#5 – Die Abkehr vom Glauben

Ich war also Gefangen zwischen zwei Welten. In die eine wollte ich rein, wurde aber nicht richtig angenommen. Die andere lockte mit ihrer Zügellosigkeit und echten Freunden. Und ein Pastor, versuchte mich im Auftrag der Kirche, so zu formen, das ich ins Konzept passe.

Jeden Donnerstag musste ich mir also anhören, wie sich ein guter Christ in der Welt da draußen benehmen muss und wie er es schafft den weltlichen Lastern zu entkommen. Gleichzeitig traf ich auf Feten oder in der Disko auf Jugendliche aus meiner Kirchengemeinde die auf all das überhaupt keinen Bezug nahmen. Nur waren diese aus den reichen Kernfamilien. Ließ man es ihnen durchgehen? Oder machte man sich um deren Seelenwohl keinerlei Sorgen?

Diese intensiven Donnerstagabend zeigten mir aber auf, wie sehr sich die Kirche immer weiter verändert. Denn natürlich sagte der Pastor so Dinge wie: ihr habt es ja schon besser als wir damals. Und das stimmte auch. Aber wie können Menschen die von Gott gemachten Regeln immer wieder revidieren? Was ist dann richtig und was falsch? Welche Regeln kann ich dann für mich ändern und anpasse? Und warum ist die Regel eines Erwachsenen mehr Wert als meine eigenen.

Wie ihr lesen könnt, steckt ich in einer wirklichen Sinnkrise und das ohne Not. Denn ohne Kirche hätte ich diese Problem nicht gehabt und wäre dennoch ein moralisch akzeptabler Mensch gewesen. Mit ca 15 war es dann soweit, das ich das Konzept Kirche vollkommen in Frage stellte und aus der Gemeinde ausgetreten bin. Es dauerte vielleicht noch zwei Jahre bis ich mich als vollkommen Gottlos bezeichnen konnte. Und bis ich frei von jeglichem schlechten Gewissen einem imaginären Gott geben über war, sogar noch viele Jahre mehr.

Religion und Kirchen sind gemacht von Menschen um ein Werkzeug zu haben, mit dem andere Menschen gesteuert werden können. Das große „Is so“ unserer Kultur, wenn man so möchte. Denn mit der Religion läßt sich jede Frage mit einem „ist Gotteswille“ beantworten. Ich halte nichts von Kirchen und keiner braucht Kirchen. Ja, Kirchen machen soziale Arbeit, aber das könnte man auch anders organisieren. Kommt, wir hauen unsere Kirchensteuer in einen andern Topf einer NGO die nicht in die eigene Tasche und eigene Machtstruktur investiert und ihr werdet sehen: Das geht noch viel mehr.

Das einzige was mir von der Kirche geblieben ist, ist die Fähigkeit Lieder mitzusingen die man vorher noch nie gehört hat. Dieses mit einem Ohr der „Crowd“ zuzuhören und sehr schnell zu adaptieren. Das lernt man nur wenn man jeden Sonntag in der Kirche sitzt. Aber war es das Wert?

Losing my religion

Mein Leben in der Kirche