Der Schreiblehrling hat auch mich in Erinnerungen schwelgen lassen. Musterung … ach das waren noch Zeiten. Auch wenn mir, genau wie dem Thomas von Anfang an klar war, das ich nicht zur Bundeswehr gehen würde, hatte ich nicht vor direkt zu verweigern. Denn natürlich hatte ich die kleine Hoffnung ausgemustert zu werden und um den ganzen Nonsens komplett herumzukommen.

Auch war ich zu dem Zeitpunkt der Musterung bereits über ein Jahr in der Ausbildung. Und ja, es gab einen Tag frei dafür. Musste der Arbeitgeber zulassen. Da in meinem Fall die Musterung 90 km vom Arbeitsort entfernt lag, musste ich auch anschließend nicht noch in der Firma erscheinen. Auch bekam man die Reisekosten für die Fahrt zur Musterung erstattet.

Damals hörte ich präferiert Grunge, hatte lange Haare und trug Wildlederjacke und Jeans. Ohrring und fette Totenkopffingerringe gehörten natürlich mit dazu. Insgesamt wohl der schrecken eines jeden Bundeswehroffiziers. Wenn ich mit Leuten über die Musterung sprach, sagte ich dann das ich auf jeden Fall schon alleine wegen meiner Haare nicht zum Militär wollte. Die müssten dann ja schließlich ab. Das meine Mutter mir dann einen Tag vor der Musterung nahelegte die Haare abzurasieren weil die total verfilzt waren und auch schrecklich aussehen ist wiedermal die Ironie des Lebens. Das ich nicht zur Bundeswehr wollte, weil ich ein Gehorsamsproblem habe, aber im Gegenzug das tat was meine Mutter mir sagt ebenso.

Wie auch immer. Am Tag der Musterung, kurzgeschorene Haare, tratt ich also in der Kaserne in Aurich an und ließ das alles über mich ergehen. Die Jungs die mit mir da waren, bestärkten meinen Wunsch nicht zu Bundeswehr zu wollen. Sie wirkten alle recht dümmlich. Ein kam von der Urinprobe zurück und verkündete stolz, das der Becher so voll war das er diesen mit dem Finger abstreifen musste damit er nicht kleckert. Die Wortwahl war aber primitiver. Und die passende Geeste auch. Und was die Jungens da von sich gelassen haben, als Sie vom Husten bei Frau Doktor wiederkamen verschweigen wir dann mal lieber.

Naja … ich wurde dann T2 gemustert. Was mich doch wunderte. Ich war groß und übergewichtigt, hatte eine kaputte Wirbelsäule und war unsportlich. Mein Kumpel wurde wenige Wochen auch T2 gemustert. Er war schlank, extrem sportlich hatte aber einen krummen Zeh. Wirklich … Sein Ziel war Militärpolizei. Das wurde dann nüscht. Heute ist er Lehrer. Ist ja sowas ähnliches.

Ich bin dann nach hause und tippte meine Verweigerung fertig. Nichts fertiges aus dem Freundeskreis. Ich hatte genug gute Gründe nicht zu dienen. Mein Vater war früh gestorben. Mein Argument war, das ich nicht guten Gewissens einem Kind seinen Vater nehmen könnte und deswegen den Dienst an der Waffe verweigern würde. Ob das Eindruck geschunden hat, werde ich nie erfahren.

Und weil das so genial zum Thema passt …..