#4 – Die harte Realität

#4 – Die harte Realität


Formal war ich jetzt also Mitglied in der evangelisch Freikirchlichen Gemeinde. Und weil ich das ja wollte wurde ich hier auch aktiver. Natürlich war ich jeden Sonntag in der Kirche, in der Jungschar und dann später gab es noch eine andere Gruppe mit der sich der Pastor regelmäßig traf um Glaubensfragen zu besprechen. Aber da sind wir noch nicht.

Ich war also aktiv in der Kirche. Zuhause lebten wir die Religion weiterhin nicht aus. Mein Freundeskreis bestand nur aus Kids die nicht in dieser Kirche waren und die Kids in der Kirche behandelten mich nicht anders als vorher. Meine Freunde gingen jetzt zum Konfirmationsunterricht. Was mich tierisch ärgerte, denn jetzt hatten die ein parallel Leben zu mir, von dem man mir natürlich auch stolz erzählt.

Wenn man sich beschwerte, das man noch 20 mal zum Gottesdienst muss, damit das Stempelbuch voll wird, lachte ich nur müde und fühlte mich überlegen. Aber mit der Konfirmation ging auch das jugendliche Leben los. Feiern, rauchen, trinken. Das startet so mit 14. Mädchen, knutschen und Sex wird zum Thema.

In der Kirche wurde uns sehr unverblümt der Sex vor der Ehe verboten. Alkohol, rauchen und Party machen waren auch nicht erwünscht. Als junger und treuer Christ hatte ich beim onanieren ein Unfassbar schlechtes gewissen. Spaß hat das bestimmt nicht gemacht. Angst von Mutter oder Geschwistern erwischt zu werden und gleichzeitig die Gewissheit das mein Gott es ganz bestimmt sieht. Abgehalten hat mich das alles aber trotzdem nicht. Das schlechte Gewissen verflog … bis zum nächsten Mal. So ist das halt als Christ.

Irgendwann wurde ich offensiv darauf angesprochen das ich viel Zeit außerhalb der Kirchengemeinde verbrachte und man ja auch davon hört wo ich mich herumtreibe. Ich wurde eingeladen, einmal die Woche mit ein paar anderen Jugendlichen zusammen zu sitzen und gemeinsam mit dem Pastor über die besonderen Herausforderungen als Baptist in der Welt zu sprechen.

Ich mochte unseren Pastor und er war ein fairer Mann. Trotzdem, ich fühlte mich sehr ungerecht behandelt. Ich machte in meinen Augen nichts falsch.

Losing my religion

Mein Leben in der Kirche