Hörsturz in der Nacht


Es ist ca. 4:30 als ich wach werde und ein lautes Pfeifen in meinem Ohr wahrnehme. Es ist wirklich laut. So laut, als ob jemand mit der Flöte neben mir direkt ins Ohr flöten würde. Eine Millionen Gedanken gehen mir durch den Kopf. Tinitus, Chronisch, es wird jetzt immer so bleiben?

Ich zwinge mich Ruhig zu werden. Lenke meine Gedanken wo anders hin und atme tief und gleichmäßig. Mein Uhr sagt, das ich 20 Minuten später wieder geschlafen habe. Als um 6 dann der Wecker klingelt ist das Geräusch noch da. Jetzt fühlt sich aber der Bereich ums Ohr auch noch etwas taub an. Das ist neu. Das Pfeifen ist vll auch etwas gedämmter. Ich gehe mir einen Kaffee kochen und Recherchiere. Wenn ich die Einschätzung der Symptome auch nur leicht variiere wird mir entweder gesagt ich muss sofort zum Arzt oder ich soll ne Woche warten.

Ich entscheide mich, sofort zum HNO zu gehen und mach mich schon auf das schlimmste gefasst. Kein Termin, keine Behandlung – oder so. Es gibt eine HNO-Ärztin bei der ich früher 2 mal gewesen bin und als der Bengel klein war, waren wir auch immer bei ihr. Die Erlebnisse waren dort immer gut. Ich ruf sie an und da AB meldet das man ab 8 Uhr da ist. Perfekt. Es sind nämlich Ferien und die Praxis könnte ja geschlossen sein.

Pebbles kommt herunter und schenkt sich einen Kaffee ein. Ich will ihr erzählen was los ist und erschrecke. Es sind meine ersten Worte an diesem Tag und ich bin so laut in meinem Kopf. Sie nimmt die Informationen besorgt auf und dann schweigen wir wieder. Vermutlich das beste in dieser Situation.

Ich gehe ins Bad, mache ein paar Dehnübungen und wasche mich und fahre los. Die Fahrt ist die Hölle. Ich höre gefühlt ganz andere Dinge. Das linke Ohr wohl etwas taub und rechte überkompensiert Dinge. Ich höre regelrecht die Autoreifen und das Fahrgestell. Es fühlt sich an, als wäre ich im Auto, also im Werkstoff. Spookey.

Pünktlich um 7:55 stehe ich vor der Praxis im Treppenhaus. Es stehen 4 Leute herum und warten mit mir. Jedes Geräusch das durch den Hall im Treppenhaus verstärkt wird ist die Hölle für mich. Und die Türen knallen so fest in die Schlösser.

Bei der Anmeldung beginne ich mit: „Bitte nicht schimpfen. Ich habe keinen Termin. Ich habe folgende Symptome und mache mir echt Sorgen“ „Das Gegenüber sagt etwas, was ich leider nicht gut verstehe. Ich reime mir aber zu sammen das ich im Wartezimmerplatz nehmen soll und es aber dauern kann. „Klar“ sag ich „bin vorbereitet und habe was zu lesen dabei.“ und setze mich ins Wartezimmer.

Nicht ganz eine Stunde später bin ich schon bei Frau Doktor. Gehörgang ist frei und keine Entzündung. Es geht ins Nebenzimmer zum Hörtest. Erst Rechts, Referenzwerte, und dann links. Dann noch auf dem Knochen und dann noch eine Messung. ich merke selbst, das ich einige Töne erst dann höre, wenn die so laut sind, das ich die im andern Ort vernehmen kann. Es fühlt sich dann auch so an, als ob dieser Ton im ganzen Kopf wäre.

Ich muss nochmal ins Wartezimmer. Hier unterhalten sich gerade zwei Person angeregt miteinander. Sie sind sich fremd, aber der Mann hat Mitteilungsbedürfnis. Klima, Wirtschaft, Krieg … die üblichen Floskeln. Die Stimmer hämmert in meinem Kopf. Das verlegende Lächeln der alten Frau die er voll labert sticht mir ins Herz. Ich hallte mir, wie ein kleines Kind die Ohren zu. Das hilft ein wenig. Und sogar der Mann merkt, das es mir damit wohl nicht gut geht. Räuspert sich und wird still.

Zurück bei der Frau Doktor bekomme ich die Diagnose Hörsturz. Werde nach Stress befragt, ich schildere meine Situation. Ich muss Abstand gewinnen und Ruhe. Eine Woche nicht arbeiten. Sport machen, Spazieren gehen, Kortison Tabletten und dann wird das wieder. Vor allem kein Stress. Alleine die Aussage stresst mich gerade. Aber gut, mehr als mir das sagen, kann sie ja nicht. Umsetzen muss ich das wohl.