch wenn wir dafür sogar nach Bremen fahren müssten.

Als es dann an Christi Himmelfahrt endlich so weit gewesen ist, mussten wir uns ganz schön überwinden. Das Wetter eher bescheiden, wir beide müde vom Urlaub, der Weg weit, Parken beim Modernes immer doof. Vieles Sprach dagegen – dennoch rafften wir uns auf. Man muss Dinge ja auch mal durchziehen. Hilft ja nix.

Nach dem wir einen, gar nicht mal so schlechten, Parkplatz gefunden hatten und durch den Regen zum Veranstaltungsort gelaufen waren wollte sich bei mir keine Verbesserung der Stimmung einstellen. Als dann der Support-Act Enya Boban begann eine langweilige Singer-Song-Writer-Ballade nach der anderen zu starten, ging meine Laune noch etwas mehr in den Keller. Bei den beiden letzten Liedern die etwas schneller und kreativer waren, stieg Frau Boban wieder in meinem Ansehen. Den einen Song hätte ich gerne nochmal gehört, leider nicht auf Spotify bisher. Kommt vielleicht noch.

Dennoch, bei der Umbaupause war meine Laune nicht die Beste. Mein Fuß pochte (vor ein paar Tagen umgeknickt), wir standen auf einer etwas schrägen Oberfläche, hatten zwar besten Aussicht auf die Bühne aber dafür schmerzten die Knie ein wenig. Merke: Wenn ich kein Alk bekomme, dann muss ich mich zu mindestens mit Ibu zu dröhnen. Immer besser wenn ich lange stehen muss.

Während des Wartens schaue ich mir das Publikum genauer an. 90% weibliche gelesene Menschen. Davon sicher 60% der LGBTIQ+ Szene zugehörig. Viele davon erfüllten durchaus die zu erwartenden Klischees, viele aber eben auch nicht. Schön war mit anzusehen, wieder Raum offenbar zu einem Safespace wurde und sich das verhalten der Menschen entsprechend anpasste. Es zeigt deutlich, das unserer Gesellschaft noch gar nicht so weit ist, wie man es manchmal denkt.

Und dann? Dann ging es los. Kurz wurde es dunkel, dann startete die Musik und der Saal kochte. Wilhelmine ist klein aber voller Energie. Sie ist nicht die Sängerin mit der größten Range, aber sie kontrolliert jede Melodie und Ihre zarte, teils beinahe kindliche Stimme fesselt jede Person im Raum. Das Konzert ist der Tour-Auftakt und es gibt ein oder zwei Verhaspler. Egal. Charmant und offen geht sie damit um. Bei manchen Liedern singt das Publikum einfach weiter. Die Texte, die Melodien, die Stimmung – es soll einfach nicht Enden.

Ich weiß nicht – ich möchte noch mehr schreiben. Aber ich würde mich einfach nur wiederholen. Es ist ein tolles fröhliches Erlebnis. Alles ist friedlich. Lachende schwitzende und glückliche Gesichter wohin man schaut. Die Band hat genauso viel Spass wie die Sängerin und macht auch jeden Song zum eigenen. Und das Publikum feiert bedingungslos mit.

Zurück zur Magie: Ein großer Teil der Magie besteht aus schönen Melodien die jeder gut mitsingen kann und Texten die man sich gut merken kann. Refrains die man zum ersten mal hört, sind bereits bei der zweiten Wiederholung im Ohr und auf der Zunge. Ballerman-Hits auf Kultiviert. Ja das trifft es.

Kultur

Kind ist erwachsen, Geld auf dem Konto und zu viel Freizeit. Was macht man da? Man genießt etwas Kultur.