blog · 9. April 2021

alphathiel und das Filmen – Teil 1

An einem langweiligen Sonntagnachmittag fand ich in einem Schrank die Super 8 Kamera meines Vaters. Hier hätte vielleicht die Karriere eines großen Filmemachers beginnen können. Ich fahr sehr jung. Vielleicht 6 oder 7. Aber es kam anders. Dennoch bin ich fasziniert vom bewegten Bild und es ist in meinem Leben immer wieder in Erscheinung getreten. Fotos mag ich eigentlich lieber aber Video….

Super … 8mm

Die Kamera befindet sich noch heute auf meinem Dachboden, aber aus Gründen komme ich da gerade nicht ran. Im Internet hab ich aber ein passendes Bild gefunden. Eigentlich ein tolles Konzept. Klein und kompakt. Unten im Griff wurden handelsübliche AA-Batterien reingesteckt. Man hielt es wie eine Pistole in der Hand und konnte elektrisch oder manuell Zoomen. Solange man den Kippschalter mit dem Zeigefinger drücke, wurde aufgenommen. Über den Zähler oben rechts konnte man sehen wie viel Laufzeit noch übrig war. Simple und einfach.

Aber, es gab keinen Ton. Und man konnte das aufgenommene Material weder anschauen noch überspielen. Man nahm den Film auf und schickte diesen ins Labor. Nach einem Zeitraum x bekam man den Film wieder. Dieser war ein Negativ der dann über einen entsprechenden Projektor abgespielt werden konnte.

Ich weiß, dass der Kamera noch einen Film in Folie eingeschweißt beilag. Ich hab allerdings keine Erinnerung daran, ob ich damit jemals was aufgenommen habe. Mein Vater hatte sich das irgendwann in den 70igern angeschafft und als ich das Entdeckte war das irgendwie wohl schon alter Kram. Muss ja so 84-86 gewesen sein.

Filmvorführung

Aber natürlich haben wir uns die Filme gemeinsam angeschaut.

Aufbau und Vorbereitung

Damit wir die Filme anschauen konnten, mussten die Fenster abgedunkelt werden. So richtig doll. Also Decken davor (später in einem anderen Haus hatten wir Jalousien). Dann musste alle erforderlichen Materialien zusammen gesucht werden. Vom Dachboden die Leinwand, den Projektor und den Projektor-Tisch. Aus der Garage das Verlängerungskabel, denn das Kabel vom Projektor war immer zu kurz. Und die Filme aus dem Wohnzimmerschrank.

Die Leinwand wurde am Wohnzimmerschrank aufgehängt und dazu an der oberen Kante des Schrankes mit dem Brockhaus befestigt. Der Projektor aufgestellt und ausgerichtet. Die leere Spule gesucht, ein Film ausgesucht und das ganze eingefädelt.

Die Vorführung

Jetzt wurden alle Anwesenden auf die Couch gerufen, damit der Spaß losgehen kann. Wenn alle sitzen muss jemand nochmal zur Tür und den Lichtschalter betätigen und im wirklich dunkeln Wohnzimmer wieder zurück zum Platz stolpern.

Dann startet der Film. Sehr wahrscheinlich ist er verschwommen. Papa dreht am Objektiv bis es scharf war. Aber bitte nochmal von Anfang an. Projektor stoppen, Leuchtmittel ausschalten und zurückfahren lassen. Leider zu weit. Der Film ist wieder aus der Spule raus. Jemand muss das Licht anmachen. Der Film muss neu eingefädelt werden. Der kleinste im Zimmer wird unruhig und die Stimmung wird leicht genervt.

Film ist wieder drin und läuft. Ein großes oohhh und aaahhh. Ach weißt du noch … na das war ja was. Und den Onkel Eberhardt ham wir ja auch schon lange nicht gesehen. 5 Minuten später war der Spaß zu Ende.

Licht an, Leuchtmittel am Projektor aus und zurückspulen. Nächsten Film einfädeln und so weiter…

Der Stressfaktor für den Filmvorführer war sich ungemein hoch und umso schöner und größer die Entspannungsphasen, wenn alles läuft. Leider eben nur kurz.

Kosten

Ich hab wirklich keine Ahnung. Aber alleine die Anschaffung der Geräte. Kamera, Projektor, Leinwand, Schnitttisch und und. Dann jedes Mal die Filme kaufen und entwickeln lassen.

Vermutlich auch der Grund warum mein Papa da später nichts mehr mit gemacht hat. Einfach sehr teuer und sehr aufwändig.

Ach, der Schnitttisch. Ja … das war ein kleiner Projektor, in dem man den Film manuell durch Kurbeln konnte. Bild für Bild. An der richtigen Stelle konnte man den Film dann schneiden und mit einer anderen stelle wieder zusammenfügen. So wie man es heute auch am PC macht, nur eben in echt, mit der Hand. Und auch nicht beliebig. Papa hat damit dann große Rollen zusammengeschnitten damit nicht alle 5 Minuten der Film gewechselt werden muss. Naja und eben die verwackelten und unscharfen Sachen raus.

Die gute alte Zeit?

Eher nicht. Alles sehr aufwendig. Aufnehmen wie abspielen. Jede Sekunde Bildmaterial kostet Nerven und Geld und der Ergebnisse waren so okay. Aber schöne Erinnerungen sind das schon. Und es war damals was Besonderes. Die ersten Schritte auf Band? Das hatte von meinen Kumpels keiner. Ich hab das aber. Oder eben wir ich aus dem Passat meines Papas aussteige…