Die erste Nacht im Wohnmobil war so lala. Mein Bett ist ein kleines bisschen zu klein. Ich kann nur mit angewinkelten Beinen liegen und stoße mir ständig den Kopf an dem kleine Regal über mir. Ich wache auf, wenn meine Frau auf die WoMo Toilette geht (was sehr häufig ist, die Hoffnung das ich das Ding nicht leeren muss zerplatzt sehr schnell). Ich habe aber auch Knie und Rückenschmerzen. Obwohl ich ja auch zuhause mit angewinkelten Beinen schlafe schmerzen mir hier die Knie und ich muss die Beine strecken. Knie und Füße sind kalt. Ich friere nicht, aber mir ist auch nie wohlig warm.

Um 6:15 würde der Wecker klingeln, wenn ich ihn nicht schon deaktiviert hätte. Auch im Urlaub müssen wir den Junior pünktlich aus dem Bett bekommen. Als das erledigt ist gehe ich ne kleine Runde mit dem Pudel und mach wunderschöne Bilder von einem Sonnenaufgang an der Elbe.

Das sind sicher die Momente die das Camper-Herz höher schlagen lassen. Die schönen Orte finden mit den besonderen Bildern. Dann setzte ich mich ins Cockpit mit dem Notebook und schreibe in paar Dinge und trinke Instant-Kaffee. Das WLAN auf dem Stellplatz ist gut genug für richtiges Internet. Verrückte Zeiten.

Zähne geputzt, alles einräumen und aufgesattelt. Das Frühstück haben wir ausgelassen. Manja hatte am Vorabend noch Ihr Sandwich gegessen und ich nichts. Der Hot Dog lag mir schwer im Magen. Dennoch hätte ich eine Kleinigkeit Frühstücken sollen.

Wie geplant, machen wir uns auf den Weg nach Lüneburg. Mir wurde schon so oft erzählt, wie schön die kleine Stadt ist und das wollte ich mir dann jetzt mal ansehen. Ich suchte im Navi den großen Wohnmobilplatz im Stadtkern aus und fuhr los.

An der Zufahrt zum Parkplatz gab es ein Schild das Wohnmobile 4 Stunden kostenlos parken dürften. Geil. Wir bogen also von der Hauptstraße ab. Links sahen wir einen großen, aber kostenpflichtigen, Wohnmobil-Stellplatz. Rechts eine öffentlich Parkplatz. Nach 15 Min war klar, wir müssten auf den kostenpflichtigen Stellplatz. Ein Schelm wer böses denkt. 9 Euro für 5 Stunden.

Eingeparkt, Pipi gemacht, ein Schluck getrunken und los los in die Altstadt. Der Weg in die Innen- /Altstadt ist nicht ausgeschildert und so irren wir ein wenig herum. Scheint unser Thema an dem Tag zu sein. Aber als wir die erste Gasse mit schiefen Häusern und alten Gemäuern erreichen sind wir doch entzückt.

Wir kommen auf einen größeren Platz mit einigen Cafes und wollen was frühstücken. Leider entscheiden wir uns für einen 5 Sterne Bäcker der alles andere als 5 Sterne ist. Brötchen klein und unlecker, dafür aber teuer. Wir waren bis hier wirklich sehr entspannt und haben uns nicht gestresst. Aber hier hat wohl die Unterzuckerung eingesetzt so das wir die Zeichen nicht wahrgenommen haben die deutlich darauf hingewiesen haben das es kein so guter Bäcker ist.

Als wir dann weiter spazierten kamen wir an wunderschönen Hinterhofkaffees und Biergärten vorbei. Da hätte man so toll sitzen können. Und sogar ein Bäckerei Junge Filiale gibt es. Und dort sind die belegten Brötchen der Hammer. So schön Lüneburg auch ist, wir haben es nicht so mit der Kultur, sind wir dann auch bald durch. Zurück am WoMo, chillen wir noch ein wenig in der Sonne, entsorgen Müll und Altglas und machen uns auf den Weg nach Usedom.

Da ich auf keinen Fall nach Hamburg zurückfahren wollte, zwang ich das Navi über Land zu fahren. Fahrzeit 5:21 Stunden. Die Strecke bis nach Wittenburg war schon schön. Über die Elbe, durch die Todeszone, ein wenig Berg auf und ab. Das war abwechslungsreich und schön. Leider konnte ich das so richtig nicht genießen weil das Wohnmobil halt riesig ist und die Straßen mir teils sehr Eng wurden. In Wittenburg ging es dann auf die Autobahn und hier wurde es dann entspannt. Wenig LKWs, erst legte sich der Pudel aufs Kissen (das erste Mal während der Fahrt) und kurz danach legten sich auch die Augen der Gattin nieder.

Im Tempomat stellt ich 100 km/h ein und weil nicht so viel los war, schaute ich welche Informationen mir die Fiat-Bordelektronik ausgeben wollte und fand den Benzin verbrauch. Uiii 15 Liter … wenn es etwas Bergauf ging auch gleich mal 17 Liter.

Ich drosselte auf 90 km/h und fand mich bei 8 Litern wieder. Besser. Tatsächlich ist 90 km/h auch die bessere Geschwindigkeit. Das Haus auf Rädern wollte dann weniger schwimmen und ich musste nicht ständig LKWs überholen. Insgesamt waren wir dann 6:30 Unterwegs bis wir beim gewünschten Campingplatz ankamen. Die letzten 100 Meter hatten es in sich. Entweder hat uns das Navi von der falschen Seite geführt oder es gibt andere Gründe dafür das der Platz nicht ausgeschildert war. Wir fuhren also durch einen Wald auf einem Weg der für PKWs auch schon Eng gewesen wäre und wussten nicht ob wir richtig sind.

Wir waren aber richtig, mussten jetzt aber um ne sehr enge Ecke. Wie kann man nur eine Campingplatzeinfahrt so Eng gestalten. Nach dem das WoMo vor uns weggefahren ist, sahen wir das Schild Belegt. Gnarrr …

Rückwärts wieder raus aus der Suppe und wech. Den nächsten Stellplatz rausgesucht hin hingefahren. Hier ist der Punkt wo ich wohl sehr angespannt und hungrig ausgesehen habe, meine Frau glaubte das man jetzt nichts mehr sagen dürfte und so fuhren wir auf einen Stellplatz der … nicht so schön ist. Also auch nicht schlecht, aber es ist schattig und feucht.

Wir gehen an den Strand und lassen den Hunde etwas laufen. Da geht es einem dann schon gleich viel besser. Aber ziemlich schnell wird klar: Hier bleiben wir keine zwei Nächte. Beim ersten Havanna Rum (der mich sofort besoffen macht) planen wir den nächsten Morgen.

Am Campingplatz gibt es einen Imbiss der um 19 Uhr eigentlich schon zu hat, die Betreiber machen uns aber um 19:10 noch Schnitzel Pommes. Zwar nicht ganz günstig (20 Euro) aber eine mega geile Qualität. Pommes lecker, Schnitzel mit einer lockeren luftigen Panade .. frisch geklopft und paniert. Meine Letschsoße war der Hammer. Scharf und Süss. Eine Highlight.

Learning des Tages: Essen – nicht mit leerem Magen los – das geht nicht gut aus.

Vor dem Camper war es nicht mehr auszuhalten. Zum einen musste man Zittern vor Kälte und zum anderen wollten Mücken das Blut aus einem heraussaugen. Um 21 Uhr lagen wir wieder in unseren Betten. Fernsehen war nicht, die Bäume versperrten der SAT-Schüssel die Sicht. Dafür hatten wir Anna mit zu uns hoch genommen. Das war kuschelig. Zum Einschlafen gab es dann ein Hörbuch. Dafür reichte auch das Internet.

Wohnmobil mal ausprobiert

Finden wir das Reisen mit dem Wohnmobil so toll wie immer alle sagen? Das Experiment.