Nur wenige Tage nach dem ich den Wauzi suchen durfte, wurde wieder ein Pilot gesucht. Eine junge Familie hat sich gemeldet. Man hört Abends immer ein Reh schreien und vielleicht kann da mal jemand nach schauen.
ich melde mich sofort als Freiwilliger. Die Drohne ist noch bei mir und aufgeladen. Also was soll. Da ich aber selber noch nie ein Tier gefangen habe und auch null Erfahrung mit dem „danach“ habe, frage ich ob es den Helfer mit Erfahrung geben würde. Es gibt eine Gruppe für Piloten und eine Gruppe für Helfer. In der Helfer Gruppe wurde nachgefragt. Damit die Kommunikation einfacher sein würde, trat ich der anderen Gruppe bei und war überrascht weil es wenig Reaktion gab.
Viele Tipps kamen. Klar wurde, ich brauche noch Ausrüstung. Einen Käscher und eine Box. Der Verein hat ein Lager, da kann ich das holen. Mittlerweile hatte sich auch eine Dame gemeldet die mit suchen möchte. Ich packte also Drohne und Zeugs ins Auto und fuhr zum Lager. Die richtige Tür finden, Zahlenschluss und alles – gar kein Problem. Hatte eine sehr exakte Sprachi bekommen. Lob dafür. Auf dem Weg zum genannten Feld sagte ich dem Melder Bescheid und wir verabredeten uns an dem Feldeingang.
Dort angekommen merkte ich schnell das ich hier schlecht parken kann. Der Feldeingang war nicht tief genug. Der Grünstreifen noch schmaler. Die Straße und der Radweg viel befahren. Alles sehr ungünstig. Ich fuhr also einige hundert Meter zurück und parkte in einer Seitenstraße. Hier stand auch schon die Helferin. Wir machten uns bekannt und ich erfuhr: Sie hat auch null Erfahrung. War einmal mit, mehr nicht. Aber sie war sehr motiviert. Gute Klamotten für das Feld. Gummistiefeln, Regenhose. Kann los gehen, sagt sie. Ich drücke Ihr den Käscher in die Hand, den sie dann auch ohne Probleme zusammenbaut. Ich packe mir den Koffer mit der Drohne und wir latschen los zum Feld. Den großen Koffer mit dem Extra-Bildschirm für die Mitsuchenden spare ich mir. Zu viel Geschleppe.
Ich hatte im Vorfeld schon das Feld eingezeichnet, hier also erst mal Stresslos. Der Start der Drohne verzögerte sich aber deutlich – ständig Radfahrer und Autos. Ich wollte hier wenig Risiko eingehen und wartete lieber einmal länger. Als die Drohne dann in der Luft war und Ihre Wegpunkte abflog, kam auch die Familie an. Die erste Suche war ~ Überraschung ~ erfolglos.
Was ich jetzt aus der Luft gesehen hatte: Der westliche Feldrand war ein Bahndamm mit der gut befahrenen Strecke Oldenburg <> Wilhelmshafen. Der östliche Feldrand die zweispurige Straße auf der auch richtig was los ist (teils kaum eine Unterhaltung möglich). Der nördliche Rand ein kleiner Wald und der südliche ein größeres Gebüsch hinter dem die Wohnsiedlung steht. In einem der Häuser wohnen die Melder.
Die Melder erzählen nochmal ihre Geschichte. Immer abends geht das Gejammer los. Man hat Soundfiles aus dem Internet geladen und ist sich sicher das ein Kitz sein muss. Der zuständige Jäger (der im Urlaub ist) glaubt das eher nicht. Ich fliege näher an das Gebüsch heran und sehe das es wirklich sehr dicht bewachsen ist. Warum sollte ein Kitz da reinlaufen? Die Helferin macht sich zusammen mit der Melderin auf die Suche „per Auge“. Man schlägt sich durch das Dickicht. Ich flieg die Böschung einmal sehr langsam ab und schau was da so los ist. Müll, Rasenschnitt und Gartenabfälle. Ratten und Mäuse wird es da geben. Aber ein Reh mit seinen langen gebrechlichen Beinen wird sich da wohl nicht rein trauen.
Ich lade die Karte und nehme jetzt das ganze Feld für das Suchraster und lasse die Drohne losfliegen. Tatsächlich finde ich auf der anderen Seite, kurz vor dem Wald, zwei Tiere die im dort herumchillen. Beide Tiere lassen sich von der Drohne beeindrucken und sind durchaus agil – also nicht verletzt und sehen auch nicht verhungert aus. Ich mache Bilder von den Tieren und hole mir die Drohne zurück.
Die beiden Frauen kommen aus dem Dickicht zurück und haben nichts anderes gefunden. Die Mutter erzählt mir, das ihre größere Tochter sich so dolle Sorgen macht um das Tier. Die ist so sensibel. Ich schicke ihr dann später per WhatsApp die Fotos von den Tieren und bitte darum sich nochmal zu melden, wenn das Tier wieder weint. Aber – ein Anruf gab es nicht mehr.

Jetzt hätte ich aber auch echt gerne mal einen Erfolg.

Wildtierrettung
Geschichten aus dem Alltag des Tierschutzes. Mehr Hintergrundinformationen finden sich unter https://wildtierrettung-ammerland.de. Und natürlich würden wir (und die geretteten Tiere) uns freuen wenn Ihr uns mit Spenden (https://wildtierrettung-ammerland.de/spenden/) unterstützt – Danke.
