Vom 17 Jährigen abgeschleppt

Vom 17 Jährigen abgeschleppt


Ich muss es ja zugeben. So ein Gebrauchtfahrzeug bietet ordentlich Stoff für Geschichten. Ein Neuwagen dagegen ist einfach da. Dennoch waren wir sehr besorgt als der Mondeo nicht mehr anspringen wollte. Besonders der Junior. Er wurde sehr still und in sich gekehrt. Kämpfte bestimmt sehr mit sich. Der Traum, an seinem 18 Geburtstag in sein Auto zu steigen und die Welt zu erobern, platzte soeben. Selbst wenn es kein größerer Schaden ist, Werkstätten brauchen Ihre Zeit.

Aber so weit waren wir ja noch gar nicht. Dienstag, ca 19 Uhr waren wir alle zuhause. Der Mondeo stand drei Dörfer, ca 10 km, weiter in einer Nebenstraße. Einzige Option den herzuholen: Abschleppen. Ich besorgte ein Abschleppseil von einem Nachbarn und suchte im Passat nach dem Abschlepphaken. Hat er nicht. Vorne ja, hinten nein. Warum? Keine Ahnung.

Also musste der Seat Ibiza ran. Hier war alles vorhanden. Zu dritt sind wir dann wieder los. Ich würde den Mondeo steuern und den Junior mit dem Seat ziehen. Die beste Ehefrau von allen würde auf dem Beifahrersitz sitzen und den Fahranfänger begleiten. Er ist ja noch im Begleitenden-Fahren unterwegs.

Ich erklärte ihm was passieren würde, worauf er achten müsste und wo die Gefahren lauern. Die Stimmung war zugegeben sehr angespannt. Zu mindestens bei mir.

Mittlerweile wurde es auch Dunkel. Das machte die Sache nicht einfacher. Warnblinkanlage an, Abschleppseile angebunden und los geht die wilde Fahrt. Ich muss ehrlich sagen: Hat er gut gemacht, der Junior. Klar, das Anfahren ist der Horror und man hat das Gefühl es würde einem die Achse unterm Auto weggezogen. Aber er hat sich nicht beirren lassen und ein Gefühl dafür entwickelt und sein bestes gegeben vorausschauend zu fahren und zu agieren.

Dabei hatten wir es wirklich nicht einfach. Die Straße auf der wir uns bewegten war etwa 1 1/2 Spuren breit. Man kann nebeneinander fahren, aber es ist schon knapp. An der Straße stehen viele Häuser und es gibt Nebenstraßen. Es war dunkel und die PKWs hinter mir konnten mit Garantie nicht sehen ob vor unserem Gespann Leute aus den Ausfahrten herauskamen oder nicht. Das hat aber 2 oder 3 PKWs nicht davon abgehalten uns zu überholen. Und zwar mit aufjaulendem Motor, man wollte wohl flott vorbei ziehen. Sicherer fühlt sich das dadurch aber nicht an.

Kurz darauf fuhr einer, aus einer Nebenstraße heraus. Wollte wohl nicht hinter uns herfahren und beeilte sich vor uns auf die Straße zu kommen. Problem war nur, das wir schon viel zu Dicht waren und der Junior auf die Bremse hauen musste. Ich natürlich auch. Ohne Bremskraftverstärkung. Da war der Puls schon doll hoch. Und dann war da noch der Radfahrer der uns entgegen kam und seine riesige Lampe falsch eingestellt hatte. Ich hörte wie mein Junior den Typen durch das offene Fenster anbrüllt: Du blendest du Idiot. Erst dann war ich auch geblendet.

Und als ob das nicht reichte, war die olle Batterie absolut leer gelutscht. Ich hatte kein Licht mehr im und vielleicht auch nicht mehr am Auto. Nur die Warnblinkanlage ging wohl noch. Es war schon sehr sehr schlimm.

Aber wir haben es geschafft. Nach ca 30 Minuten fahrt rollten wir auf unsere Auffahrt. Eigentlich war abgesprochen zu einer Werkstatt zu fahren. Das war dann jetzt aber auch egal. Wir parkten die Kfz, ich drückte den Jungen ganz fest. Ich war stolz. Er hat Ruhe bewahrt, hat einen guten Job am Steuer abgeliefert und war vielleicht in einigen Momenten erwachsener als ich.

Teil der Serie: Das erste Auto

Mobil sein – so wichtig. Aber zu welchem Preis?