Es ist eine schöne Tradition auf das vergangen Jahr zurück zu blicken. Fazit und Therapie in einem. Wie war also mein 2025?
Todesfall – Nr 1
Gleich zu Beginn des Jahres beerdigen wir einen Freund. Hirntumor. In der ersten Corona Welle war der Tumor gekommen. OP und Chemo hatten Hoffnung gemacht. Irgendwann in 2024 war er dann wieder da. Im zweiten Anlauf hat der Tumor gewonnen. Ich wusste schon vor vier Jahren das er am Ende den kürzeren Ziehen wird. Er war immer ein Optimist – oder ein Meister der Verdrängung? Kann man so oder so sehen.
Politik / Gesellschaft
Es wurde die zweit schlimmste Regierung gewählt, die ich mir vorstellen konnte und alle meine Ängste haben sich bewahrheitet. Was für ein Scheiß. Noch drei Jahre …. ich stehe ja noch immer für eine Lösung bereit. Sagt mir nur Bescheid. Bis dahin versuche ich so wenig Nachrichten und Tagesgeschehen mit zubekommen, wie nur irgendwie möglich. Besser für mich.
Vatersein
Im Jahr 2024 hat mein Sohn ein paar Dummheiten begangen. Einige davon auch polizeilich erfasst. Wir gingen immer fest davon aus, das da nichts schlimmeres draus werden wird. Aber so ein bisschen Angst bleibt natürlich immer.
Im Januar meinte ein Staatsanwalt es wäre auch mal eine gute Idee beim Jugendamt vorstellig zu werden. 3 Stunden Drogenberatung waren die Konsequenz. Ob es was geholfen hat? Würde sagen, eher nein. Alle weiteren Verfahren wurden im laufe des Jahres eingestellt. Glaub ich. Wir haben ein wenig den Überblick verloren, die Staatsanwaltschaft aber auch.
Im März meint der Ausbilder meines Sohnes, ihn mit einer abgebrochenen Bierflasche bedrohen zu müssen. Im berauschten Zustand natürlich. Chef lebt in Scheidung, hat wohl Geldsorgen und dann kommt noch ein böser Anruf von der Berufsschule. Warum auch immer, kanalisiert der Chef allen Ärger auf meinen Sohn.
Am nächsten Tag gehen wir zur Polizei. Anzeige ist raus. Schriftliche Beschwerde bei der Dachdecker Innung und der IHK. Dann suchen wir dem Sohn einen neuen Ausbildungsbetrieb. Bierflasche war am Mittwoch, am darauf folgenden Montag unterschreibt der den neuen Ausbildungsvertrag. Top.
Wie auch immer, der alte Betrieb ist mittlerweile Pleite.
Weder von der IHK noch von der Dachdecker Innung eine Antwort. Kein Kommentar, gar nichts. Nichtmal ein Textbaustein. Im Herbst kommt ein Schreiben von der Staatsanwaltschaft. Verfahren eingestellt. Der einzige Zeuge kann sich wegen Alkoholmissbrauch nicht an die Tat erinnern.
Der neue Betrieb ist mega und mein Sohn lebt sich schnell ein. Das einzige Problem: der Betrieb ist deutlich weiter weg als der alte. Ich bin also sehr viel mit holen und bringen beschäftigt. All die Zeit die ich mir in den Schuljahren durch strategisch gut gewähltem Wohnort gespart habe, verbrate ich jetzt. Ich müsste ja nicht, könnte den Junior auch mit dem Rad fahren lassen, oder oder oder. Bin wohl zu gutmütig.
Irgendwann im Sommer macht es beim Junior klick. Er steckt alle Energie in das Projekt Führerschein und schafft es sogar noch einige Wochen vor seinem 18 Geburtstag. Wir kommen in den Genuss des begleitenden Fahrens. Ich versteh voll das er Fahrpraxis sammeln möchte und verbringe jetzt viele Stunden auf dem Rück- oder Beifahrersitz. Zum Teil in meinem Auto, zum Teil im Auto meiner Frau und dann auch in seinem ersten Auto. Nach dem PKW-Lappen folgt noch der große Anhänger-Schein. Aber wer zahlt das denn alles? Ja, die lieben Eltern schenken dem Junior den Lappen. War eigentlich nicht so geplant, aber da sich sein Lebenswandel sehr zum positiven gedreht hat, wollen wir ihm was gutes.
Der große Anhänger-Schein macht sich auch gleich Positiv bemerkbar. Er darf in der Firma häufiger Materialfahrten erledigen und wird auch schon mal für einfache Aufträge alleine zum Kunden geschickt. Das macht schon etwas mit einem Jungen Mann. Wer Verantwortung bekommt, verhält sich auch entsprechend. Tatsächlich hat das Handwerk auch wohl ein großes Problem damit, das viele junge Menschen (und Jung meint hier unter 40 Jahre) größere Fahrzeuge nicht mehr fahren dürfen. Da hat mein Sohn jetzt schon ein Vorteil.
Mit der Entscheidung seinen Führerschein zu machen, kam auch die Entscheidung das Kiffen einzustellen. Zu Groß ist ihm die Gefahr den Lappen gleich wieder zu verlieren. Auch wenn ich nichts gegen das Kiffen habe, bin ich froh das er sich so entschieden hat, und zwar ganz von alleine. Sein Konsumverhalten war hier schon sehr exzessiv und nach 2 Monaten des Entzugs gibt er dann auch selber zu, wie sehr ihn das permanente Rauchen benebelt hat.
Und weil mein Sohn mein Sohn ist, wollte ich ihm auch zu seinem ersten Auto verhelfen. Das mir dieses Thema so viel Nerven kosten würde, das hab ich nie gedacht. Aber gut, das hab ich ja alles sehr umfänglich dokumentiert.
Todesfall Nr. 2
Im April wird unser Keks dann krank und muss leider eingeschläfert werden. Eine wirklich sehr traurige Zeit bricht an. Ich plane bereits seit dem eine Serie über diesen kleinen Teufels Hund zu schreiben – sein Leben zu dokumentieren. Aber ich kann das noch immer nicht. Wobei das sicherlich heilende Wirkung hätte. Na mal sehen, vielleicht im neuen Jahr.
In den darauf folgenden Wochen ist es insgesamt ruhig. Alle in der Familie lenken sich irgendwie ab. Ich finde sogar mal Zeit für so Dinge wie das aufräumen meiner Daten und beginne eine kleine Serie „Ich im Internet“ zu schreiben. Schon heute eine schöne Erinnerung.
Hochzeit
Im Mai haben zwei liebe Freunde von uns geheiratet. Er ist der beste Freund meiner Frau und seit 1995 ein Arbeitskollege von mir. Der andere Er ist seit 2002 sein Lebensgefährte. Richtig, ein schwules Paar. Und obwohl es auch schon in 2002 eigentlich kein Problem mehr gewesen sein sollte, ein Schwuler zu sein hat es doch sehr lange gedauert bis die beiden geheiratet haben. Jeweils Opfer der Kultur, der Bubbles und vielleicht auch der eigenen Erwartung.
Die beiden leben aber schon lange zusammen und haben große Freundeskreise und entsprechend riesig wurde die Hochzeit geplant. ICH wäre definitiv zu geizig gewesen auf diese Art und Weise zu feiern. Aber so hat halt jeder sein Ding. Am Ende waren die beiden dann auch irgendwie froh damit durch gewesen zu sein, weil es ja eben doch das eigene Leben für ein knappes Jahr überschattet hatte.
Für mich bleibt ein wunderschöner Abend im Gedächtnis und die Hoffnung das wir noch die goldene Hochzeit gemeinsam feiern werden.
Urlaube
Ich fahre gerne in Urlaub – Raus aus dem Alltag gelingt eben nur so richtig, wenn man nicht zuhause ist. Kultur ist mir in dem Zusammenhang gar nicht wichtig. Viel wichtiger ist mir die Entspannung. Mein Frau und ich machen im Mai / Juni also zwei Kurz-Trips in nette Hotels und im August sind wir ne Woche mit dem Wohnmobil unterwegs.
Entspannung hatten wir schon, aber so richtig abschalten konnten wir dabei nie. Mein Sohn muss endlich lernen alleine aufzustehen und ich muss lernen das er seine Probleme alleine lösen muss. Aber das wird schon.
Und sonst so?
Wie man hier schon feststellt, hat das Vatersein dieses Jahr sehr dominiert. Natürlich hab ich hier nur grob angerissen wie sehr einem diese erwachsenen Probleme eines Teenagers beschäftigen. Zu mindestens dann, wenn man so tickt wie ich.
Ich bin nur Froh das es bei uns Beruflich gut läuft und wir uns wenigstens keine Sorgen um Geld machen müssen. Unsere Jobs sind sicher. Wir machen unsere Jobs gut. Das Geld kommt. Wir können uns Dinge leisten und vor allem können wir bisher alle Herausforderungen meistern. Auch weil wir schon ewig in unseren Betrieben arbeiten und damit sicher einiges Gut bei unseren Chefs haben. So können wir flexibel sein. Das ist schon alles ganz gut.
Haus & Garten haben dieses Jahr aber ganz schön unter dem ganzen Kram gelitten. Obwohl es eine gute Ablenkung (und ein guter Ausgleich) wäre sich um solche Dinge zu kümmern. Das gleiche Gilt für Themen wie Gesundheit, diesen Blog und andere Dinge die ich eher unter Hobby ablegen würde. Das muss kommendes Jahr besser werden.
Aktuell bin ich aber dabei, Pläne für 2026 zu schmieden. Ich muss mein Leben ändern. Ich muss einfach. Und ich werde hier berichten. Bleibt dran und seit gespannt.

Jahresrückblick
Was für eine schöne Tradition. Am Ende bzw am Anfang eines neuen Jahres zurück zuschauen und sich zu überlegen was gut und schlecht war. Und wenn man sich das dann mal so im Zeitraffer durchschaut – vielleicht zeigt es dann, was man doch für eine gute Zeit hatte.
