Ich bin dabei meine Festplatte aufzuräumen und stoße auf den Screenshot einer älteren Version von alphathiel.de. Ich schau mir den Zeitstempel der Datei an und wundere mich, das dieser schon wieder einige Jahre alt ist. Und wie ich mich so wundere komme ich ins Schwelgen. Ich hatte schon viele Namen im Internet: mad-bob, faulthiel und alphathiel. Meine Anfänge hab ich wohl mit dem Netscape Composer und einem gecrackten Frontpage gemacht, so weit ich mich erinnern kann. Wie sah das damals noch aus? Ich versuche das ganze mit Hilfe der Wayback-Machine zu reproduzieren. Folgt mir in das Rabbit Hole meines Internet-Lebens.

ossiforossi.ForU.de | 2000 – 2001

Meine Internetkarriere begann im Mai 2000. Ich befand mich im 4-Wöchigen Einführungskurs des technischen Supports der T-Online International AG. Da jeder T-Online Kunde unter der sperrigen URL http://home.t-online.de/home/alias 10 MB Speicherplatz für eine eigene Homepage bekam, lernten wir auch einige Grundlagen der Webseiten Gestaltung. Naja, eigentlich bauten wir mit dem Netscape Composer etwas rudimentäres zusammen damit wir das publizieren per FTP üben konnten. Natürlich war das erstellen von Internetseiten nicht Teil unseres Supports.

Tatsächlich war es für mich das interessanteste in dem ganzen Lehrgang. Das meiste andere war mir durch meine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker eh schon klar oder ich hatte es mir schon selber beigebracht. Das Hobby Computer hatte ich ja schon seit dem ich 9 Jahre war.

Die kostenlose Testkennung, die jeder Mitarbeiter bekam, brachte meine 64 K/Bits ISDN Leitung zum glühen. Und während Napster seine Aufgabe erledigte überlegte ich mir, was ich mit den neu erworbenen Skills so anfangen könnte und was ich den so im Internet veröffentlichen wolle.

Einige Jahre zuvor hatte ich auf einer Jugendfreizeiten in Mytho – Tschechien viele tolle Menschen aus Sachsen und Sachsen Anhalt kennen gelernt und auch später einige tolle Partys mit diesen gefeiert. Zwischen 98 und 2000 hat man sich aber aus den Augen verloren. Heute kaum noch denkbar – damals war die Entfernung aber zu groß.

Ich dachte also: Wenn die Ossi`s auch im Internet sind, dann finden die mich vielleicht und wir kommen wieder in Kontakt. Es war halt vor Studi-VZ oder Facebook. Lange her. Ich war Ostfriese und die anderen waren Ost-Deutsche: Ossi for Ossi war geboren.

Ich weiß noch das ich die Grafik der Startseite und das Logo auf der Seite selbst mit einem gecrackten Corel Draw erstellte. Tatsächlich finde ich das Design noch heute sehr gelungen. Ja etwas dark, aber ich mags. Und erkennt ihr das Mauerwerk? Natürlich voll Meta für die gefallene Mauer in Berlin.

Da mir die URL http://home.t-online.de/home/ossiforossi/ wohl etwas zu sperrig war, habe ich mir im Oktober 2000 die URL http://ossiforossi.ForU.de eingerichtet die dann auf den kostenlosen Speicherplatz von T-Online weitergeleitet wurde.

Ich bin mir nicht mehr sicher womit ich das ganze erstellt habe. Vermute aber es war der Netscape Composer. Im Prinzip schon ein WYSIWYG-Editor der einfache Dinge erlaubt, mit dem man aber auch schon Quell-Code herumdoktern konnte.

Natürlich durften Dinge wie Counter und Gästebuch nicht fehlen. Der kostenlose Webspace erlaubte natürlich kein ausführen von CGIs (also ausführbaren Programmen wie PHP, Perl usw). Man war von externen Diensten abhängig, die man eingebunden hat. Im November 2001 entschied ich (laut Counter nach 522 Klicks), das ich die Seite nicht mehr fortführen möchte. 2004 löschte ich die Seite dann wohl aus dem Internet.

madbobs.coolworld.de | 2001 – 2004

Mein nächstes Projekt war eine Sammlung von Internetlinks. Aufgeteilt nach Kategorien. Das war damals nen echtes Ding. Jede „private“ Homepage führte eine Liste mit wichtigen und tollen Links. Es gab ja Google und schon damals wusste man: Homepages zu denen viele Links führen, werden von Google als wichtig erachtet. Und deswegen verlinkte man sich gegenseitig.

Mit Glück kamen so Leute entweder über Google zu einem oder eben über eine der anderen privaten Homepages. Die Idee für madbobs.coolword.de basierte aber vermutlich eher darauf, das ich entweder in der Firma oder zuhause auf „meine“ Links zugreifen wollte und so was wie das synchronisieren von Bookmarks gab es noch nicht. Also sammelte ich diese auf einer Webseite und bereitete es entsprechend auf.

Der kostenlose Webspace von T-Online war mittlerweile über alias.bei.t-online.de erreichbar (in meinem Fall atwebspace.bei.t-online.de) und ich richtete mir die kostenlos Subdomain madbobs.coolworlde.de ein und war damit ganz gut unterwegs.

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf den Nickname mad-bob gekommen bin. Wenn ich mich damals aber in Chats (ICQ ey) oder irgendwelchen Internetforen anmeldete, dann immer mit dem Nick mad-bob. Daher ergab diese URL natürlich vollkommen Sinn.

Das erste Design war, im Vergleich mit ossiforossi ein echter Rückschritt. Selbst für die 00er Jahre war das mega hässlich. Sicherlich hab ich auf irgendeiner Internetseite einen Online-GIF-Creator gefunden und damit diese schrecklichen Buttons erstellt.

Spannend ist der gelbe Banner zu steffenworld.de. Steffen ist ein Arbeitskollege der damals auf einer Webseite Sprüche und Witze und Links zu Klingeltöne und solchen Kram gesammelt hatte. Dabei hat er auch viel Werbung geschaltet und sich damit etwas Geld dazu verdient. Mir war das natürlich zu unseriös, ich wollte mit echten Produkten mein Geld verdienen (dazu später mehr). Aber ja – mit dem Internet Geld verdienen war schon damals ein Thema und das Prinzip immer schon das gleiche. Mit irgendeinem Scheiß auf die eigene Seite locken und für Klicks bezahlt werden. Was die Influenzer-Buddys heute so machen ist im Prinzip nichts anderes – nur eben besser bezahlt.

Der Bannertausch war auch so ein Ding damals. Die Idee – man baut schöne Banner seiner Webseite und gibt anderen die Möglichkeit diese auf Ihrer eigenen Homepage einzubinden. Die Banner sind auffällig und werden geklickt und Besucher kommen auf die eigene Seite.

Hätte der Webspace eine Statistik gehabt, hätte man darüber sogar auswerten können wie oft der Banner auf anderen Seiten angesehen wurde. Auch das ist im Prinzip etwas das noch heute gemacht wird. Jede Werbeschaltung ist technisch gesehen nichts anderes.

Die Links die ich da gesammelt habe, sind aber tatsächlich viele kleine Dinge, wie die Webseiten von real existierenden Freunden und Kollegen. Die Leemhuis-Brüder hatten jeweils eigene Seiten (natürlich mit echten eigenen Domains, was kostet die Welt) oder die Ulmer HipHoper U-town-players. Schon schön sich daran zu erinnern. Auch durfte natürlich keine Links zu Dawons Creek und vor allem Katie Holmes Fan Seiten fehlen.

Und natürlich gab es ein Link zu meinem „Haus“ in der FFN-Funcity. Socialmedia in 2001. Unter der Rubrik Musik gab es auch einen Link zu musiccity.com – einer P2P-Tauschbörse und ein Download zum passenden Tool. Verrückte Zeiten.

2002 überarbeitete ich dann das Design. Es wurde Grau / Weiß. Und diese Farbkombination wird die nächsten 20 Jahre mein Ding sein. Neu ist die Kategorie „Olli`s Welt“. Anscheinend hat mein Lieblings „Mit-Auszubildender“ und mittlerweile Schwager meine Seite entdeckt und Links zu geschickt die ich da mit aufnehmen sollte. Hab ich natürlich gemacht. Und so hatte er seine eigene Rubrik.

Gelungen finde ich auch, das ich auf der Startseite farblich hervorgehoben habe, was neu ist und Redaktionell bewertet habe, was man sich wohl ansehen sollen würde. Hatte ich mir gar Hoffnung gemacht etwas damit zu bewirken?

Definitiv war die Seite frei von Werbung. Bis auf die Werbung die durch den Betreiber von coolworld.de in einem Pop-Up eingespielt wurde – aber auch das war damals vollkommen normal.

Und dann hab ich wohl geschrieben

Neuester Trend ist es Internet Seiten in Flash zu programmieren, aber das ist gar nicht so einfach. Es gibt allerdings einen Onlinegenerator für Flashseiten.

Ich kann es nicht fassen. Den diesen Satz hab ich nach einer Auflistungen von Negativ-Beispielen für Webdesign (siehe https://web.archive.org/web/20250000000000*/http://home.t-online.de/home/Karl.Fritsch/) aufgeführt. Zu dem Zeitpunkt war wohl noch nicht klar, welche Pest Flash-generierte Internetseiten sein würden.

Im Jahr 2003 verweist madbobs.coolworld.de auf www.faulthiel.de/coolworld. Ich hab mittlerweile also einen echten Webspace und eine eigene Domains registriert und das „Projekt“ dort weitergeführt. Der letzten Speicherpunkt den ich finden konnte ist aus dem Jahr 2004 – und selbst der Inhalt scheint schon älter gewesen zu sein. In diesem letzten Speicherpunkt findet sich der Link zu www.dau-alarm.de. Also junger Mitarbeiter im technischen Kundenservice fühlte man sich auf der Seite über alle Vorurteile bestätigt. Von arroganten Admins für dämliches Pseudo-Fachleute geschrieben. Der Vorteil an diesem alten Internet war, das jeder seine Ecke hatte und die Leute unter sich blieben.

Irgendwann in 2004 löschte ich dann also auch diese Seite aus dem Internet – und wenn das Internet Archive mit seiner Wayback-Machine nicht wäre, wären diese Dinge für immer verloren gewesen.

Teil der Serie: Ich im Internet

Das alphathiel im Internet im Wandel der Zeit.