Freitag, der 1. August 2025. Ziemlich pünktlich, wie immer, fahre ich mein Arbeitsplatz hoch und öffne Outlook. Als erstes springt mir eine E-Mail entgegen in der mir zu meinem Jubiläum gratuliert wird.

Natürlich ist die Mail automatisiert und generisch und überhaupt gar nicht persönlich oder von irgendwelcher Relevanz. Dennoch poste ich den obigen Screenshot in meinen WhatsApp-Status und bekomme überraschend viel Feedback. Einige gratulieren mir, andere wünschen mir Beileid. Häufig werde ich danach gefragt wie viel Geld ich für das Jubiläum wohl bekommen habe.
Jetzt ist es ja nicht so, das man Stolz darauf sein muss, 30 Jahre in einem Betrieb wieder der Telekom zu sein. Das ist kein Kunst, das ist keine Leistung. Wer einmal in der Telekom ist, muss sich schon ganz schön was erlauben um heraus geschmissen zu werden oder ein dünnes Fell haben. Wenn man aber ein wenig abgestumpft und unauffällig ist, der kann seine Zeit bis zur Rente gut absitzen.
Worauf ich Stolz bin ist, das ich sei 20 Jahren in einer Abteilung arbeite die seit 17 Jahren aufgelöst werden sollte. Ich hab viele für den Erhalt der Abteilung gekämpft. Innerhalb und außerhalb des Teams und seit ca. 2018 ist der Bestand des Teams gesichert und seit vielleicht 3 Jahren geht es auch immer weiter Bergauf. Wir werden gesehen, sind immer relevanter und erleben gerade die Kehrseite der Medaille. Aber auch diesen Kampf hab ich aus Eigennutz geführt. Hätte ich den Kampf verloren, hätte ich nicht meine Anstellung verloren, sondern Privilegien die mir das Arbeitsleben angenehmer gestalten.
Auch verstehe ich nicht, warum man mir für das Jubiläum viel Geld schenken sollte. Es ist ja nicht so, das ich 30 Jahre umsonst gearbeitet habe. Ich stelle meine Arbeitskraft zur Verfügung und dafür bekomme ich Geld. Fertig.
Bleibt das Thema Wertschätzung und Anerkennung. Von meinem Arbeitsumfeld und meinem direkten Vorgesetzten wird mir diese entgegengebracht. Jeden Tag und nicht nur zu einem beliebigen Datum. Und wenn wildfremde Kollegen mich kontaktieren, weil die über drei Ecken gehört haben das ich helfen kann – dann freut mich das ungemein. Und das ich dann beinahe immer auch helfen kann – umso mehr. Diese: Du hast mir den Tag gerettet! – das ist das schönste. Wirklich.
