Mit 45 km/h durch die Welt


Eine Geschichte von einem unmöglichen Autohaus, nicht gehaltener Versprechen und von einem Leasing Debakel.

Wie alles begann

Irgendwann im Februar 2022 hat unser Sohn uns darauf hingewiesen das er mit 15 den Führerschein der Klasse AM machen möchte. Er möchte nicht mehr auf das Fahrrad angewiesen sein. Ich war aus folgenden Gründen vollkommen dagegen:

  1. Ein Führerschein der Klasse AM kostet ca 1000 Euro.
  2. Ich bin eine Zeit lang mit einem 50 km/h Roller zur Arbeit gefahren und habe mich dabei nie wohl gefühlt. Auf der Landstraße wird man viel zu oft viel zu Eng überholt. Die Sicht im Dunkeln ist schrecklich und bei Regen fühlt man sich alles andere als sicher.
  3. Die Fahrzeuge sind kacke. Alles was auf dem Gebrauchtmarkt zu haben ist verbastelt und Schrott (auch das aus eigener Erfahrung).

Mein Gegenvorschlag war die Anschaffung eines guten und coolen E-Bikes. Aber weder Kind noch Mutter gingen auf diese Idee ein. Das Kind wollte den Lappen vom Ersparten bezahlen. Und aus erzieherischer Sicht fand Pebbles das es eine gute Idee ist. Verantwortung lernen und so.

Und die Dinge nahmen ihren Lauf

Ein halbes Jahr, vor seinem 15 Geburtstag begann der Junior damit seinen Führerschein zu machen. Wie ich erwartet hatte, wurde die erste Euphorie schnell durch den trockenen Stoff der Theorie gebremst. Die Monate zogen ins Land und der Junior kam mit seinem Lappen nicht weiter.

Im Sommer kauften wir eine Motor betriebene Roller. Es musste eine Speedfight sein. Denn so ein „alter“ Roller fährt über 50 km/h und ist laut Internet super zu tunen. Neue Roller sind auf 45 km/h gedrosselt und naja – daran schrauben würde ich kaum erlauben. Klare Pluspunkte für einen 14,5 Jährigen. Der Roller stand dann einige Monate herum, denn der Führerschein wurde erst im November erfolgreich bestanden. Im Vorfeld stellten wir aber schon fest das der Roller nicht mehr anspringen wollte und mussten zu Werkstatt. Neben dem Kaufpreis waren wir jetzt schon bei 400 Euro Reparaturkosten. Anschaffungspreis des Rollers waren 600 Euro. Gut 1000 Euro hatten wir also bis November 2022 für ein Fahrzeug ausgegeben, das bei uns noch keinen Meter gefahren ist.

Am 14.11.2022 war der AM-Schein dann in der Tasche, die Speedfight funktioniert wieder und der Sohn fuhr durch den Winter. Das war auch ganz praktisch, denn er fuhr dann auch immer öfter ins 12 km entfernte Bad Zwischenahn. Dort wohnte ein Mädchen aus seiner Klasse die später seine Freundin werden sollte.

Im Frühjahr 2023 packt er sich an einem frostigen Morgen mit dem Roller auf die Schnauze. Zum Glück ist ihm nichts passiert, aber der Roller hat derbe Kratze und Risse im Plastik. Im Juni 2023 versuch ich mich als Lackierer was natürlich in die Hose geht (https://alphathiel.de/roller-es-kommt-s-w-ins-spiel/).

Nebenbei versuchte sich der Junior als Tuner. Man muss nur dieses und nur das und dann fährt der Roller 10 km/h schneller. Günstig und einfach. Alles kein Problem. Irgendwie dann doch ein Problem, denn eines Tages klingelt mein Handy. Der Sohn steht mit dem Roller auf dem Schulhof und nichts geht mehr.

Und es kommt wie es kommen muss. Wir versuchen den Roller zu reparieren und ich stehe mit Öl verschmierten Händen im Carport und bin extrem genervt. Mittlerweile ist der Junior am Ende der neunten Klasse und wird nach den Sommerferien auf eine Berufsschule wechseln. Dort gibt es zwar eine Busverbindung, aber mit dem Roller wäre es schon praktischer. Außerdem wird er in dem Schuljahr einige Praktiken erledigen müssen. Und mir geht das gejaule wegen dem Roller auf die Nerven.

Die Entscheidung fällt: Es gibt einen fabrikneuen Roller. Und weil ich finde, das diese kleinen 2 Takter viel zu viel Sprit fressen und ich keine Lust mehr auf die „Spritgeld“ Diskussionen habe, gibt es einen Roller mit Elektroantrieb.

Die Govecs

Nach einigen Recherchen entschied ich mich für die Govecs Flex 2.0.

Natürlich ohne so einen hässlichen Koffer hinten drauf. Der Roller ist relativ groß. Größer als die Modelle andere Hersteller. Das hat den Vorteil das mein großer Sohn nicht aussieht wie Bowser in Mario Kart, wenn er mit dem Geschoss unterwegs ist. Die versprochene Reichweite mit dem einfachen Akku (man kann ein zusätzliches Kaufen) liegt laut Handbuch bei 57km. Das ist absolut ausreichend für das was mein Kind so macht und das Autohaus König bietet den Roller zum Leasing an. Das finde ich toll, denn dann muss ich mich am Ende um keinen Weiterverkauf kümmern.

Den Leasingvertrag wickel ich mit einer Hamburger Filiale dieses Autohauses ab. Eigentlich benötigte ich nur einen Leasingvertrag über 2 Jahre. Dann würde der Junior einen PKW fahren. Das geht leider nicht. 36 Monate muss sein. Aber ich soll mich dann einfach melden. Das bekommt man dann hin. Ich glaub nicht so recht daran. Aber macht ja nix. Wenn Junior den Roller nicht mehr braucht, kann ich mein Auto etwas schonen und z.B. entspannt mit dem Roller in die Firma fahren. Ich war Jung und so Naiv.

Die Vertragsabwicklung war dann recht easy. In einem wilden Mix aus WhatsApp-Nachrichten und E-Mails wurden die Vertragsdokumente hin und her geschickt und 1 Woche später Stand der Roller auf unserem Hof.

Die Reklamation

Spass macht die Govecs. Kann man gar nicht anders sagen. Man rollt beinahe Lautlos durch die Landschaft und man ist flott bei der Endgeschwindigkeit. Kein Motor rattern, kein Kickstart. Modern und schnell.

Aber direkt stellen sich drei Mängel heraus:

  • Die Bremsen quietschen
  • Beim schieben hört man metallische Scheuer Geräusche
  • die Reichweite ist unterirdisch.

Natürlich ist mir klar, das ein WPT von 57 km nicht eingehalten werden. Das sind Labor Werte. Klar. Ich hab mit knackigen 40 – 45 km gerechnet. In Echt hatte der Roller aber lediglich eine Reichweite von knapp 30 km. Dann war das Akku leer.

Es begann ein wochenlanger Reklamations-Marathon. Der freundliche Verkäufer in Hamburg war auf einmal nicht mehr oder nur schlecht zu erreichen. Rückrufe erfolgten nicht. Wenn man ihn ans Telefon bekam konnte er keine Lösung anbieten. Irgendwann den Filialleiter am Telefon. Ich soll mich doch bitte an einen Govecs-Servicepartner wenden. Die sollen das durchchecken und dann müsste man sich ggf. über die Kosten unterhalten.

Das ist ein Wort.

Aber der nächste Schock folgt sogleich. Auf der Herstellerseite gibt es zwei Servicepartner. Einen in Bremen und einen in Wardenburg. Bremen würde wieder Anhängertransport bedeutet (schafft der Roller ja nicht mit einer Ladung). Wardenburg ist okay, nur das der Händler am Telefon wie ein Rohrspatz über den Hersteller schimpft und bereits vor Monaten alle Verträge mit dem Hersteller gekündigt hat. Soweit er weiß ist der Hersteller auch Insolvent, kann keine Teile liefern und so weiter.

Ich mache dann beim Hersteller ein Ticket auf (Telefon, Mail etc gibt es nicht). Was auch zu nichts führt. So ziehen die Wochen ins Land. Irgendwann gebe ich auf. Wir arrangieren uns damit.

Bis zum Tag der Abgabe

Im ersten Jahr kloppt der Junior richtig viele Kilometer. Bei der ersten Inspektion müssen wir den Reifen hinten erneuern weil dieser abgefahren ist. Regelmäßig beschwert er sich über das quietschen und will Dinge machen um das abzustellen. Nach der ersten Inspektion ist es eine Zeit besser (Bremsenreiniger) aber es ist nicht von Dauer. Von dem Menschen in der Werkstatt erfahre ich das die quietschen Bremsen und das schabende Geräusch bei allen Rollern ein Ding ist. Nur wenn der Motor scheppert, dann hört man das halt nicht.

Und die Distanzangaben pro Akkuladung sind ebenfalls Herstellerübergreifend falsch. Auch das kennt er von diverse Kunden mit verschiedenen Modellen. Egal ob billiger China-Import oder teurer Franzose. Überall das gleiche Spiel. Es bestätigt letztendlich das man diese Fahrzeuge nicht ernst nehmen kann und das man minderwertige Ware an junge Menschen und Spinner vertickt. Erwachsene die sowas nur als Hobby haben, finden das schrauben daran cool und verklären die Erinnerung daran. Unterm Strich gehören die aber verboten.

Im März 2024 tauschte ich dann die Speedfight (die wieder ein Jahr bei uns rumgestanden hat) gegen einen kleinen Scooter. Ab jetzt stand die Covecs viel bei uns herum, denn wenn mein Sohn bekifft ins Dorf fuhr um sich mit seinen Kumpels zu treffen war der 20 km/h Scooter sichere und konnte zur Not auch von der Freundin bedient werden. Und überhaupt war er jetzt weniger unterwegs. Die Freundin war ja im Haus. Weder für den Weg zur Schule, dem Praktikum oder der Ausbildungstelle (na doch, die ersten beiden Betriebe waren in Roller nähe) wurde das Fahrzeug ernsthaft verwendet). Ab dem August 2025 wurde der Roller dann überhaupt nicht mehr bewegt.

Natürlich versuchte ich über die Bank und über das Autohauskönig früher aus dem Leasing-Vertrag zu kommen. Entsprechende Anfragen wurden stumpf ignoriert. Vielleicht hätte ich einfach mit den Zahlungen aufhören sollen um eine Reaktion zu bewirken. Aber wer will sich schon mit der Bank anlegen und wer will schon negative Schufa Einträge. Und außerdem hatten wir ja schon wieder ganz anderen Ärger an der Backe (siehe Das erste Auto).

Irgendwann, Anfang 2026 bekam ich eine Mail mit der Frage ob ich den Roller behalten oder zurückgeben wollen würde. Ich frage nach der Ablösungssumme die noch bei weit über 2000€ lag und entschied mich dagegen. Ich hatte zwar Sorge das man mir noch fette Leasing-Rücknahme-Gebühren aufdrücken würde, aber ich wollte das Ding nur noch vom Hof haben.

Anfang Juni bekam ich einen Anruf zur Terminabsprache für die Rückgabe (nach dem ich monatlich wieder gefragt wurde, ob ich den Roller nicht behalten möchte). Dabei stellt sich heraus das der Roller nach Berlin muss und nicht nach Hamburg. Und um den Transport müsse ich mich selber kümmern. Ich überlegte erst mit dem Anhänger nach Berlin zu fahren, verwarf das aber wieder ganz schnell. Spedition kostete mich 250€. Anhänger für 2 Tage + Sprit + eventuell Übernachtung im Hotel – das geht nicht auf.

Aber auch bei diesem letzten Akt machte mir das Autohaus König das Leben schwer. Ich solle zwei Termin nennen für die Anlieferung und dann würde man einen Annehmen. Was für ein Hokuspokus. Die können den Roller doch Jederzeit annehmen wenn die Werkstatt geöffnet hat. So sagte mir das auch der Spediteur. Offenbar möchte das Autohaus den Leasingnehmern das Leben möglichst schwer machen um zu bewirken das die das Fahrzeug dann doch behalten.

Der Spediteur kennt das schon und ließ sich nicht beirren. „Ich hol den Roller und kümmer mich um den Rest, machen Sie sich keine Sorgen“. Und so war es dann auch. Dicke Probs an den Spediteur.

Die Abrechnung

Folgende Kosten werden im Leasingvertrag aufgeführt:

  • Roller 3990€
  • Sonderausstattung 378€
  • Bereitstellungskosten 99€
  • Spedition 279€
  • Summer 4368€

Um was es sich bei der Sonderausstattung handelt, kann ich nicht mehr reproduzieren. Ich vermute das Ladegerät.

Und was hat es mich gekostet?

  • Leasing-Rate beträgt 87,07€ x 36 Monaten = 3134,52 €
  • Spedition 245€
  • Beseitigung von Mängel die bei der Rücknahme festgestellt wurden: 789€

569€ wurde für fehlende Inspektionen berechnet. Das empfinde ich als Frechheit, die restlichen Mängel waren vorhanden und Gerechtfertigt.

Fazit

Ich hätte das ganze über eine Bank finanzieren sollen. Ich hätte am Ende ein Gegenwert gehabt den ich weiter verkaufen hätte können. Und das bereits im Jahr 2025. Dabei hätte ich mir unnötige Speditionskosten und unnötige Inspektionskosten gespart (Inspektion beim nem E-Roller – wirklich?). Und hätte ich den Roller hier vor Ort gekauft, hätte ich sicherlich auch mehr Kulanz bei der Reklamation erwirken können, als bei einem „anonymen“ Internethändler.

Lobend erwähnen möchte ich die Steinker Radwerkstatt in Oldenburg Donnerschwee. Die haben immer einen fairen und guten Job gemacht. Und wenn Ihr mal eine Spedition braucht um ein Motorrad und oder Moped durch Deutschland zu transportieren sei euch https://mototransporter.de/ wärmstens ans Herz gelegt. Es gibt sie, die guten Geschäftsleute.