Als wir vor 20 Jahren in unser Haus einzogen, war klar: Wir brauchen ein Carport. Da wir damals aber, vom Hausbau, ziemlich blank waren mussten wir schauen, wie wir das möglichst günstig umsetzen. Ein Zimmermann an der polnischen Grenze machte uns ein Angebot das wir nicht ausschlagen konnten. Das Holz wurde in Polen gekauft und zugeschnitten und er lieferte uns den Krempel Freihaus. Wir bauten dann selber auf. Kosten 1200 € – das war megagünstig. Ähnliche Carports wurden uns für 10k angeboten. Da hat sich das schauen mal gelohnt.
Aber es war eben ein einfaches Carport. Blechdach, Kesseldruckimprägniertes Holz. Die Wände des Raumes hatte man vorproduziert und natürlich hat das beim Aufbau nicht zu 100% gepasst. Wir haben das Holz nie weiter behandelt. Der Raum war nie richtig Dicht (Also im Winter wehte Schnee hinein) Irgendwann hab ich noch ein Dach angesetzt, weil wir noch mehr Platz für Dinge brauchten, das ist im Laufe der Zeit abgesackt (TORF), Im Laufe der Jahre ist das Holz immer Dunkler geworden. Ich mochte es dann irgendwann nicht mehr leiden.
Schon seit 2 oder 3 Jahren gärt in mir der Plan das Carport zu renovieren. Eine Zwischendecke einziehen, damit man Stauraum nutzen kann. Neue Wände ziehen, das Carport mit dem Anbau verbinden. Breitere und höhere Türen für komfortableren Durchgang. Alles mit einem Farbkonzept streichen und so weiter und sofort.
Für den März Urlaub in diesem Jahr wurden die Pläne dann konkret. Ich hab Holz bestellt (oh wei ist das teuer) und mit dem ersten Urlaubstag losgelegt. Und was soll ich sagen. Schon am zweiten Tag war klar: in einer Woche ist das alles nicht zu schaffen. Aber lasst mal uns mal im Details schauen.
Montag
Tagesziel: Zwischendecke einziehen und gelagerte Materialien dort verstauen. Die Balken dafür hatte ich schon da, allerdings noch keine Balkenhülsen (für die Befestigung an der Wand) und keine Schrauben. Also erst mal zu unserem neuen Baumarkt.
Als ewiger Hornbachkäufer muss ich mich in einem neuen Baumarkt natürlich erst mal orientieren. Zum Glück ist der Baumarkt nicht riesig und das Personal ist gut ansprechbar und sehr hilfsbereit. Auch ein Kumpel meines Sohnes arbeitet hier. Jahre nicht gesehen. Freudige Begegnung.
Zurück im Carport tat ich mich mit dem ersten Balken etwas schwer. Das soll ja gerade und schön sein. Freudig festgestellt das ich mich im Vorfeld vermessen hatte. Die Balken mussten nur 2,50 m statt 3 m sein. Das war gut, weil ich 5m lange Balken geliefert bekommen habe und jetzt natürlich viel weniger Verschnitt hatte (Erinnert mich daran, das ich noch einen Beitrag zum Thema Baustoffhandel schreiben muss).
Alle weiteren Balken gingen dann relativ schnell. Jetzt brauchte ich Verlegeplatten. Ich hatte mir zwar welche für das Dach liefern lassen, die wollte ich aber nicht nutzen, weil sich schon herausgestellt hatte, das ich die falsch bestellt habe. Der Dachdecker in der Familie fordert Rauspund mit 2,4 cm Dicke – damit das Trittfest wird. Damit ich das komplette Paket wieder zurückgeben kann, fahre ich also zu Hornbach und kaufe dort andere (dünnere) Verlegeplatten. Der Zwischenboden ist so klein, das man da weder laufen noch krabbeln kann. Die Verlegeplatten dienen nur dem Zweck das man lange Dinge (Bierzeltgarnitur) da drauf hin und her schieben kann. Da reichen dünne Platten.
Am Ende des Tages ist der Zwischenboden fertig und vollgeräumt. Damit ist der Carport-Anbau frei für andere Dinge die dort zwischengelagert werden sollen.
Dienstag
Der zweite Tag beginnt damit, das der Carport-Raum geleert und in den Anbau verräumt wird. Die Terrasse steht auch schon mit Rollern, Fahrrädern und anderen Dingen voll. Nach dem der Raum leer ist, schalte ich den Strom ab und beginne alle Kabel von den Wänden zu rupfen. Dabei fällt auf das die Verteilerdosen aus Plaste alles schon ganz spröde sind und bei der „kleinsten“ Berührung in tausend Teile zerfallen.
Dann zerlege ich die ersten Wände. Erst den Rauspund runter, dann die Balken ab. Da Zeug will ich noch verwenden, also wird es hinten im Garten gelagert. Bei einer Kaffeepause stelle ich fest, das im ganzen Garten schon ein ganz schönes Chaos herrscht.
Jetzt konstruiere ich die Holzrahmen (vorher noch flott Schrauben kaufen) für die neue Wand und montiere den ganzen Kram. Auf Anhieb passt es. Das schon mal toll. Jetzt ziehe ich noch die Holzvertäfelung hoch in dem ich breite Schalungsbretter überlappen lasse. Aktuell hab ich noch den Plan, das diese Woche der Stellplatzraum komplett gestrichen und beleuchtet fertig wird.
Das alles fertig werden würde, daran glaube ich schon nicht mehr.
Meine Frau hat auch Urlaub und auch Ideen und da ich am Abend schon merke, das ich das Pensum körperlich nicht durchhalten werde, schlage ich gemeinsame Aktivitäten vor. Ich kann ja auch Halbtags am Carport basteln.
Mittwoch
Wir brauchen ja noch einen neuen Tisch für die Terrasse (Stühle sind bestellt). Wir hatten den Markt schon sondiert, aber nicht das richtige für uns Gefunden. Preise, kannst dir nicht ausdenken. Die beste Frau von allen macht also die Sidequest „Tisch selber bauen“ auf. Wir fahren also durch die Baumärkte ab, auf der Suche nach passendem Material und finden bei Globus einen passenden Bausatz. Für insgesamt 650€ (inklusive Öl) bekommen wir massive metallene Tischgestelle + eine 4cm fette 2×1 m große Eichentischplatte. Ich finde das ist ein guter Deal. Ähnliches Format in den Gartencenter ca. 1500€.
Wir verladen den Kram in unserem Passat und fahren wieder heim. Die Tischplatte wird von unten geölt (während dessen ich am Carport weiterbaue) und anschließend helfe ich, die Tischbeine zu montieren. Es folgen weitere Schichten Öl. Wunderschön das gute Stück.
Meine heutige Aufgabe – Die Decke im Carport vertäfeln. Schließlich soll das ja schön aussehen am Ende.
Die dafür vorgesehenen Bretter sind 5m lang. Die zu vertäfelnde Fläche 5,10m. Pech muss man haben. Ich muss also jedes Brett schneiden. Irgendwie komm ich auch nicht richtig in die Gänge und für den ersten Meter brauch ich gefühlt 4 Stunden. Erfreulich hier: Nägel und Klammern hab ich noch. Kein Gang zum Baumarkt erforderlich.
Heute ist der Himmel blau. Es ist wunderschön und warm. Nicht aber im Carport, das steht auf der Nordseite und mein Haus verdeckt die Sonne.
Donnerstag
Während ich so vor mich hin arbeite, bewege ich mich ständig in verschiedenen Klimazonen. Von Hitze in der Sonne bis zur Eiskälte im Carport… den ganzen Tag. Den ganzen Tag brauch ich auch um die Vertäfelung fertig zu bekommen. Hier muss ich noch drauf achten das ich die Löcher für die LED-Spots bohre und Stromkabel verlege. Da komm ich sonst ja später nicht mehr dran. Dazu brauch ich einen Topfbohrer. Finde ich nicht wieder. Ab zum Baumarkt.
Aber ja, am Ende des Tages ist dieser Teil abgeschlossen. Mittlerweile ist auch die Rechnung für das Holz angekommen. Knapp 2000€. Damit hatte ich nicht gerechnet. Puh … das bedrückt mich schon irgendwie. Nein, das bringt uns nicht ins Armenhaus. Aber ich fühle mich abgezockt und … naja. Es ist halt echt viel Geld.
Tatsächlich hab ich aber ordentlich bestellt. Die Verlegeplatten werden ja zurückgegeben und vom Konstruktionsholz hab ich definitiv auch zu viel. Ich kontaktiere meine Chefin ob ich in der Folgewoche noch zwei Tage frei bekomme – kein Problem – und plane bis Dienstag die Arbeiten fertig zu machen, die das „neue“ Holz benötigt. Dienstag will ich dann die Abholung der überschüssigen Materialien regeln. Nervt auch, das mein Stellplatz belegt ist.
Freitag
Die Wand, die Carport vom Anbau trennt muss weichen. Es entsteht eine 1,60m kurze Wand und ich baue den Holzrahmen für die lange Wand zum Garten. Hier geht mir einfach alles richtig gut und locker von der Hand. Um ca 16 Uhr sind alle geplanten Arbeiten erledigt und ich kann mich auf das Abendprogramm vorbereiten.
Bei der langen Wand entscheiden wir uns für einen Materialmix um zu viel Verschnitt von dem teuren dicken Holz zu verhindern. Wenn das Element fertig ist, mach ich Foto und erkläre was ich gemeint habe. Außerdem verwende ich Konstruktionsholz von den alten Wänden. Das ist trocken und in Top-Zustand. Warum das nicht verwenden?
Samstag
Vormittags hatten wir Freizeit. Am Nachmittag stelle ich mit dem Junior die Wand auf. Wir stellen fest, das sich das Dach vom Anbau sehr verzogen hat und ich hab keine Chance das zu richten. Hier werde ich ordentlich kaschieren müssen. Damit wir die neue Wand aufstellen können, musste ich nochmal alles Material ausm Anbau auf andere Stellen verteilen. Hab jetzt sicher alles schon dreimal in der Hand gehabt. Es nervt tierisch, aber lässt sich irgendwie nicht vermeiden.
Es ist noch warm und hell. Ich könnte sicherlich noch was schaffen. Aber mein Körper ist wirklich erschöpft. Ich lass das mal lieber und werde Montag richtig ranklotzen.
Pläne
Montag muss die Rückwand und die Beplankung der langen Seite zum Garten fertig sein. Ich muss noch zu Hornbach und das bestellt Fenster abholen, sonst geht das wieder zurück ins Lager. Dienstag dann mit dem Baustoffhandel telefonieren und die Abholung vereinbaren. Die Rückwand mit dem „alten“ Holz das wirklich noch gut ist, die Rückwand schließen. Die Wand grob abschleifen und lackieren. Elektrik im Carport anschließen, damit dort wieder Licht ist.
Und dann muss ich wieder arbeiten. Und dann gibt es es noch eine Millionenrestarbeiten zu erledigen. Jeden Tag 2 – 3 Stunden plane ich da schon ein. Erstmal die „alten“ Wände zur Hecke des Nachbarn mit dem Restholz schließen. Dann alles wieder einräumen damit der Garten wieder ordentlich ist. Dann müssen alle neuen Wände und die Vertäfelung im Carport grundiert und gestrichen werden. Mindestens 3 Anstriche insgesamt. Achso und dann müssen noch diverse „Pfusch-Ausgleichsarbeiten“ geleistet werden. Das wird alles noch ein Ritt. Ich werde weiter berichten.

Haus und Garten
Wer ein Eigenheim besitzt, der hat immer was zu tun. Da kann man schon mal was von erzählen.
