Es ist Sonntag. Eigentlich Halbzeit – aber jetzt nimmt der Abenteuermodus ab. Wir fahren in sichere Gefilde. Wie jeden morgen um 7 Uhr wache ich auf. Manja kurz danach. Instant-Kaffee, Tagebuchnotizen machen dann mit dem Hundi in den Wald. Dann geh ich duschen. Auf meinem Chip ist noch Duschwasser für 1,59€. Manjas Chip darf ich auch mitnehmen. Mir kommt die Zeit unter der Dusche mit warmen Wasser ewig vor. Beinahe schon zu lange.
Anschließend frühstücken wir im schönsten Sonnenschein und beginnen dann abzuwaschen und einzupacken. Nochmal Frischwasser drauf, nochmal die Toilette entleert. Nochmal das Wohnmobil ausgefegt. Ich würde sagen so nach lockeren 30 Minuten sind wir abfahrbereit. Das ist gar nicht übel. Wir fahren aus unserer Parzelle heraus, müssen aber warten weil ein andere Camper seinen Roller in seinem T4 verstaut und dazu mitten auf dem Weg steht. Aber hey, wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht. Vorne an der Rezeption geb ich die Duschtransponder ab und werde in die Freiheit erlassen. 0,75 kwH Strom (von den gebuchten 5 kwH) haben wir verbraucht. Das meiste sicher durch die Antenne die versucht hat den Satelliten zu finden.
Gut, wieder was gelernt.
Die Fahrt nach Schwerin ist Ereignislos, bis auf das neue klapper Geräusch, das von dem Bett im Fahrerhaus ausgeht. Irgendwann war das aber von alleine verschwunden. Muss man nicht verstehen. In Schwerin angekommen parken wir wir auf einem Parkplatz mit Blick auf das Schloss, zu mindestens war ich immer der Meinung das es so wäre. Ich bin bestimmt schon hundert mal an den parkenden Wohnmobilen vorbeigelaufen und hab immer gedacht: Wie toll muss das sein mit so einem Ausblick aufzuwachen. Tatsächlich schaut man auf den schönen Schlossgarten, vom Schloss selber bekommt man aber nichts zus sehen. Der Platz ist trotzdem gut. Gut zu erreichen und nahe an den Schwiegereltern. Wir waschen Klamotten, Manja duscht sich und wir verbringen einen ganz normalen Familiennachmittag / Abend mit essen, Gesprächen und allem was dazu gehört.
Abends sitzen wir noch mit dem Schwager im Schlosspark, trinken was und führen die Gespräche bei denen die „Erwachsenen“ nicht bei sein sollen. Gute Nacht.
Montag
Die Nächte werden schlimmer, vermutlich weil meine Abenteuerlust deutlich sinkt und dafür der Schlafentzugs-Frust steigt. Aber ich überlebe – wenn auch mit vielen schrägen Rückenschmerzen. Nach dem ersten Kaffee und den morgendlichen Notizen wackeln wir zurück zu den Schwiegereltern und nehmen dort ein entspanntes Frühstück zu uns. Dann geht es nach Scharbeutz. Ach Scharbeutz – als wir in den Ort einbiegen, den ersten Blick auf das Strandhafer und die Lübecker-Bucht erhaschen hüpft das Herz einen höher und die Stimmung steigt. Wir sind zuhause.
Es ist einfach so. Wir finden unseren Campingplatz und der ist großartig. Sonnig, warm, großzügig. Auch hier freundliches Personal an der Rezeption. Hier der Bonus – liebe Freunde haben auf dem Platz eine Holzhütte gemietet und wir treffen uns mit den beiden. Aus einem Begrüßungs-Aperol wird ein lustiger Nachmittag den wir am Abend bei leckerem griechischem Essen abschließen. Wunderbar – so soll Urlaub sein.
Vorm schlafen gehen, muss ich noch aufs WC und stelle überrascht fest: Es ist beheizt. draußen mittlerweile 15 Grad und feuchte kalte Herbstluft. Drinnen kacken ohne bibbern. Es sind die kleinen Dinge im Leben.
Dienstag
Wir hatten uns mit den Freunden zum Frühstück an unserem Camper verabredet. Wir hatten aber länger geschlafen als geplant und kamen auch nur sehr schwer in die Gänge. Der Montag war schon hart gewesen. Ich machte eine kleine Runde mit dem Hund und stellte fest das der Platz einen eigenen Hundeauslauf mit „Sport“-Geräten hat. Ein toller Service, da reisende Hunde sicher voller Frust sind, der in Bewegungsenergie umgesetzt werden will. Danach ging ich in einer der großen Familienwaschräume und war begeister. Ein geschlossener Raum, wohl temperiert, warmes Wasser im Überfluss und Platz für alles. So sollte jeder Campingplatz bestückt sein.
Mit dem Frühstück wurde es dann noch ein wenig hektisch. Wir bekamen keine Brötchen und einer der Jungs musste die vom Becker holen. Aber wir hatten auch die Zeit im Nacken. Um 10 Uhr mussten wir den Platz verlassen. Klappte aber alles ganz easy.
Wir fuhren dann zum Hundestrand und parkten am Straßenrand (war ja mitten in der Woche, da bekommt man immer nen Platz) und gingen runter ans Wasser. Hier chillten wir noch 3 oder 4 Stunden. Manja und die Jungs gönnten sich noch einen letzten Prosecco und dann machten wir uns auf den Heimweg. Das Wohnmobil war zwar bis Mittwoch gemietet und wir hätten noch irgendwo eine Nacht verbringen können, aber nein – wir wollten jetzt nach Hause.
Die Rückfahrt war okay und wie gewohnt. Das schönste am Ankommen war: Die Kids hatten das Haus absolut ordentlich hinterlassen. Und daran merkt man dann doch, das der Junior groß wird. Zur Belohnung ließ ich, nach dem wir das Wohnmobil ausgeräumt hatten, den Junior eine Runde fahren. Er soll ja möglichst viel Erfahrungen sammeln. Und das hat er gut gemacht. Wie immer, kommt der Bengel sich nach 2 Minuten vor, wie der König der Welt.
Mittwoch
Wohnmobil sauber gemacht, Grauwasser mit Eimern entleert und dann das Wohnmobil wieder abgeliefert. Kaution zurück bekommen. Glücklicher Abschluss eines kleinen Experiments.

Wohnmobil mal ausprobiert
Finden wir das Reisen mit dem Wohnmobil so toll wie immer alle sagen? Das Experiment.
