Holger kauft sich Stromspeicher. Ich sehe das der Speicher aktuell Mehrwertsteuerbefreit ist und falle in ein Rabbithole. Kommt mit auf meine Reise.
Strom aus der Sonne
Es ist schon wieder drei Jahre her das ich hier jemanden sitzen hatte, der mir eine PV-Anlage verkaufen wollte. Ich hab damals nicht zugegriffen und hab es nie bereut. Das ist alles zu kompliziert und zu doll. Ich trau dem Braten einfach nicht – zu viel Marketing und zu wenig belastbare Fakten – dazu die Abhängigkeit von einem Anbieter und Zusatzkosten für Wartungsverträge. Alles doof. Geht bestimmt auch anders. Aber ich war Satt. Ausführlich im verlinkten Artikel nachzulesen.
Holger will mir seit dem ein Balkonkraftwerk schmackhaft machen. Er ist davon total überzeugt und vermutlich hat er auch recht. Aber ich tue mich damit schwer. Auch das verfolge ich (erst mal) nicht weiter.
Der dynamische Stromtarif
Als ich meinen letzten Anbieterwechsel gemacht habe, waren die Preise gerade relativ hoch. Schlechtes Timing. Also entschied ich mich für einen Anbieter der monatlich die Preise anpasst und mich aber auch monatlich Wechseln lässt. Keine Vertragsbindung. Nach dem Wechsel musste ich mir die App des Herstellers installieren um monatlich meinen Stromzählerstand einzutragen. Schon nervig. In der App, immer wieder Werbung für dynamische Stromtarife. Alles was ich dazu brauche ist ein IMS – ein intelligentes Messsystem. Bei meinem Verbrauch kostet mich das nichts mehr, als der „normale“ Stromzähler der bereits verbaut ist. Warum man beim Wechsel von Analog auf Digital in 2022 nicht pauschal IMS verbaut hat ist mir ein Rätsel – vll wegen der eingebauten Mobilfunkverbindung zur Datenübertragung an den Netzanbieter.
Ich beauftrage also den IMS bei der EWE Netz AG und am 18.11.2025 wird dieser installiert und aktiviert, einige Tage später stelle ich auf den dynamischen Stromtarif um. Ab jetzt wird mein Strombedarf permanent gemessen und an meinen Anbieter übermittelt. Der berechnet mir dann den jeweils günstigsten Tarif in Abhängigkeit zur Strombörse.


Jetzt im Winter ist die Ersparnis vermutlich nicht sooo riesig. Aber in den Monaten mit viel Sonne und entsprechender Überproduktion bei den ganzen PV Anlagen im Land wird der Preis sinken und die Ersparnis groß sein. Und wenn man dann noch einen Stromspeicher hat und diesen mit günstigen Strom laden kann. Ja dann – dann hab ich vielleicht das System gedribbelt. Aber stimmt das alles? Klappt das alles? Meine Frau sagt nein. Überhaupt hat Sie das Gefühl, wir würden zur Zeit mehr zahlen als sonst.
Energiekostenanalyse / Bestandsaufnahme
Zeit für Statistiken – Ich krame meine alten Abrechnungen raus. Finde nichts was älter als 2014 ist. Komisch. Sollte aber reichen. Rechnungen lesen ist wirklich wild. Tarife die sich im laufenden Abrechnungsjahr wechseln, wechselnde Steuersätze, wechselnde Anbieter. Anbieterwechsel nach Sonderkündigungsrecht und dadurch abweichende Abrechnungszeiträume. Ein Chaos. Unterschiedliche Anbieter bedeuten auch unterschiedliche Grundpreise.
Ich mach es hier einfach – ich hab mir die Rechnungen rausgesucht in denen jeweils volle 12 Monate abgebildet werden, den Gesamtverbrauch und die Gesamtkosten. Die Kosten durch den Verbrauch geteilt ergibt den Preis pro kw/h inklusive Steuer. Fein.
| Jahr | Verbrauch in kw/h | Jahreskosten | Preis kw/h | Anbieter |
|---|---|---|---|---|
| 2013 – 2014 | 4 278 | 1177,35 € | 0,27 € | SWK |
| 2018 – 2019 | 4 167 | 1095,38 € | 0,26 € | Eprimo |
| 2019 – 2020 | 4 808 | 1369,49 € | 0,28 € | Eprimo |
| 2020 – 2021 | 5 468 | 1549,35 € | 0,28 € | Eprimo |
| 2021 – 2022 | 5 133 | 1450,49 € | 0,28 € | Eprimo |
| 2023 – 2024 | 4 340 | 1817,67 € | 0,41 € | Montana |
| 2024 – 2025 | 4 564 | 1243,61 € | 0,27 € | Naturwerke |
| 2025 – * | rabot.energy |
- Die Home Office Jahre haben den Stromverbrauch schon merklich in die Höhe springen lassen.
- Der Strompreis bei Vertragsabschluss in 2023 war wirklich doll. Aber danach sind die Energiekosten wieder gut gesunken – auch wenn in der Presse ständig steht das die Energiepreise soooo sehr gestiegen sind.
Und wie günstig ist die Dynamik?
Jetzt stellt sich die Frage ob ich mit meinem flexiblen Anbieter günstig fahre. Hier muss eine neue Tabelle her. Die ersten Monate hatte ich ja keinen smarten Tarif und dann bisher im teuren Winter schon. Bei der Recherche fällt mir auf, wie unlauter mein Stromanbieter handelt. Die Abrechnungen sind ein Witz und ich hab nicht das Gefühl das sich hier irgendwas am Strompreis geändert hat. Aber schauen wir.
| Zeitraum | Verbrauch | Gesamtkosten | Preis kw/h | Tarif |
|---|---|---|---|---|
| July – Dezember 2025 | 2 025 | 570,29 € | 0,28 € | rabot.home |
| Januar – Februar 2026 | 710 | 221,25 € | 0,31 € | rabot.home smart > Abrechnung im 15 Min Takt |
Bis hier also alles verarsche und meine Frau hat leider Recht.
Aber kann ich mit einem Stromspeicher Geld sparen?
Eine beinahe philosophische Frage. Würde ich mich, z. B. für den Speicher EcoFlow STREAM Ultra X 3840 Wh entscheiden, dann würde mir als 3,8 kw/h Strom aus dem Speicher zur Verfügung stehen. Mein täglicher Verbrauch liegt im Schnitt bei 11 kw/h. Würde ich also Tags über bei einem Preis von 13 Cent (ja sogar jetzt im März für den Preis möglich) innerhalb von 12 Stunden laden, könnte ich diesen Strom in der Nacht kostenlos nutzen. Aber da wird schon das Problem deutlich, oder?
Nein? Okay… ich mach es mal plastischer:
- Ich lade Tagsüber 4 kw/h für 13 Cent pro kw/h – Kosten 52 Cent
- Ich verbrauch die 4 kw/h am Abend und muss daher kein Strom kaufen. nehmen wir einen Preis von 30 Cent an. 1,20 € nicht ausgegeben.
- Ersparnis als 0,68 €
- Im Monat knapp 15 € gespart.
Ich habe aber auch knapp 1000 € für den Speicher ausgegeben. Im Plus bin ich also erst in 5 Jahren. Und das alles nur, wenn es auch wirklich optimal läuft. Zum Beispiel werde ich beim Kochen kurzfristig mehr als 800 W benötigen (mehr gibt der Speicher nicht ins Netz ab). Also kauf ich Strom zu. Das gleiche gilt vll für eine Durchlauferhitzer, Waschmaschine etc pp.
Auch muss sichergestellt werden, das ich den Strom aus dem Speicher nichts ins Netz einspeise. Das scheint alles steuerbar sein – ich versteh nur nicht wie. Das ist alles etwas ominös umschrieben.
Jetzt kommen wir zurück zu Holgers geliebten Balkonkraftwerk. Das macht die ganze Sache schon interessanter und die Mehrpreise sind eher zu vernachlässigen. Ich muss nachdenken ….

Strom, Wasser und Heizung
Ein Argument für die Anschaffung eines eigenen Einfamilienhauses war, das ich unabhängig über die Versorgung meiner Wohneinheit entscheiden kann und auch direkt Einfluss auf alles nehmen kann. In dieser Serie möchte ich über Gedanken und Optimierungen schreiben.
