Tanken. Hilft ja nix. Ich fahre auf die Star-Tankstelle in Bloherfelde / Oldenburg. Wie immer ist die Säule Nr. 2 frei. Die meisten Autos (auch meins) haben den Tankstutzen rechts und die Säule ist links vom Auto. Das ist vielen zu heikel – sie stellen sich lieber bei einer belegten Säule an. Mir soll es recht sein.
Großes Auto, großer Tank. Es dauert bis ich den Tank voll habe. Ich denke manchmal, das die Zapfsäulen bei der Star langsamer als woanders sind. Mag aber täuschen. Während der Sprit so in meinen Tank tropft schau ich mich um. Es stehen 5 Autos auf der Tankstelle. Alle sind leer. Niemand steht an den Zapfsäulen.
Mir wird etwas mulmig. Der Laden ist hinter mir. In meinem Rücken. Sollte dort gerade ein Überfall stattfinden? Ist das der Grund warum um mich herum kein Mensch ist? Tatsächlich bekomme ich etwas Puls. „Zu viele amerikanische Filme und Serien, Alter“ sag ich mir selbst und drehe mich unauffällig zur Seite. Gerade soviel das ich einen Blick in die den Laden werfen kann. Kein Tumult, keine erhobenen Hände. Eine ältere Frau steht an der Kasse. Die restlichen Fahrzeugführer hinter ihr. Klappt bestimmt was mit dem Bezahlen nicht. Hinter mir hält ein blaues Auto. Der Einfüllstützen ist links.
KLACK! – Der Tank ist voll. Ich hänge die Pistole ein, zucke mein Smartphone und öffne die Tankstar-App. Schnell den QR-Code gescannt. Liter und Preis stimmen. Während ich wieder ins Auto steige hab ich mit dem Daumen den Bezahlvorgang bestätigt. Ich fahre los und komme mir wie ein Verbrecher vor. Wie immer, wenn ich meinen Tank auf diese Weise bezahle. Während ich auf die Straße fahre, sehe ich im Rückspiegel das noch immer keiner aus dem Laden gekommen ist und freue mich über meine Cleverness.
Auf dem Weg nach Hause halte ich noch bei Lidl an. Irgendwas fürs Abendessen soll ich mitbringen. 2 oder drei Teile. Rein, raus. Schnelle Sache. Überraschenderweise finde ich alles auf Anhieb. An der offenen Kasse stehen 5 Leute und die junge Kassiererin (Die aussieht wie Jessica Jones) wirkt leicht gestresst. Gut das ich keine Kippen kaufen muss und auch keinen Alkohol dabei habe. Da klappt das mit der SB-Kasse immer super. Weil ich ja nur drei Teile habe, scanne ich diese ganz lässig aus der Hüfte und lege die Produkte nicht einzeln auf die dafür vorgesehene Ablageflächen.
Das macht die SB-Kasse wohl misstrauisch. Eine Prüfung ist erforderlich. Ich drehe mich um und höre wie die Kassiererin sagt: Sie müssen bitte alle Produkte nochmal aufs Band legen, die muss ich neu einscannen. Dabei druckt sie eine sehr sehr langen Bon aus. Ihr Kopf ist hochrot. Die angesprochene Kundin ist schwer genervt .
Neben mir ein Typ, der offenbar gerade aus dem Fitnesscenter gekommen ist und sich noch schnell ein paar Proteine rein pfeifen möchte. Er scannt seinen Quark und eine Packung Eier. Auch er muss überprüft werden. Er schaut erst die Kassiererin und dann mich an. Wir grinsen und lehnen uns locker an die SB-Kasse.
Hier ist mit pöbeln nichts gewonnen.
Einige Minuten später, sehe ich die zweite Mitarbeiterin aus dem Lager schlendern. Sie sieht die Schlange und dreht sich in unserer Richtung. Während Sie zu uns läuft höre ich ein Ping und ein zweites Ping. Unsere SB-Kassen wurden durch die gestressten Kassiererin freigeschaltet. Super. Ich zahle und beim rausgehen bedanke ich mich und wünsche einen schönen Abend. Sie hat mich nicht gehört, weil sie sich bereits mit ihrer Kollegin zankt.
Als ich vom Lidl-Parkplatz herunter möchte, muss ich ein Moment warten. Ein blaues Auto fährt an mir vorbei, der Einfüllstutzen ist auf der linken Seite.
