Im Schnee

Im Schnee


Es muss der Winter 1985 / 1986 gewesen sein. Meine Eltern hatten sich getrennt und der Neue meiner Mutter ist in unsere Wohnung eingezogen. Es hatte gefroren und es lag eine richtige Schneedecke auf der Ostfriesischen Landschaft. Ob der Neue sich bewusst anbiedern wollte kann ich nicht sagen. Aber eines Sonntags wollte er einen Ausflug mit uns machen.

Mutter packte meine 5 Jahre ältere Schwester und mich in unsere Schneeanzüge und wir stapften los. Das Ziel: Das Elternhaus vom Neuen. Der Weg: Querfeldein über Stock und Stein. Der Untergrund war gefroren, die Gewässer auch. Das hatte er sich gut überlegt und uns waren jegliche Hänsel und Gretel-Vergleiche fern. Also stapften wir hinter ihm her – durch den Schnee.

Und tatsächlich ist es eine gute Erinnerung. Ich erinnere mich an den ersten Schneeengel den ich machte, darüber das wir irgendwelche Abhänge heruntergekullert sind. Und ich kann mich erinnern, das wir stolz auf uns gewesen sind, als wir im warmen Wohnzimmer gesessen haben. Stolz die Strecke geschafft zu haben. Und Glücklich eine gute Zeit gehabt zu haben.

An diesem Tag gab es keine der vielen Streitereien die es im Alltag gab. Keine Machtkämpfe zwischen Stiefvater und Stiefkinder. Wir hörten darauf was er uns sagte und er passte auf uns auf. Alles war gut.

Ich denke daran zurück, weil das Wetter zur Zeit ganz ähnlich ist. Ich denke darüber nach, ob unser Verhältnis ein anderes gewesen wäre, wenn meine Mutter nicht gewesen wäre. Eine Mutter die im Machtkampf immer für die Kinder entschieden hat. Aber nicht weil es richtig war, sondern aus Prinzip.

Aber ich wollte doch nur eine positive Erinnerung festhalten. Hups … so ist das mit der Vergangenheit … sie hat immer zwei Seiten.