#1 – Losing my religion

#1 – Losing my religion


Es ist verrückt. Ich höre im Podcast wie einer zwei Sätze über sein erleben der Kirche erzählt und denke das ich etwas dazu schreiben möchte. Fange an ein paar Sätze zu schreiben und schreibe und schreibe. Ich merke wie ich ein Fass nach dem nächsten aufmache. Es ist ganz klar, das ich das Thema nicht in einem einzigen Blog-Artikel verarbeiten kann und möchte. Daher: Herzlich willkommen in der Serie „Losing my religion“.

Meine Mutter hat die Baptistenkirche bereits in Ihrer Jugend kennengelernt. Hier galten sehr strenge Regeln. Männer mussten Bärte tragen, Frauen Röcke. Radio und Fernseher waren verboten. Tanzen, Musik und Spaß auch – so hat Sie es mir erzählt. Vielleicht waren das die Gründe dafür, das sie nicht durchgehend Teil dieser Gemeinde gewesen ist. Vielleicht lag es aber auch an meinem Vater der wohl mit Kirche insgesamt nicht soviel am Hut hatte. Ich kann es wirklich nicht sagen.

Nach dem sich meine Eltern aber getrennt hatten und meine Mutter einen Führerschein gemacht hatte und sich damit auch auf dem Land frei bewegen konnte wurden wir Teil einer Baptisten Gemeinde in Ostfriesland.

Baptisten in Deutschland sind anders als die Baptisten die man aus US-Amerikanischen TV-Produktionen kennt – wesentlich steifer. Offizieller Titel ist auch „Evangelisch freikirchlichen Gemeinde“. Man ist also definitiv nicht katholisch aber sieht einige Dinge anders, als es die evangelische Kirche tut. Im Wesentlichen hat es (für mich) folgende Unterschiede gegeben:

  • keine Kirchensteuer
  • keine Kommunion / Konfirmation
  • keine Kindstaufe
  • Strenger in der Auslegung der Bibel
  • Besser als die anderen Kirchen sein

Während meiner Grundschulzeit, sahen Sonntage für mich also wie folgt aus: Irgendwann um 8 Uhr aufstehen, Frühstücken und die guten Sachen anziehen. Mit Mutter in die Kirche fahren. Meine älteren Schwestern mussten das nicht. Der Gottesdienst begann immer mit Singen und Ankündigungen für die Gemeinde und natürlich gebeten. Bevor es dann zur eigentlichen Predigt kam, wurden die Kinder raus gerufen. Die Kinder gingen dann in die Sonntagsschule. Hier wurde dann in Spielkreisen irgendwas religiöses vermittelt. Zum Abschluss Gebet waren alle wieder im Gottesdienst und dann ging es nach Hause. Zuhause wartete schon mein Vater der mich und meine Schwester abholte. Denn Sonntags war „sein“ Tag.

Den Rest der Woche, spielte Religion eigentlich keine Rolle. Es gab keine Tischgebete, auch kein gute Nacht-Gebete. Auch wurde das Handeln des einzelnen nicht mit der Bibel in der Hand hinterfragt. Dennoch waren wir, in den Augen meiner Mutter, gute Christen. Besser sogar als viele „Christen“ um uns herum. Die ganzen Normalen Christen gehen ja nur zur Konfirmation und am heiligen Abend in die Kirche. Wir waren da besser.

In der Schule musste ich erklären warum ich in eine andere Kirche gehe, wenn ich nach meiner Kirchenzugehörigkeit gefragt wurde. Ich stritt mich mit der Religionslehrerin, weil ich Dinge anders gelernt hatte. Meine Wahrheit war natürlich die richtige.

Also ich als Kind an jedem Sonntag von meiner Mutter mit in die evangelische freikirchlichen Gemeinde geschleppt worden bin, hat man davon nicht mehr viel gemerkt. Die Kirche hat sich angepasst – das hab ich später gelernt. Aber dazu natürlich viel später mehr.

In Wirklichkeit waren wir natürlich keine guten Christen. Ich weiß das es in vielen Babtisten-Haushalten ganz anders zuging. Gott und Jesus spielte immer eine Rolle. Bei jedem Atemzug. Für mich war es halt eine Sonntagsbeschäftigung und eine Möglichkeit mich von allen anderen Abzugrenzen. Etwas besonderes zu sein.

Losing my religion

Mein Leben in der Kirche