Am Tag nach ihrem letzten Konzert in Bremen kauften wir uns Tickets für den 1 November 2025 in der ÖVB-Arena. Wie man an meinem Bericht von damals sicher erkennen kann, waren wir sehr von der Begeisterung für diese Künstlerin getragen. Aber würde dieses nächste Konzert die durch das erste Konzert gesteckte Erwartungen erfüllen?
Die Umstände
Eigentlich war alles optimal. Wir hatten die ganze Woche vor dem Konzert Urlaub und weil der Herbst in dieser Woche voll reinkickte haben wir uns auch nur aufs rumgammeln konzentriert. Wir hatten uns eine Übernachtung im Motel One gegönnt damit keiner von uns fahren muss, oder wir Stress mit den Öffis haben werden. Nur unsere Laune war nicht die allerbeste. Die Ereignisse rund um den PKW unseres Juniors waren ganz frisch und haben uns ganz schön doll runtergezogen. Ein – wie soll es weitergehen – war die ganze Zeit im Hinterkopf und hat unsere Stimmung gedämpft.
Die ÖVB-Arena ist kein schöner Veranstaltungsort – zu mindestens nicht für die Art wie ich gerne Konzerte erlebe. Ich möchte in der Nähe einer Theke stehen und mir jederzeit ein Bier oder ein Longdrink bestellen können ohne etwas von dem Konzert zu verpassen. Vielleicht auch mal etwas zum anlehnen finden. Orte wie der Pier2, das Modernes (Bremen) oder die Kulturetage (Oldenburg) bieten das. Aber eine Arena ist halt eine Arena. Groß, Industriell und dadurch ein wenig unpersönlich. Zum Bier holen muss man raus und die fetten Stahltüren, schirmen dich von dem Konzert vollkommen ab.
Einlass war bereits um 17:30 – Konzertbeginn sollte 19:30 sein. Hat man einen so frühen beginn wegen der ganzen kleinen Mädchen geplant? Im Pier 2, ein Jahr zuvor, waren schon viele Kinder unterwegs. Mädchen die Nina-Zöpfe trugen und vor Aufregung ganz rote Wangen hatten und mit dem ganzen Setting vielleicht ein wenig überfordert gewesen sind. Bei diesem Konzert waren aber sicher ein drittel der Besucher noch nicht mal in der Pupertät. Ich weiß nicht ob das sein muss. Aber gut, ich muss das ja nicht entscheiden.
Vor der Halle war der Freimarkt und wir ließen uns Zeit. Einmal über den Markt schlendern, was essen noch nen Sekt trinken und dann rein. Drinnen auf ner Treppe sitzen und nen Long Drink konsumieren, auf der Raucherterrasse „frische Luft“ schnappen, dann noch mal aufs Klo und rein in die Konzert-Area.
Das Konzert
Weil wir uns soviel Zeit gelassen hatten, standen wir jetzt wirklich sehr weit hinten. Esther Graf hatte bereits begonnen sich mit Ihre Musik zu präsentieren. Ich brauchte ein paar Stücke bis ich sie zuordnen konnte. Tatsächlich hab ich bereits Songs von ihr auf meiner Playlist und ich mag sie. Sie hatte einen Drummer und Gitarristen mit dabei, die Ihre Pop Songs sehr Rockig interpretieren. Das hat mir wirklich gut gefallen. Vielleicht sollte sie auch auf den Alben rockig und brachial auftreten. Die Welt braucht mehr harte Klänge mit zarter Stimme.
Nach eine guten halben Stunde war Esther fertig und das warten auf Nina begann. Wir mussten aber nicht lange warten. Die obligatorischen 15 Minuten dann ging die Show los. Und was war das für eine Show. Licht, Sound, Videokunst – ich fand alles perfekt. Und Nina ist toll.
Aber bereits beim ersten Song sah ich, das es Nina nicht gut geht. Bevor sie zu einem Refrain oder eine Strophe ansetzte sah man richtig, wie sie nochmal schwer schluckte und dabei leicht das Gesicht verzog. Ihr geht es nicht gut. Was Sie dann auch nach 3 Stücken mitteilte. Aber sie zog ihre perfekte Show durch. Tatsächlich sollten die nachfolgenden Konzerte abgesagt werden und das Sie mit Halb-Playbacks auftritt (Also Backround-Vocals kommen vom Band) hat ihr wohl auch den Arsch gerettet.
Bei uns wollte aber irgendwie keine Stimmung aufkommen. Ich konnte es erst gar nicht so richtig sagen warum. Es war unpersönlich. Im Pier2 war sie viel mehr mit dem Publikum und mit der Band unterwegs. Hier auf der Arena Tour war sie auf die perfekte Show konzentriert. Tanzen, auf dem Boden rekeln, in die Kamera singen – das perfekte Konzert spielen – dabei bleibt die Menschlichkeit auf der Spur. Vielleicht ist es dem großen Raum geschuldet. Vielleicht will sie die Möglichkeiten ausschöpfen und nicht die perfekte Show sondern die extra große Show zeigen. Weiß ich nicht. Kann alles sein.
Gegen Ende macht Sie aber dann doch eine persönliche Ansage, spricht aus Ihrem Herzen und das versöhnt mich mit ihr. Ein wenig.
Mega auch, das sie Esther nochmal für einen gemeinsamen Song auf die Bühne geholt hat. ich finde es immer wirklich toll, wenn der Haupt-Act den Support-Act auf diese weise unterstützt.
Frühes Ende
Dann war das Konzert vorbei, wir stiegen in den Bus in Hotel und um 22:20 lagen wir bereits im Bett. In 2026 werden wir Nina auf der Bürgerweide sehen. Open Air – nochmal riesiger – keine Ahnung wie ich das finden werde. Aber die Karten sind gekauft, da müssen wir jetzt durch. Ich werde berichten.

Kultur
Kind ist erwachsen, Geld auf dem Konto und zu viel Freizeit. Was macht man da? Man genießt etwas Kultur.
