Stadtfest-Samstag. Wie jedes Jahr treffen wir uns „mit den Jungs“. Chillen am Lappan und trinken und gehen dann ein wenig über das Stadtfest. Meistens landen wir dann ziemlich schnell am Schlager-Eck. Hier legt ein DJ Schlagermusik auf und die Menge feiert.
Meine Erlebnisse mit dieser Ecke sind sehr zwiegespalten. Die Musik ist teils nervig und leider ist es da einfach viel viel zu voll. Zum einen Leute die Feiern möchten und zum anderen Leute die da „einfach“ nur durch wollen. Manchmal ist es erträglich und manchmal ist es halt phasenweise sehr sehr kuschelig.
Was in den letzten Jahren aber immer gut geklappt hatte: Es gab zwei Spuren. In jede Richtung ein. Der Drängel-Faktor ist dann davon abhängig wie viele Gruppen sich an den Hauswänden bilden und wie viel Platz diese einnehmen.
Dieses Jahr, gab es aber mehr als 2 Schlangen. „Witzige“ Leute versuchten sich links und rechts vorbei zu drängeln und viele anderen folgten Ihnen. Und das ist der Punkt an dem es hier ganz schön drastisch und Eng wird. Da einer unserer Freunde es nicht so gut mit Menschenmassen hat, hab ich versucht uns etwas Abstand zu halten und so eine Blase für uns zu schaffen. Es gab dann wirklich Leute die da einfach durch wollten. Hier stelle ich mich natürlich in den Weg. Aber hier begann auch etwas in mir zu passieren, etwas das ich nicht gut kontrollieren konnte.
Ich war voller Wut und Aggression und hätte sehr gerne wild um mich geschlagen. Alle Typen um mich herum waren nur noch Feinde. Flucht war keine Option. Ich schubste zurück und verschaffte mir Platz. Hey, ich bin ein großer kräftiger Kerl, natürlich kann ich was bewegen. Natürlich sorgt das an andere Stelle für Probleme und natürlich ist das weder schlau noch richtig. Meine Frau schreit mich an. Zurecht. Wir schaffen es die Situation zu verlassen. Aber beruhigen kann ich mich nicht. Der Abend ist gelaufen. Wir verabschieden uns. Jede weitere Sekunde kostet mich unfassbar viel Kraft. Mein Wille will über den Körper siegen. Ich will mich weder prügeln noch streiten. Ich will hier jetzt nur raus. Mein Körper sagt was anderes.
Pebbles versteht meine Situation nicht und denkt das es eine gute Idee wäre, mit dem Bus heim zu fahren. Abgemacht war, das der Junior uns abholt. Wir warten also auf den Bus und ich versuche mich zu beruhigen und alles weg zu atmen. Der Bus verspätet sich. Es ist klar: Der Bus wird sehr voll sein. Sehr viele Menschen um mich herum werden in diesen Bus steigen. ICH KANN DAS NICHT. ES GEHT NICHT.
Ich will Pebbles überreden das wir doch bitte den Junior anrufen, finde aber nicht dir richtigen Worte und nicht den richtigen Ton. Entsprechend reagiert sie. Ich drehe mich um und gehe. Sie steigt in den Bus.
Ich beginne zügig heim zulaufen. Jeder Schritt tut gut. Aber ich ärgere mich über mich und mein Verhalten. Ich schäme mich dafür. Das sorgt dann wieder für neuen Frust und neue Wut. In Wellen geht es mir gut und schlechter. Ich merke aber auch, das ich den ganzen Weg nach Hause nicht schaffen werde und meine Sohn sammelt mich ein.
