Was ich für eine beschissene Woche hinter mir habe.

Montag war noch alles gut. Arbeit, Freizeit – alles toll. Unter anderem verbringe ich eine lustige Stunde mit Holger und unserem neuen Projekt. Aber dann fing es an, ätzend zu werden.

Ab Dienstag befand sich ein Auszubildender in meinem Team. Er wollte gerne unsere Arbeit kennen lernen. Das kommt selten vor, ist aber verständlich, da unser Team innerhalb des Kundenservices eben schon ne Sonderlocke darstellt.

Das ihm dafür drei Tage eingeräumt wurden hat mich schon überrascht – aber gut. Da meine Chefin im Urlaub ist, durfte ich mich kümmern. Der Gute lernt Kaufmann für Dialogmarketing. Das ist, seien wir ehrlich, eine tolle Umschreibung für Callcenter Agent. Er erzählt mir aber nach 5 Minuten das diese „Call an Call“ nicht das richtig für ihn ist. Okay, kann ich verstehen. Aber Bursche, dann hast du dir den falschen Job ausgesucht.

Wenn man dann noch weiß, wie unsere AzBs gepudert werden, also das sein Job noch lang nicht in der Realität angekommen ist, dann ärgert man sich doppelt über solche Aussagen.

Während ich ihm Dinge zeige und erkläre, gähnt er mir unentwegt ins Ohr. Wirklich sehr herzhaft. Er scheint entweder sehr sehr müde oder sehr sehr gelangweilt zu sein. Beides ist für mich nicht gerade motivierend und ganz sicher macht es keinen guten Eindruck. Ich frag ihn ob er nachts lange Zockt oder gerade ne Serie schaut von der er nicht los kommt. Dafür hätte ich ja sogar Verständnis. Er erzählt mit dann das er 2 Kaffee getrunken hatte. Ohne Kaffee würde er rumflippen wie in Flummie mit Kaffee wird er immer sehr müde.

Was für ein Quatsch. Selten so einen Blödsinn gehört. Und das zieht sich durch die weiteren drei Tage. Bei jeder Gelegenheit Tischt er uns eine „tolle“ Geschichte nach der anderen auf. Lang und breit und absolut ausgedacht und gelogen. Und das ziemlich offensichtlich. Seine Tante hat ihn mit elf eine Zigarette rauchen lassen (und dann ist irgendwas passiert – ich weiß es nicht mehr), er hatte an einem 150 Jahre alten Whiskey genippt und dann die Flasche fallen lassen. Solche Dinge.

Und während man Dinge erzählt unterbricht er mit: „Darf ich dich was fragen?“ Und ich bin schon voller Vorfreude das er endlich Interesse zeigt: „Ja, natürlich“. „Hat jemand in dem Team eine Allergie?“ „Hä?“ „Ich würde gerne einen Kuchen für euch backen“. Der Junge ist sonst wo mit seinen Gedanken, aber nicht bei mir und meiner Arbeit. Natürlich bringt er keinen Kuchen mit. Kann vermutlich gar nicht backen. Und wenn dann lügt er mich wieder an, in dem er versucht Begeisterung für meine Vorträge zu heucheln und wie gut es ihm bei uns gefällt.

Ich bin mir sicher, der Typ wird es bei uns weit bringen. Anderes Thema….

Als ob das nicht reichen würde, wird die ISO-Zertifizierung unseres Standortes erneuert. Dazu wird eine Präsentation der einzelnen Teams und Fachbereiche gehalten. Da meine Chefin im Urlaub ist, darf ich das machen. Da auch neue Chefs der drüber liegenden Berichtsebenen dabei sind, die mein Team auch noch kennen und lieben lernen müssen, möchte ich das möglichst eloquent erledigen. Auf den Fahrten zur Arbeit und zurück übe ich also meinen Vortrag. Immer und immer wieder. Eine Zeit in der ich eigentlich Laberpodcasts höre und meinen Kopf abschalte.

Und zuhause wartet der „kleine“ Bruder meiner Frau auf uns. Er ist nur 4 Jahre jünger, aber ist immer alleine geblieben und lebt wie ein Teenie einfach in den Tag hinein. Leider hat er ein Problem mit Alkohol und seinen Sommerurlaub bei uns zu verbringen ist irgendwie eine merkwürdige Tradition geworden. Da er nicht viel Geld hat, ist es seine einzige Chance zuhause raus zukommen und bei uns ist es ja wirklich schön. Leider raubt mir das jeglichen Rückzugsort. Mein „Büro“ ist dann sein Zimmer. Er befindet sich aber meist auf der Terrasse und läuft dann rein und raus (Pissen, Getränk holen, was zu essen machen und so weiter)

Hier kommen einige Dinge zusammen … ungünstiger kann es nicht sein. Aber bald hab ich es überstanden.