Hoffnungsschimmer Golf 8

Hoffnungsschimmer Golf 8


Der Junior braucht ein Auto um zur Arbeit zu kommen. Der Junior will frei sein und umherfahren können wir er möchte. Unabhängig von seinen Eltern. Auch wir möchten Frei vom Junior sein. Kein Absprechen wer welches Fahrzeug führt, kein Umständliches hin und herfahren, kein bringen und holen.

Diese Freiheit werden wir uns jetzt teuer erwerben. Wir beschließen (ohne den Junior) das wir einen jungen Gebrauchten finanzieren werden. Maximal ein Jahr alt, maximal 20 000 gelaufen. Zufällig sehe ich, das VW günstige Finanzierungen mit 2,49% anbietet (im Vergleich: Normale Autokredite laufen auf 6 – 7 % Zinsen). Die Finanzierung wird vom Kindergeld bezahlt.

Der Junior ist damit gar nicht glücklich. VW ist goofy (langweilig?). Klar, er wollte immer ein Auto mit Stufenheck haben. Aber das gibt es von VW halt nicht. Das einzige was da halbwegs möglich wäre ist ein CLA von Mercedes. Ich werde kurz weich und schau mir die Optionen an. Das würde schon gehen, vll wenn er noch 50€ von seinem Geld drauf legt. Aber Teuerer in der Versicherung und in der Steuer und durch den hohen Zins zahlt man auch ordentlich drauf.

An mir nagt ein schlechtes gewissen, bis ich mir den Kopf stoße. Bist du bescheuert Thiel? Welcher 18 jährige bekommt schon einen vollausgestatteten Golf zur Verfügung gestellt. Das mache ich dann auch dem Junior klar. Nein. Es ist der Punkt erreicht an dem die Vernunft entscheidet, nicht die Träumereien.

Nach dem er eine Probefahrt mit einem Golf 8 gemacht hat, wird er langsam versöhnlich mit dem Gedanken und wir legen uns auf einen Golf 8 Goal fest. Weiß soll er sein, getönte Scheiben und Automatik soll er haben. Die Sonderedition Goal ist mega ausgestattet – Riesiges Display, flotter Motor, Ambiente Beleuchtung, alles vom feinsten.

Auf der Gebrauchtwagenbörse von VW filtere ich mir entsprechende Fahrzeuge raus und telefoniere beinahe 6 Stunden mit verschiedenen Händlern. Spannend – das hätte ich mir einfacher vorgestellt. Der eine Händler nimmt nicht an der Finanzierung teil, weil man nur mit Santander arbeitet. Der nächste lässt eine Zulassung nur bei ihm zu und will dafür 300 € sehen (abmelden / anmelden kosten mich 57€). Dann sind Fahrzeug zwar schon im Pool aber noch gar nicht verfügbar oder man hat keine Termine für die Reinigung und ich müsste viele Wochen warten. Oder das Fahrzeuge wurde geeeraaaaaade verkauft.

Ich finde aber einen Händler in Hannover der sehr bemüht ist das alles mit mir so schnell wie möglich vom Tisch zubekommen. Aus anvisierten 3 Wochen werden 8 Tage (inklusive Wochenende). Am 14.11. sind der Junior und ich dann in Hannover gewesen und haben den Golf abgeholt. Trotz miserablen Wetter klappt die Heimreise ohne Problem und exakt 2 Jahre nach dem ich meinen Passat bekommen habe, hat mein Sohn seinen Golf. Ein gutes Omen? Wir werden sehen.

Vorläufiges Fazit zum ersten Auto

Das hättest du auch einfacher haben können, aber du musst ja immer den schweren Weg gehen„, sagte ein Freund neulich zu mir. Und ein wenig hat er da auch recht. Weil ich zum einen den verquere Meinung habe, das es falsch ist wenn ein Fahranfänger ein neuwertiges Auto hat, und zum anderen auch den Bedürfnissen des Juniors gerecht werden möchte, hab ich Monate damit verbracht schlechte Lösungen für ein Problem zu finden, das eigentlich keins ist. Und am Ende lande ich bei einem Golf.

Hätte man da Ersparte vom Junior und mein Geld für den Mongo direkt in ein neuwertiges Fahrzeug gepumpt, dann hätte der Junior jetzt vielleicht sogar seinen CLA und wäre noch Glücklicher als er es jetzt ist.

Andererseits hat er jetzt viel Erfahrungen gemacht. Er hat Autos abgeschleppt, stand mit kaputtem Motor mitten auf einer vielbefahrenen Kreuzung, hat Erfahrung mit dem ADAC gesammelt und viel Frustration erlebt. Eigentlich hat er in 4 Monaten alles das durchgemacht was ich mit meinen ersten 4 Autos in 10 Jahren durchgemacht habe. Von daher ist er bereit für ein neuwertiges Fahrzeug – hoffe ich.

Natürlich hätte ich auch einen anderen Weg gehen können. Ich hätte auch sagen können: Was geht es mich an. Dann hätte der Junior sich um alles selber kümmern müssen. Wer weiß wie das ausgegangen wäre. Aber so bin ich eben nicht. Ich will für meinen Sohn das beste und das ist vielleicht manchmal nicht richtig. Jetzt ist es aber so, wie es ist.

Ich frag mich nur, wie das andere Kids machen. Kids mit vielen Geschwistern, Kids von Eltern mit weniger Geld, Kids die alleine dastehen. Wie ungleich schwerer dieser Schritt in die Freiheit für diese Mädchen und Jungs sein muss.

Teil der Serie: Das erste Auto

Mobil sein – so wichtig. Aber zu welchem Preis?