Es war Samstag. Gegen 17 Uhr. Sonnig. Tolles Wetter für Februar. Die beste Frau von allen und ich auf dem Weg zum Einkaufen. Ihr wisst schon. Auf dem Bürgersteig eine Truppe Menschen. Ca 20 Personen in Jeans und etwas zu dicken Jacken. Alle tragen eine Warnweste in gelb oder orange. Eine Demo im beschaulichen Friedrichsfehn?

Nein, natürlich nicht. Im Ammerland und im Oldenburger Land gibt es die Tradition der Kohlfahrten. Angeblich sind früher die wohlhabenden Oldenburger Bürger im Winter raus aufs Land gefahren um dort frischen leckeren Grünkohl mit Pinkel zu essen. Daraus hat sich ein Sauf-und-Partie-Event entwickelt. So sieht man hier in der Gegend an jedem Wochenende von Januar bis März große und kleine Truppen mit einem Bollerwagen über die Lande ziehen. Man trinkt und macht spiele und wenn man dann am jeweiligen Ziel angekommen ist geht die Party erst richtig los.

Auch ich bin jedes Jahr mindestens einmal mit einer solchen Truppe unterwegs. Alle meine Nachbarn treffen sich und läuten so irgendwie das neue Jahr ein. Über den Winter sieht man sich ja kaum. Wie auch immer.

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Es geht um die gelben Westen. Die sind nämlich recht ungewöhnlich gewesen bisher und ich wunderte mich. Meine Frau berichtet mir das kürzlich ein Auto in eine solche Truppe hereingefahren wäre und zwei Personen dadurch verletzt wurden. Die Polizei empfehlt daher jetzt sich mit Warnwesten besser sichtbar zu machen.

Als ich das hörte musste ich mich ziemlich aufregen. Wirklich. Versteht mich nicht falsch, Verkehrssicherheit ist eine wichtige Sache. Aber was mich stört ist die unreflektierte Art und Weise wie mit solchen Themen umgegangen wird. Die Leute glauben jetzt nämlich das Sie sicher sind, weil sie diese beschissene Weste tragen. Im Umkehrschluss glauben die gleichen Leute, wenn diese im Auto sitzen, das man auch im Dunkeln und bei nasser Straße Vollgas geben kann. Man wird schon jeden im Dunkeln sehen und rechtzeitig bremsen können. Und das ist eben nicht die Lösung.

Sich seiner Situation bewusst machen und entsprechend handeln, das ist die richtige Lösung. Muss ich als Kohlfahrer, Fussgänger, Spaziergänger oder Hundegassigeher im dunkeln oder im Dämmerlicht auf Nebenstraßen ohne Bürgersteig oder Radweg laufen? Kann ich zu solchen Zeiten nicht lieber auf beleuchtete Wege ausweichen? Und wenn es wirklich sein muss, dann muss ich natürlich dafür sorgen das man mich sieht. Aber auch darauf achten was um mich herum passiert und z.B. auf den Grünstreifen weichen wenn ein Auto angebraust kommt. Einfach so. Zur Sicherheit.

Als Autofahrer muss ich aber eben auch angepasst fahren und kann und darf mich nicht darauf verlassen das alle Verkehrsteilnehmer auf mich aufpassen. Auf einspurigen Nebenstraßen dann also langsamer fahren und in den kurven nochmal vom Gas gehen. Und bei der Gelegenheit auch möglichst mittig auf der Straße fahren.

Und wenn wir das gelernt haben, dann übertragen wir das erlernte auch auf andere Gebiete. Zum Beispiel auf den Umgang mit Sozialen Medien….