Wenn ich nicht müsste, hätte ich kein Auto. Sag ich häufig. Aber stimmt das? Oder lüge ich mich da einfach nur selber an?
Und weil ich das eine spannende Frage finde, nehme ich doch ausnahmsweise einmal an einer Blogparade teil. Und damit ist die Pflicht erfüllt – dann können wir ja loslegen.
Vor einer Weile war ich in Bonn auf einer Party der Telekom. Der Abend war schon fortgeschritten und die meisten Gäste gingen nach Hause. Meine Begleitungen waren aber noch in Feierlaune und so ging ich an die frische Luft um durchzuatmen. Eine mir fremder Kollege machte sich gerade für die Heimreise bereit. Er zog sich Dinge über, um sich vor dem Regen zu schützen, denn er fährt mit dem Rad. Ich machte einen Spruch in die Richtung Alkohol und Autofahren … er nahm das zum Anlass lang und breit darüber zu referieren wie lange er schon mit dem Rad zur Arbeit fährt und wie toll das ist und so weiter. Und daraus entspann sich dann folgender Dialog:
Er: Und du? Wie kommst du denn so zur Arbeit?
Ich: Vor vielen Jahren bin ich täglich mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Das waren 8 km, die ich so in 20 – 30 Minuten gefahren bin. Das war super. Mit dem Auto wären es 15 – 20 Minuten gewesen und wenn man mal nass wird oder es kalt ist, ist das auf dieser Strecke noch Top aus haltbar. Dann mussten wir aber an einen anderen Standort. 24 km mit Kind und berufstätiger Frau ist Zeitlich nicht mehr zu packen.
Er(lächtel freundlich): Also fährst du mit dem Bus?
Ich: Nein, Auto. Der neue Standort ist in einer kleinen Stadt mitten auf dem Land. Von meiner Wohnstätte nur 24 km mit dem Auto. Irrerweise bin ich nur 25 Minunten unterwegs. Aber klar, Stadtverkehr bremst ganz ordentlich. Eine direkte Busverbindung gibt es leider nicht. Müsste erst 30 Minuten in die eine und dann 30 Minuten in die andere Richtung fahren. Dazu passt es mit dem Anschluss nicht gut. Alles schwierig. Auto ist leider einfacher.
Er: Hättest ja umziehen können.
Ich: Hatte damals gerade mein Haus gebaut. Da ist umziehen schwierig.
Er (schaut jetzt gar nicht mehr so nett): Ach auch noch ein Haus gebaut? Deine Frau ist auch Berufstätig? Hat nen eigenen Auto oder? Wie sehr kann man seine Umwelt den bloß verschmutzen. Wie egoistisch kann man denn sein.
Ich glaube, er war bei seiner Wortwahl etwas unfreundlicher. Und ja, er hat natürlich Recht. Mein Stein-auf-Stein erbautes Haus hat einen ganz schlechten Footprint hinterlassen, das meine Frau und ich seit 16 Jahren zwei PKW haben und täglich ca 70 km Wegstrecke damit zurücklege ist nicht wirklich gut für die Umwelt. Und ja, alles das ist ein Riesenluxus den wir uns leisten. Auf dem Rücken unserer Mitmenschen, auf dem Rücken der nachfolgenden Generationen und auch sehr zulasten unseres Kontos. Beide PKWs kosten uns im Monat … alles zusammen .. sicher um die 1000 €. Das ist aber ein Preis den wir zahlen um Freizeit zu haben und nicht Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbringen. Das ist ein Luxus den wir uns aus Bequemlichkeit heraus leisten.
Und das ist mir bewusst. Genauso bewusst wie die Tatsache das ich zu viel Essen und Alkohol konsumiere. Wie ich weiß das ich zu wenig Sport mache. Ich weiß auch das ich meine Versuche einen Naturnahen Garten zu kreieren ein Witz sind. Aber hey – ich bin ein Mensch. Menschen sind nunmal so…..
Komm runter – Alex.
Was ich eigentlich sagen wollte: Wir sind Autofahrer. Wir haben 2 PKW (mit dem Sohn aktuell sogar 3) und das ist für uns alternativlos. Ja, sicher könnte ich auch anders zur Arbeit kommen – aber nur mit hohem zeitlichen Aufwand. Hinzu kommt das ich nicht gut warten kann. Ich kann nicht an Haltestellen auf den nächsten Bus warten und der Gedanke das ich den Bus gleich verpassen könnte stresst mich. Wenn der Bus um 9 Uhr fährt, steht ich um 8:50 an der Haltestelle. Ich warte – überall. Es ist zu Kalt oder zu warm. Die Menschen um mich herum stinken, die Sitze sind zu Eng, ich hab keinen Platz für meine Beine. Ich will das nicht. Ich gehe arbeiten, auch damit ich das nicht muss.
So lange es keine selbstfahrenden Autos gibt, die ich mir nach Hause bestelle und die mich dann zu exakt dem Punkt bringen zu dem ich möchte, so lange muss ich leider ein Arsch bleiben. Sorry.
