Samstag auf Usedom. Strandtag war geplant. Nicht herumfahren, nichts besorgen, nichts tun außer in der Sonne liegen. Nur – es regnet.
Den ersten Kaffee und das Frühstück nehmen wir tatsächlich noch im Sonnenschein auf den Gartenstühlen vorm Wohnwagen zu uns. Auch den Weg zu meiner ersten Dusche seit Dienstagabend schaffe ich ohne vom Regen getroffen zu werden.
Die Dusche war toll, auch wenn dieses zeitlich limitierte warme Wasser mir tierisch auf den Sack geht. Wenn ich Sparen kann, spare ich. Was bei einem Euro pro Minute vollkommen bescheuert ist. Ich kann mir 10 Minuten heißes Wasser gönnen wenn ich möchte. Darauf kommt es bei diesem Urlaub dann wirklich nicht mehr an. Kurz war mir also warm und ich fühlte mich gut. Dann Wasser aus, in Sekunden wieder kalte Füße und überhaupt zog mir die Kälte wieder in die Knochen. Bis ich im Wohnmobil war, war alles wieder beim alten. Na gut, ich roch wohl deutlich besser.
Jetzt war der Regen aber doll und wir zogen uns in den Camper zurück, denn mit dem Regen kam Kälte und starker Wind auf. Die Markise hatten wir eingefahren, zur Sicherheit. Im Camper war es dann aber wirklich Eng. Nicht Kuschelig sondern Eng. Die Zeit im Wohnwagen ist schwierig. Wir haben kein Tisch, den hatten wir ausgebaut um dort das Hundekissen hinzulegen. Hätte der Tisch dort gestanden hätten wir aber auch nicht wirklich dahinter gepasst. Also schon, aber es wäre nicht gemütlich gewesen.
Es gab kein TV (Bäume und SAT-Schüssel) und es gab kaum Internet. Sehr schlechter Empfang, teils nur Edge. Kann man sich gar nicht vorstellen. Einige Meter weiter hätte man wieder 5G gehabt, aber da wo wir standen – eher Schlecht. Wir nehmen es aber insgesamt mit Humor und schauen belustigt anderen Campern beim ab- und anreisen zu und daddeln auf dem Handy. Das klappt sogar noch ohne Internet.
In einer Regenpause fragte ich nochmal einen Nachbarn nach einer Luftpumpe und bekam einen handlichen Kompressor von Bosch in die Hand gedrückt. Ich pumpte das Hinterrad damit auf und lobe den Camper für seine tolle Ausstattung. Er quittierte das mit „Hast was, das du dir zum Geburtstag wünschen kannst“. Bis zur nächsten Regenpause war das Hinterrad dann aber wieder leer.
Laut Wetterdienst sollte es ab 14 Uhr trocken werden. Damit wir dann irgendwie mobil sind, entschied ich mich, mir ein Fahrrad zu leihen. Laut Maps sind es 850m zum Fahrradverleih, die ich zu Fuß zurücklegte. Für 10 Euro bekam ich eine Möhre mit drei Gängen. Mit Frau und Hund machten wir uns dann auf eine 4 km lange Fahrt in den Nachbarort. Wir hatten den Campingplatz (man ist der riesig) noch gar nicht verlassen, da wurde der Sturm doller und es fing an zu Gewittern und zu Regnen. Wir konnten uns hinter einem Busch vor dem schlimmsten Regen verstecken. Der Hund war aber extrem Ängstlich und nicht happy mit der Situation. Aber was sollten wir machen, den Hunde alleine im Wohnmobil lassen ist sicher keine Option und jetzt waren wir eh schon unterwegs. Alles doof.
Als das gröbste vorbei war, fuhren wir weiter und schoben die schlecht Wetter front praktisch vor uns her. Hinter uns, strahlender Sonnenschein, vor uns die Hölle auf Erden. In Koserow angekommen wollten wir auf die Seebrücke die neu ist und irgendwie ganz schick. Der Wind erzeugt allerdings im Geländer ein stetiges Brummen und die starken Wellen der Ostsee im Kontrast zu den feststehenden Planken der Seebrücke machten mir ein sehr ungutes Gefühl.

Damit sich die Fahrt irgendwie gelohnt hat, hatte ich die Hoffnung wir würden einen Griechen im Ort finden, wo wir geil was essen und uns aufwärmen könnten. Aber Fehlanzeige. Kein Grieche. Italiener und ne Tapasbar. Beides nicht unser.
Also wieder zurück zur Seebrücke und dort in nem Standimbiss einen kleinen Snack zu uns nehmen. Die Terasse der Snackbar war mit Planen eingefasst. Die schützen vor dem Wind. Dennoch war es Laut und ungemütlich. Das Personal hinterm Tresen war aber mega nett, muss man ja sagen. Wir futterten Backfisch mit Pommes bzw ein Bismarck Hering im Brötchen und versuchten dem Hunde Sicherheit zu geben, ohne ihn zu sehr in seiner Angst zu bestärken. Dann kam mir der Gedanke, das wir bei der Rückfahrt vollen Gegenwind hätten …
Hatten wir aber gar nicht. Auf der Rückfahrt hatten wir sogar richtig Spaß. Ihr wisst ja – irgendwann wird man bekloppt und findet alles lustig. Zurück im WoMo kippten wir uns ein paar Havanna Rum in den Kopf und suchten uns auf einer benachbarten Parzelle einen Sonnenplatz. Das war schön. Die Sonne auf der Haut und der Alkohol im Blutkreislauf sorgen für gute Stimmung. Hatte ich schon erwähnt das alle Camper Trinker sind? Jetzt verstand ich auch warum.
Ein Nachbar, der am Morgen abgereist war, hatte erzählt das er auf diesem sonnigen Stellplatz Abends seine SAT-Schüssel aufstellt und der Platz seit Tagen nicht belegt ist. Aber natürlich, wie wir so die Sonne genießen, kommt ein Wohnmobil angefahren und will ausgerechnet auf unseren Sonnenplatz.
War ja klar.
Zurück auf der Dunklen Seite des Mondes kommunizierten wir mit den liebsten daheim, buchten einen Stellplatz in Scharbeutz für Montag auf Dienstag und machten das beste aus der Situation. Die beste Frau von allen entdeckt das generieren von Bildern über ChatGPT und hat damit Ihren Spaß. Und ich geb ja zu, das ist schon wirklich witzig.

Zum Abend gingen wir dann in die „Spelunke“ (der Gastro auf dem Campingplatz) und wärmten uns auf. Das Lübzer schmeckte wie eingeschlafene Socke aber Schnitzel mit Pommes geht immer – gähn. Aber im Wohnmobil kochen – alter ist das Eng. Wer will das. Dennoch, satt, warm und zufrieden verließen wir das Restaurant (auch hier ein extrem tolles Personal) und verabschiedeten uns vom Meer. Und dieser letzte Anblick war doch recht versöhnlich.

Um ca. 22 Uhr liegen wir im Bett und schlafen bei unserem Hörspiel ein. Ich liege diesmal vorne in der Fahrerkabine – alleine. Ich hoffe auf besseren Schlaf wenn ich mich langmachen kann. Im ersten Moment scheint es wirklich besser zu sein, aber nur im ersten Moment.

Wohnmobil mal ausprobiert
Finden wir das Reisen mit dem Wohnmobil so toll wie immer alle sagen? Das Experiment.
