An einem Sommertag im Jahr 2006 waren saßen meine Frau und ich im Schatten unserer Hauses auf zwei Klappstühlen, rauchten, tranken Kaffee und erholten uns davon die Wände im Haus zu streichen. Ein Mann kam mit seiner kleinen Tochter durchs hohe Grass auf uns zu und stellte sich vor. Er war der Nachbar von schräg gegenüber. Während bei uns noch absolute Baustelle war, war man dort schon seit einigen Monaten eingezogen. Rasen, Terrasse – solche Dinge gab es schon. Er wollte gar nicht lange stören sondern nur zu einem kleinen Umtrunk mit allen Nachbarn in seinen Garten einladen.

Obwohl wir keine große Lust hatten und eigentlich genug mit uns und unserem Haus zu tun hatten, sagten wir zu. Am besagten Termin fuhren wir also zu unserem Haus, stellten das Auto im Sand an die Stelle wo später unsere Auffahrt sein sollte und gingen in den schönen Garten unseres Nachbarn. Zum ersten Mal trafen wir auf einen ganzen Haufen Menschen, die uns für den Rest unsere Lebens begleiten würden. Einige davon hatten wir schon gesehen, aber jetzt gab es Namen und eine Zuordnung zu den jeweiligen Häusern. Die meisten hatten gemeinsam angefangen zu bauen und hatten sich schon hier und da geholfen – kannten sich also schon ganz gut. Wir, eher schüchtern, Standen mehr am Rande und beobachteten das geschehen.

Hausbau und Gartenanlage wären die Hauptthemen an diesem Abend. Wer, warum welche Büchse pflanzt. Man braucht noch einen Trockenplatz für`s Kaminholz, wie der Rasen am besten gedüngt wird. Solche Dinge halt.

Über die Jahre hinweg hat man sich in dieser und ähnlichen Konstellationen immer wieder getroffen. Kinder wurden geboren, Hecken wuchsen. Die Themen wandelten sich. Man sprach über den Kindergarten, welche Krabelgruppe gut ist, als Männer vielleicht noch darüber das man eine Gartenpumpe installiert hat oder jetzt einen Nutzgarten anlegt.

Im nächsten Jahr ging es dann um die ersten Einschulungen und wie man aus einem Nutzgarten am schnellsten eine Rasenfläche mit aufblasbaren Pool machen kann. Dann irgendwann später die Konfirmationen, die ersten Partykids und die ersten Auszüge. Nebenbei konnte man natürlich Trends beobachten: Nach dem ersten Hunde gab es recht schnell 4 weiter. Nach der ersten PV-Anlage mussten auch diverse Nachbarn auf diesen Zug aufspringen. Achso und Terrassenüberdachungen sind ja so toll. Dann braucht man aber noch eine 2 Terrasse im Freien. Ist ja klar.

Gestern Abend feierte der selbe Nachbar seinen 60 Geburtstag nach. Obwohl wir keine große Lust hatten, sagten wir zu und gingen, wie es sich gehört, mit 20 Minuten Verspätung rüber in seinen Garten. Viel hatte sich dort verändert in den ganzen Jahren. Die allermeisten Nachbarn von früher sind noch da. Ein Paar hatte sich vor einigen Jahren getrennt und das Haus verkauft, die „neuen“ wurden genauso in die Gemeinschaft aufgenommen wie der neue Mann der anderen Nachbarin. 3 Männer in der Straße sind in den Jahren verstorben – ansonsten ein wirklich stabiles Umfeld.

Hauptthema an diesem Abend: Die Eltern die alt und Pflegebedürftig sind. Die Eltern die plötzlich nicht mehr können wie gestern. Welches Pflegeheim kann man empfehlen, was kostet es die Kinder? Wie geht man mit der Demenz um. Alte Menschen, das universale Thema der Generation die Ende der 60 bis Anfang der 80 Jahre geboren ist.

Als nächstes kommt dann unsere eigene Demenz und das vergessen – aber vorher werden wir einen Schwanzvergleich mit unseren Enkeln durchführen. So gehört sich das.