Ganz bestimmt werde ich hier keinen Namen nennen. Das wäre sicherlich Anstandslos. Aber morgen ist Silvester und damit der 30 Jahrestag dieses Events uns so möchte ich wenigstens erzählen, wie es dazu gekommen ist. Am 30 Dezember 2024 begann ich diesen Artikel zu schreiben. Es wäre passend gewesen. Warum auch immer, bin ich aber nicht fertig geworden. Dann eben zum Jahrestag Nummer 31.
Ein Bild, das mich knechten sollte
Es muss so im Oktober 1994 gewesen sein. Wie so häufig trafen wir uns im Wohnzimmer einer Klassenkameradin (P). Die Eltern hatten ein großes Haus und da war Platz für eine Bande Zehntklässler, die irgendwie die kalten nassen Samstagabende herumkriegen wollten. Ich weiß nicht mehr warum, aber ich stieg die Treppe ins Obergeschoss hinauf und schaute mir dabei die Fotos an der Wand an.
Auf einem Bild war ein Mädchen in meinem Alter zu sehen, von dem ich sofort hin und weg war. Braune Haare, süßes Lächeln und eine Nase … ich sage euch. Ich fragte P. sofort wer das wäre und bekam die Information das N. eine Brieffreundin sei, die zu Silvester mit Ihren Eltern zu Besuch kommt.
Ich musste diese Mädchen kennenlernen. Dieser fixe Gedanke hat sich sofort in meinem Kopf verankert und ließ mich nicht los. Ob ich dann vorschlug, dass wir als Clique ja eine Silvesterparty organisieren könnten, kann ich nicht sagen. Ich weiß aber, dass ich mich sehr aktiv an der Planung und Umsetzung beteiligt hatte, damit dieses Event auch zustande kommen würde.
Wir überredeten die Eltern von der Klassenkameradin M., dass wir in deren Gartenhütte feiern könnten. M. und ich sammelten Geld ein und gingen mit der Mutti von M. einkaufen. Mutti M. kaufte auch den reichhaltigen Alkohol. Ich meine, wir haben 20 DM pro Kopf eingesammelt. Der Mazda 6 war ganz schön voll mit Getränken und Fresserei. Am Ende haben M. und ich für die Feier nichts bezahlt, aber das war ja wohl das wenigste für die ganze Arbeit.
Das konnte nur schief gehen
Am Silvestervormittag putzen wir die Hütte und stellten alles zu Recht. Meine HiFi-Anlage wurde aufgebaut und ein Soundcheck veranstaltet. Ein erster Schnaps mit Mutti M getrunken. Dann nach Hause und frisch machen. In wenigen Stunden würde ich N. kennenlernen.
In den Wochen seit dem ich das Bild gesehen hatte, habe ich mit N. telefoniert (damals waren Ferngespräche teuer) und Briefe geschrieben. Nicht ich alleine, sondern mit P. zusammen. Ich sprach auch viel mit meinen Freunden darüber und wann immer wir bei P. waren, schaute ich mir das Bild an.
Die fixe Idee war vielleicht etwas zu fix geworden und irgendwie auch zu einem Running-Gag innerhalb des Freundeskreises geworden. Keine gute Voraussetzung und ich war aufgeregt wie sonst nix.
Warum auch immer, war meine Mutter der Meinung, dass mein Pony geschnitten werden müsse (ich trug lange Haare) und überredete mich, dass sie das eben schnell machen würde. Sie zog meine Locken vorne runter und schnippelte eine ordentliche Länge ab. Die Locken rollten sich auf und …. mein Pony war viel zu kurz. Ich fand mich schrecklich. Ich war panisch und heulte und alle meine Chancen verflogen mit den Haaren im Abfluss.
Und die Show muss weitergehen

Jetzt hab ich aber die Eigenschaft, dass ich Dinge schnell als gegeben hinnehmen kann. Wenn das mit N. nichts wird, dann will ich wenigstens einen tollen Abend haben.
Ich ging also rüber und half M. bei der Vorbereitung der Pizza. Während dessen trudelten die weiteren Gäste ein, auch N. und P.
Ich kann mich noch an sehr erwartungsvolle Blicke bei der Vorstellung erinnern, aber ich zeigte nicht so viel Interesse wie von der umstehenden Menge gedacht. Innerlich heulte ich. Sie war so toll wie auf dem Foto und so schüchtern. Sie trug einen roten Nicki-Pulover und eine Latzhose. Das machte sie noch niedlicher. Es passte so sehr zu ihr. Weil ich mir aber eben keinerlei Chancen ausmalte, behandelte ich N wie alle anderen. Wir hatten viel Spaß. Haben getrunken, gelacht und gesungen. Zack, war es 0 Uhr. Raus in den Winter, das neue Jahr begrüßen. Die Eltern von M standen mit Ihren Freunden draußen. Es wurde gegenseitig angestoßen und sich gefreut. Es dauerte wohl bis 1 Uhr, bis wir wieder in die Partyhütte gingen und N. sich auf meinen Schoss setzte und mich küsste.
Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Ohne jede Vorwarnung. Ohne irgendein Anzeichen. Sie hat entschieden, sie wollte es in dem Moment. Wir knutschten und kuschelten noch bis um 5 Uhr in der Früh. Der Nicki-Pullover war innen genauso weich wie außen und die olle Latzhose hat nur ein ganz bißchen gestört. In meiner Erinnerung war es romantisch, sexy und fordernd. Aber keiner von uns wollte mehr. Als wir vor die Tür traten schneite es. N. und P. wurden abgeholt. Wir küssten uns noch einmal im Schnee und dann fuhr sie davon.
Nicht die ewige Liebe …
Wie so ein kleiner Welpe war ich Hals über Kopf verliebt. Zu Hause in meinem Bett drehte sich mein Kopf. Nicht wegen dem Alkohol sondern wegen all der Träume und Hoffnung die sich aufmachte. Als es Hell wurde duschte ich mich und ging rüber zur Partyhütte. Wir hatten uns zum Aufräumen und Frühstücken verabredet. Ich war der erste und als die anderen kamen war das meiste schon erledigt.
Ich war natürlich der erste weil ich gespannt war auf das Wiedersehen. P. kam aber alleine. N. ging es angeblich nicht so gut. Selbst mir dummen Welpen war bewusst was das bedeutete. Das war wohl nur ein Ding für eine Nacht.
Wir wurden aber enge Freunde. Später war ich mit Ihrer besten Freundin zusammen, noch später war Sie mit meinem besten Freund zusammen. Unsere Freundeskreise vermischten sich, man besuchte sich und feierte. Auf einer anderen großen Party von mir, lernte sie ihren heutigen Mann kennen mit dem sie zwei Kinder hat. Wir haben noch gelegentlich Kontakt. Mal ne Whatsapp – zum Beispiel im letzten Jahr Silvester haben wir miteinander geschrieben und uns erinnert und uns aktuelle Fotos geschickt.
Alles ist gut wie es ist. Es sollte so sein. Bei den schönen Erinnerungen muss man sich auch immer bewusst machen, das es eben Erinnerungen sind. N. ist nicht mehr das 15 jährige süße Mädchen und ich habe keine Haare mehr auf dem Kopf – aber diese Nacht, vor 31 Jahren, kann uns keiner Nehmen.

1000 Fragen
In der Reihe 1000 Fragen beantworte ich 1000 Fragen über mich.
