Fazit – Wohnmobiltour

Fazit – Wohnmobiltour


Die Idee dieser Tour war ja, zu erfahren ob Wohnmobil-Urlaub eine Option für uns ist. Und jetzt gibt es halt zwei Möglichkeiten das zu bewerten:

Sachlich oder auf der Gefühlsebene.

Sachliches Fazit

Erinnern wir uns an die Argumente aus dem Eröffnungsartikel. Das scheint mir Sachlich genug zu sein.

Und wenn man das richtig viel Nutzt dann ist das auch total günstig, im Prinzip.

Was hat uns der Spaß gekostet:

  • Wohnmobil 950€*
  • ca. 250€ für Camping und Stellplätze
  • ca. 200€ für Dieselkraftstoff

Billig ist das nicht. 240€ pro Nacht hat uns die Unterbringung in unserem Urlaub gekostet. Für das Geld bekommt man wirklich schöne Hotelzimmer und mega Ferienwohnungen. Wir sind ca 1000km unterwegs gewesen, da hätte ich bei meinem Passat auch 200€ in den Tank gedrückt.

Jetzt wird der eine oder andere sagen: Hey, aber wenn du ein eigenes Wohnmobil kaufst, hast du ja „nur“ die Stellplatz kosten. Wohnmobil die einigermaßen neu und gut ausgestattet sind, gehen bei 50 000 Euro los. Ich könnte natürlich auch selber einen altes Fahrzeug kaufen und ausbauen. Dann bin ich vielleicht bei 20 000 Euro, aber dann aber ein altes Fahrzeug bei dem, wer weiß was, für Reparaturen fällig werden können die auch Geld kosten. Wenn ich mir aber anschaue was auf den Campingplätzen so steht, wollen wir realistisch sein und von einem Anschaffungspreis von 50 000€ ausgehen. Das sind 250 Hotelübernachtungen in einem guten Hotel, oder 50 Wochen Urlaub in einer geilen Ferienwohnung in Scharbeutz.

In jedem Fall muss ich die Fahrzeuge versichern und muss dafür Steuern zahlen. Weiß nicht – würde grob mit 150 € Unterhalt im Monat rechnen (kommt ja auf das Fahrzeug, den Halter, die Versicherung etc pp an.) Unter 75€ kommt man da aber sicherlich nie. Gehen wir von 100€ aus. 1200€ im Jahr. Das ist schon wieder eine Woche in einer netten Ferienwohnung.

Und jetzt haben wir noch gar nicht vom Equipment gesprochen. Vorzelt, Teppich, Solaranlage, Mobilfunkhotspots, Stützen etc pp … die Liste an Dingen die man sich da anschaffen kann (und von den meisten offenbar angeschafft werden) ist beinahe Endlos.

Die meisten haben das Wohnmobil nicht zuhause stehen, sondern mieten einen Stellplatz oder eine Garage dafür. Garage oder überdachter Stellplatz ergibt wohl wegen dem Werterhalt Sinn. Ob sich die 50 bis 350€ Miete pro Monat am Ende wirklich im Wiederverkaufswert niederschlagen?

Billig ist das alles nicht. Das ist Luxus. Für mich ein fragwürdiger Luxus.

*man muss 1000 € Kaution hinterlegen – es gab Zeiten da hätte ich die nicht rumliegen gehabt. Zusätzlich besteht die Gefahr das man was beschädigt und das Geld wirklich nicht wiederbekommt (Selbstbeteiligung bei Versicherungsschäden)

Es ist so toll, das man einfach so los fahren kann

Kann man das? Wenn man mietet muss man das natürlich vorher planen. Wenn man einen eigenes Wohnmobil hat muss man dieses vorher vom Stellplatz holen, lüften und bestücken. Vll muss man alle Batterien anschließen, die man vorher abgeklemmt hat um diese zu schonen. 2 Stunden bis zur Abfahrt kann man da sicher immer rechnen.

Vorher sollte ich vielleicht noch schauen ob ich einen Stellplatz buchen und wenn ich irgendwo hinfahre wo ich noch nie war, kann man auch da richtig Zeit verbraten.

Wenn ich immer an den selben Ort fahre, dann kann ich dort auch telefonisch ein Zimmer buchen und während das Wohnmobil noch bestückt wird, ist man schon die halbe Strecke gefahren.

Man ist so flexibel und kann über all hin.

Nein … man kann nicht überall hin. Man braucht riesige Parkplätze, meidet enge Gassen oder Straßen. Steht man mit dem Wohnmobil irgendwo, dann kommt man da auch nicht mehr so ohne weiteres weg. Man braucht also ein Fahrrad oder Roller oder was auch immer.

Mit dem Auto bin ich genauso flexibel und schnell unterwegs.

Es ist so romantisch und entspannt.

Und den Punkt lass ich in teilen gelten. Das kann schon so sein. Das hängt natürlich von einem selber ab und von der Gesamtsituation. Aber ein schickes Hotelzimmer mit tollem Ausblick ist mindestens genauso romantisch und definitiv entspannter.

Gefühlseben

Es ist für alle beteiligten Anstrengend mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein. Der Krach ist schon doll. Man kann weder Musik, Podcast noch Radio so richtig genießen oder dabei abschalten weil der Diesel und das Geklapper im Wagen immer wieder in den Vordergrund rückt.

Sobald man auf die Landstraße abbiegt muss man aufpassen wie ein Luchs. Enge Straßen und unaufmerksame Verkehrsteilnehmer machen einem das Leben zur Hölle. Und das die Gattin auf dem Beifahrersitz ständig mitbremst, macht es nicht besser.

Dann verbraucht man ordentlich Zeit, ich musste ja z.B. um 11 Uhr los und das Wohnmobil abholen und bis wird dann Abreisebereit waren, war es 14:30. Wären wir um 11 Uhr mit dem PKW direkt nach Lüneburg gestartet, hätten wir um 14:30 im Hotelzimmer schon den ersten Vino geschlürft.

Aber auch die reinen Fahrzeiten … Von Friedrichsfehn bis Lauenburg mit dem PKW sind es ca 2,5 Stunden. Mit dem Wohnmobil waren es 3,5 Stunden. Ja ja, der Weg ist das Ziel. Der Weg ist aber auch laut und stressig. Nein nein, das Ziel ist das Ziel.

An einem Tourismusziel angekommen, merkt man schnell das es mit der Spontanität nicht sehr weit her ist. In Lauenburg zeichnete sich schon ab, das es mit Stellplätzen schwierig werden könnte, auf Usedom war schnell klar: Vorabreservieren sollte man schon tun. Nach 6 Stunden über Autobahnen und Landstraßen hat man gar nicht so viel Lust noch diverse Campingplätze abzufahren. Man nimmt was man bekommt und ist dann unter Umständen gar nicht glücklich damit.

Das geparkte Wohnmobil wackelt. Sehr viel. Immer wenn eine Person durch das Wohnmobil klettert, spürt man jede Bewegung. Wirklich jede. Das kann man sicher unterbinden wenn man stützen unter das Wohnmobil stellt. Aber wann macht man das? Bei jeder Übernachtung oder nur wenn man länger an einem Ort verweilt?

Keine Ahnung warum soviel Menschen wunderbar auf Schaumstoffmatratzen schlafen können, die auf einer dünnen Holzplatte liegen. Daheim muss es doch ein hochwertiges verstellbares Lattenrost sein und die Matratze hat verschiedene Klimazonen. Irgendwie gibt es hier einen ganz schönen Luxusgap. Für meinen Körper ist das Bett im Wohnmobil wirklich keine langfristige Option. Da müsste ich doch sehr aufrüsten.

Man ist so gefangen. Spielt das Wetter nicht mit, wird die Welt sehr sehr klein.

Ich hab die ganze Woche darauf gewartet das es Klick macht. Das ich verstehe warum Leute so begeistert vom Urlaub im Wohnmobil sind. Teils wollte ich mich auch begeistern. Am Ende ist es nicht passiert. War mal ne Erfahrung. Wiederholen werde ich das nicht.

Wohnmobil mal ausprobiert

Finden wir das Reisen mit dem Wohnmobil so toll wie immer alle sagen? Das Experiment.