Ich hab es prophezeit – aber ich hätte lieber nicht recht behalten. Für mein Sohn wird es leider teuer.
Irgendwann im Dezember 2025 fährt der Junior von seiner Freundin los. Das Gespräch war wohl nicht so friedlich und er etwas emotional. Er kann nicht sagen, wie genau es passiert ist, aber es passiert. Auf der Beifahrerseite ist der Schweller eingedrückt und beide Türen beschädigt. Beim Mondeo hätten wir jetzt einfach dick Lack drüber gekippt damit es nicht rostet und gut. Bei einem sehr neuen Golf sieht das dann aber schon anders aus.
Wir melden den Schaden der Versicherung und die ganze Maschinerie geht seinen Gang. Mitte Januar können wir Wagen zur Werkstatt bringen. Es ist die Werkstatt des Vertrauen der Versicherung. Na von mir aus. Abgemacht ist abgemacht. Zufällig in dieser Zeit, ist die beste Frau von allen am großen Onkel operiert worden und kann daher nicht arbeiten und kann kein Auto fahren. Perfekt für die Situation. Junior bekommt also Ihren Ibiza für den Arbeits- und Schulweg.
Der Golf ist in der Werkstatt, der Bengel mit dem Ibiza unterwegs. Es ist Winter, es schneit. Der Junior fährt mit seinen Jungs über die Autobahn und die Scheibenbeschlagen. Er stellt was hin und her und versucht die Sicht wiederherzustellen und trifft dabei auf der Fahrerseite links an die Leitplanke. Leichte Kratzer an der ganzen Seite.
Die Freude ist natürlich groß – nicht. Als der Golf dann nach 14 Tagen wieder aus der Werkstatt zurück ist und Bengel seine 300 Euro Zuzahlung geleistet hat darf er sich darum kümmern den Lackschaden reparieren zu lassen. Glück im Unglück. Der Vater eines Kumpel ist selbstständiger Lackierer und macht ihm einen wirklich guten Preis. Dennoch hat er wieder 400 Euro weniger auf dem Konto.
Ende Februar sind dann beide Fahrzeuge wieder top.
Aber wie geht es mit dem Mercedes weiter? Wir warten weiterhin auf Post vom Anwalt. Im April treffe hat mein Schwager Geburtstag und meine Nichte ist natürlich auch da. Sie ist Jura-Studentin und kurz vom Abschluss des Studiums. Ich bespreche das Thema mit ihr. Sie sieht es genau wie ich und wie der Anwalt. Wir sind im absoluten Recht. Wir spielen aber durch wie es weiter gehen würde:
- Wir gehen vor Gericht. ca 500 € müsste ich bei Gerichtskasse hinterlegen.
- Vermutlich wird es keinen Gerichtstermin geben, das entscheidet der Richter auf Grund der Aktenlage. Ich werde recht bekommen. Der Verfahrensgegner wird weiterhin keinen Finger rühren. Warum auch.
- Ich beauftragt den Gerichtsvollzieher. Weitere 350 € werden fällig.
- Der Verfahrensgegner hat offiziell kein Geld. Wohnung + Eigentum gehört der Freundin. Die Firma hat keine Rücklagen oder existiert offiziell nicht. Macht nur Bargeschäfte. Es ist nichts zu holen.
Für das ganze Verfahren würde sie ca 12 Monate ansetzen, kommt aber natürlich auf das jeweilige Amtsgericht an und was die zu tun haben. Also, zu den 4500€ Anschaffungskosten würden 1350€ Anwalt und Gerichtskosten kommen und wir hätten zwar recht, aber währen keinen Schritt weiter. Das Auto könnten wir in der Zeit nicht verkaufen und müssten es auch irgendwo lagern und vor allem finden wir keinen Abschluss mit dem Thema.
Ich bespreche das mit dem Junior und er entscheidet: Ich will den Benz fahren.
Sein KFZ-Mechaniker Kumpel kümmert sich darum. Irgendwann liegt hier eine neue Achse, dann neue Federn, weil die alten gebrochen waren, dann neue Reifen und Distanzscheiben. Der Wagen wird hin und her getrailert und es geht vor ran. Es eilt ja auch nicht. Der Golf ist ja da und für den Junior ist es mehr ein Hobby als eine Pflicht. Ich hab da nichts mit zu tun, mir soll es egal sein.
Insgeheim freue ich mich darauf den Passat zu verkaufen und dafür Golf zu fahren. Der Junior will aber nicht so richtig auf den Golf verzichten. Er hat das kleine Luxusgeschoss schon liebgewonnen und der Mercedes ist ja mehr so ein Funprojekt. Er will den wohl als Zweitwagen anmelden. Ich rechne das durch. Das wird teuer (wir erinnern uns). Wenn der Golf angemeldet bleibt, muss eine neue Versicherung her, mit SF0 geht es los. 120€ im Monat muss er da wohl rechnen.
Das ist ihm zuviel. Wochenlang geht es hin und her. Youngtimer Versicherung? Ist das ne Idee? Gibt zwar viel Werbung dafür, aber sobald der Fahranfänger ins Spiel kommt, wird es teuer. Das Auto nur auf mich anmelden und hoffen das nichts passiert. Kann man machen. Wenn etwas passiert, kann es aber richtig teuer für uns werden. Das Risiko ist mir zu groß.
Nach langem hin und her entscheide er sich dann dafür: Saisonkennzeichen für 3 Monate. Dann ist TÜV eh abgelaufen und dann muss man sehen wie es weitergeht. Vll hat er dann die Schnauze voll und verkauft die Karre. Vielleicht lagert er den Wagen ein. Wer weiß…..
Heute muss der Wagen dann zur Achsvermessung. Trailern geht vermutlich nicht, weil zu tief. Spontan muss der Wagen also angemeldet werden. Ich suche mir die günstigste Online-Versicherung raus und habe ein EVBN. Dann gehe ich auf iKFz und melde die Karre dort an. Dank Elsterzertifikat ist das auch einigermaßen schnell gemacht. Nur die Kennzeichenauswahl hat mich kurz aufgehalten. Aber nach dem ich mir auf einer anderen Seite ein Kennzeichen reserviert habe war auch diese Hürde flott umschifft.
Und damit ist das Kapitel ~ Erstes Auto ~ für mich abgeschlossen. Der Junge ist jetzt groß und schafft das alleine.

Teil der Serie: Das erste Auto
Mobil sein – so wichtig. Aber zu welchem Preis?
