Ich hatte euch da ja was versprochen in meinem letzten Beitrag zur Rentenreform und hab echt überlegt ob ich meine Gedanken wirklich so runter schreiben soll. Aber hey – lasst uns doch mal etwas frei drehen. Machen andere ja auch.
Apropos andere: der Sven hat sich auch Gedanken zu dem Thema gemacht und das alles wirklich sehr viel differenzierter ausgedrückt, als es mir möglich war. Danke für diesen guten Beitrag (siehe https://aquarium.teufel100.de/2026/07/02/02-07-2026-meine-fuenf-minutengedanken-zu-renten-und-generationen/).
Okay … aber jetzt zum radikalen. Ich hatte ja bereits darauf verwiesen, das man mit Erbschafts und Reichensteuer sicher ein großes Finanzloch stopfen und damit sicher auch einige Zeit das Rentendefizit ausgleichen könnte. Aber die Reichen können ja nicht für alles die Lösung sein. Irgendwann sind auch diese Mittel erschöpft.
Kann es auch eine Nachhaltige Lösung geben? Die Antwort ist ja!
Punkt 1 – Wir haben einen Mangel an sozial pflichtigen Einkommen.
Dieser Mangel wird auch im Rentenpapier besprochen und vielleihct wird man Minijobs verschwinden lassen. Allerdings reden wir hier von kleinen Einkommen. Selbst wenn diese Rentenbeiträge zahlen, kann das langfristig nicht das Problem lösen. Wir brauchen also mehr Menschen die Jung sind und arbeiten. Hm … es gibt doch so viele Migranten? Wie wäre es, wenn man denen sehr schnell erlaubt zu arbeiten? Viele von denen sollen ja auch richtige Jobs gelernt haben. Wie wäre es wenn man es Ihnen erlaubt auch in diesen Tätig zu sein? Hohe Einkommen, Hohe Sozialleistungen – gut für die Rentenkasse.
Und das es ein Mangel an Arbeitskraft gibt, wird doch täglich in den Medien gesagt. Win-Win oder? Verrückt oder? Out of the Box und so.
Punkt 2 – Renten besser verteilen.
Die Rente wird nicht danach berechnet, was man früher mal verdient hat. Sondern danach was man tatsächlich benötigt.
Ui ui ui …. bleibt mal ruhig hier im Speisesaal. Lasst mich das doch Erstmal erklären.
Ein Bespiel:
Hans und Georg haben beide bei einem fleischverarbeitenden Betrieb gearbeitet. Der Betrieb liegt am Stadtrand. Hans hat sich mit Mitte Zwanzig ein Haus auf dem Land gebaut. Georg wollte die Verantwortung für ein Haus nicht tragen. Was ist wenn der Betrieb schließt? Dann bleibt er auf den Schulden sitzen und ist dann auch noch an den Ort gebunden. Außerdem mag er seine Wohnung im Plattenbauviertel. Das hat alles so seinen eigenen Charme.
Der Betrieb schließt nicht und beide arbeiten bis zur Rente gemeinsam, verdienen das gleiche Gehalt und erhalten am Ende die gleiche Rente. Auch Ihre Frauen arbeiten zufälligerweise gemeinsam in einem Friseur Salon.
Als die Kinder auf eigenen Füssen stehen und das Haus abbezahlt ist, nimmt Hans nochmal einen kleinen Kredit auf und renoviert das Haus durch. Heizung, Wärmeisolierung, Fenster, Dach. Als Hans und Georg in die Rente gehen, ist Hans sich sicher das er bis zu seinem Tod nichts mehr investieren müsste. Seine Rente würde also locker reichen um Urlaube zu machen und eine gute Zeit zu haben. Sicher sind auch mal schöne Geschenke für die Enkel drin.
Georg bekommt gerade ein Schreiben vom Vermieter. Die Tiefgarage und die Heizungsanlage wird renoviert. Der Preis für den Stellplatz und die Wohnungsmiete wird steigen. Georg und seine Frau kommen damit schon zurecht. Aber während Hans seine vollen 2000 Euro Rente für den Alltag zur Verfügung hat (+ die 1000 Euro Rente der Gattin) müssen Georg und seine Frau bereits 1300 € für Wohnung und Stellplatz ausgeben.
Hans kauft sich ein Wohnmobil und richtet dafür einen schönen Stellplatz auf seinem Grundstück ein. Hans konnte nämlich schon in den letzten Jahren vor der Rente ordentlich Geld zur Seite legen, da er keine Kredite mehr bedienen musste.
Georg mietet sich gelegentlich ein Wohnmobil. Er kann sich kein eigenes Anschaffen und wüsste auch gar nicht wo er das abstellen sollte. Einige Jahre später fährt Georg gar nicht mehr in Urlaub. Die Mietkosten sind schon wieder gestiegen, die Rente leider nicht.
Hans fährt auch kaum noch in Urlaub. Er ist jetzt schon 75 Jahre. Irgendwie geht das nicht mehr so gut. Er verkauft das Wohnmobil für einen guten Preis und macht eine Schenkung an seine Enkel. Die finanzieren sich davon Ihre Führerscheine.
Hans und Georg sehen sich nur noch selten. Beide verbringen die meiste Zeit vor Ihren TV-Geräten und schauen alte Western. Der Sohn von Hans kümmert sich ein wenig um die organisatorischen Dinge seiner Eltern und stellt fest das jeden Monate 2000 Euro übrig sind. Die beiden brauchen nicht mehr viel zum Leben. Ein wenig Strom und Heizkosten. Die meisten Zimmer sind leer und werden nicht beheizt und vor dem Fernseher sitzen sie meistens mit einer dicken Kuscheldecke.
Georgs Frau ist verstorben. Er muss die Beerdigung zahlen und verkauft sein Auto. Das ist auch gut so, denn er kann sich den Stellplatz in der Tiefgarage eh noch kaum leisten. Jetzt wo er so viel allein ist, geht es ihm immer schlechter. Auch Körperlich. Als er hört das Hans dement ist und mit seiner Frau gemeinsam in eine Pflegeeinrichtung umzieht, entscheidet er sich ebenfalls dafür.
Im Pflegeheim haben die beiden Nachbarzimmer. Die Zimmer sind gleich groß und haben die selbe Ausstattung. Sie haben die gleiche Pfleger und das gleiche Essen. Bei Georg geht die komplette Rente und die letzten Ersparnisse drauf. Die restlichen Kosten werden vom Staat übernommen. Hans erzählt das man das Haus verkaufen musste. Klar geht auch seine Rente in die kosten für die Unterbringung und seine ganzen Ersparnisse. Ein wenig Geld wurde noch mit Schenkungen an die Enkel verteilt aber viel Kohl ist einfach weg.
Witzig, das am Ende alles gleich ist.
Was verteilen?
Hans hat in seinem Leben besser Gewirtschaftet und hat davon in den ersten Jahren seines Ruhestandes profitiert. Das hat er auch verdient. Er hat geleistet und ist ein Risiko (Verschuldung) eingegangen. Georg dagegen ist immer auf Nummer sicher gegangen. Sicherheit hat einen Wert, den man mit Geld bezahlen muss.
Im zweiten Teil des Ruhestandes brauchten beide nicht mehr viel. Der eine hat Vermögen angehäuft und der andere musste knapsen. Hier beginnt es unfair zu werden.
Wenn Hans und seine Frau im Sessel eingeschlafen währen, hätten die Kinder gut geerbt. Das ist natürlich für die Kinder eine feine Sache und hätte diesen wiederum vielleicht extra Luxus ermöglicht. Vielleicht hätte man diesen Luxus mit einem hohen Preis bezahlt. Erbschaftsstreitigkeiten. Aber selbst wenn Hans nicht Haufenweise extra Geld zur Seite hätte legen können, hätte man ja das Haus geerbt und das wäre ja auch Nett gewesen.
So … und wir leben in einem Sozialstaat. Die Sozialleistungen (und da gehört die Rente für mich dazu) sind dafür da, den Lebensstandard zu sichern und nicht zu vergrößern. Damit also alle eine möglichst frühe und sichere Rente beziehen können, wäre es doch nur fair zu schauen: Rentner – was brauchst du wirklich im Monat? Das zahlen wir dir. Und das was man wirklich braucht beinhaltet auch Urlaube und Luxus – natürlich entsprechend des Lebenswandel währen man Lohnempfänger war.
Alle Überschüsse werden einbehalten und an die anderen Rentner und Pensionäre verteilt. Rentner wie Hans gibt es nämlich viel. Mehr als du glaubst.
In der letzten Phase geht es in Pflegeheim. So ein Platz im Pflegeheim ist teuer (siehe https://www.dkv.com/Pflegedienst_Pflegeheim_Kosten_Wissenswertes.html). So ein Platz ist so teuer, das es ausländische Investoren total toll finden, Pflegeheime in Deutschland zu betreiben. Die Rendite ist nämlich exorbitant und das Investment absolut sicher. Ein Teil der Kosten wird nämlich durch die Pflegeversicherung bedient und der Rest durch Rente und Sozialstaat abgesichert.
Und sind wir mal ganz ehrlich: über 5000€ für eine Pflegeplatz? Das ist Wucher. Das ist nicht mit den tatsächlichen Kosten erklärbar. Da sollte der Staat also ran. Schauen was das wirklich kostet und diese Kosten dann tragen. Eine Rente gibt es dann nicht mehr sondern freie Kost und Logie. Wenn man die Kosten für die Pflege dann ernsthaft checkt und reduziert dann kann man also Rentenkosten sparen und auf die jungen Rentner umverteilen.
Punkt 3 – wir werden zu alt
Und das ist natürlich ein heikles Thema. Wer will entscheiden, wann man lange genug gelebt hat. Wer kann entscheiden, wann und unter welchen Voraussetzungen ein Leben lebenswert ist? Ich will nicht als demenzkranker Avatar in irgendeinem Pflegeheim enden. Aber will ich geistig Fit sein, aber den ganzen Tag unter starken Schmerzen leiden? Und ist das der Ruhestand den ich mir gewünscht habe?
Hier braucht es einen gesellschaftlichen Wandel. Wir müssen lernen das es nicht da Ziel ist möglichst alt zu werden. Nein, das Ziel muss es sein, möglichst lange eine gute Zeit zu haben und dann aber zu wissen das man gehen muss. Und natürlich brauchen wir auch Mittel und Wege diese Welt würdevoll und selbstbestimmt zu verlassen.
Und wenn wir diesen Wandel vollzogen haben (und es gibt ja genug Menschen die dazu bereit sind), dann ist es auch kein Problem mehr wenn man bei Behandlungen sich einmal das Gesamtbild anschaut: Du nimmst aktiv am Leben und an der Gesellschaft teil und brauchst eine neue Hüfte? Klar. Nimm.
Du sitzt den ganzen Tag vor dem Fernseher. Du bist traurig und verbittert und hast nur noch Spaß am leben wenn du die Nachbarskinder anbrüllen kannst? Ohne deine Tabletten wärst du schon längst am Herzinfarkt verstorben? Bist du dir sicher das dein Leben noch lebenswert ist?
Ja … ich weiß. Das klingt hart. Ist es aber nicht. Es ist ehrlich, es ist sozial und es ist effizient.
