#2 – Eine eigene Welt

#2 – Eine eigene Welt


Der Gedanke, das man als Baptist etwas besonderes ist, kam vielleicht auch daher, das viele Familien in dieser Kirche wohlhabend bzw. reich waren. Manche Menschen behaupten, das die Befreiung von der Kirchensteuer die reichen Christen in die Arme der Baptistenkirche treiben würden. Aber ist das wirklich so?

Jedes Mitglied der Kirche gibt so viel er kann. Im Zweifel bezieht man sich auf die Bibel und dort steht irgendwo das jeder den zehnten Teil seines Einkommens geben soll. Das ist natürlich viel mehr, als man in der Regel in der „normalen“ Kirche zahlt. Die Ausgaben sind aber ja freiwillig und sicher auch verklausuliert. Der Gärtner wird eben nichts in Rechnung stellen wenn er den Garten der Kirche macht und der Bauunternehmer die Materialien kostengünstig liefern und so weiter. Also so eine Mitgliedschaft bietet sicher finanzielle Vorteile.

Das in dieser Gemeinde soviel Wohlhabend waren lag wohl eher daran das es alles alt eingesessene Familien waren, die schon in der xten Generation im Dorf leben und wirken. Zum anderen wurde natürlich viel geklüngelt. Wenn man sich Gegenseitig die Aufgaben zu schustert ….

Kirche ist aber eben auch immer viel Politik. Und derjenige der viel gibt, will auch viel und macht die Politik in der Gemeinde. Steht damit im Fokus. Man sieht die Reichen also mehr. Viele andere aber eben gar nicht. Aber dennoch ist es schon so, das die Mitglieder der Kirchengemeinde einen eigenen Kosmos innerhalb der Dörflichen Gemeinschaft bilden. Als Schüler nickt man den anderen Gemeindemitgliedern auf dem Schulhof zu, auch wenn man sonst gar nichts mit einander zu tun hat. Wie so ein Geheimbund.

Ihr wisst schon.

In Kommunalen Gemeinde, in der ich damals lebte, gab es drei Grundschulen. Nach der vierten Klasse gingen dann alle Schüler auf eine gemeinsame Orientierungsstufe. Kids aus der Baptistenkirche kannten Schüler aus jeder der drei Grundschulen. Andere nicht. Wenn man also in einer neuen Klasse ankam, hatte man sofort verbündete.

Ihr merkt schon … bis hier hin hab ich mit Religion nichts oder nur sehr wenig am Hut. Ich bin ein Kind. Ich will bespaßt werden und ich will mich gut fühlen. Alles andere ist mir doch Scheißegal.

Losing my religion

Mein Leben in der Kirche