Im Frühjahr hab ich ja meine Wirtschaftsgebäude renoviert. Fertig bin ich damit noch immer nicht, es ist ein fortlaufendes Projekt – aber es ist in einem „nutzbaren“ Zustand. Ärgerlich ist allerdings, wenn bereits jetzt neue Probleme auftauchen und sozusagen die ersten Reparationen nötig sind.

Es ist nämlich so, das mein Haus im Moor steht. Also alle Häuser hier stehen im Moor. Und ein Moor das austrocknet fällt in sich zusammen. Das hat also den Effekt das der Torf der im Boden ist komprimiert und in der Folge der Boden absackt. Kein sehr guter Baugrund.

Daher hat man während der Bauphase den Torf mit Baggern ausgehoben und das entstandene Loch mit Sand aufgefüllt und das ganze gut verdichtet. Das gleich gilt für die Straßen. Die Häuser die vor den 80er Jahren gebaut wurden, stehen auf Stelzen. Man hat also Pfähle in den Boden gerammt und darauf dann die Fundament für das Haus gesetzt. Irgendwann entstehen so Hohlräume unter den Häusern. Man kann praktisch unter die Fundamente schauen.

Bei vielen Häusern aus den 80 Jahren sieht man das diese voll unterkellert sind und das es Tiefgaragen gibt. Da hat man vermutlich mit dem Auskoffern begonnen und das entstanden Loch mit Bausubstanz gefüllt, statt mit Sand. Das kann sich heute aber kaum einer Leisten und bringt häufig auch Feuchtigkeitsprobleme mit sich.

Die Variante mit den Stelzen scheint mir die ökologisch Sinnvollste Variante zu sein, weil durch den Aushub des Torfs viel CO2 freigeben wird. Aber … darum soll es hier ja gar nicht gehen. Wo war ich? Ja … Moor und meine Wirtschaftsgebäude.

Das Haus ist also auf Sand gebaut. Aus Kostengründen ist aber nicht das vollständige Grund vom Torf befreit worden, sondern nur der Bauteppich. Das hat zur Folge das der hintere Teil des Grundstücks stetig absinkt. Manchmal ganz viel, manchmal ganz wenig. 2005 hab ich einen 70 cm hohen Erdwall aufgeschüttet und bepflanzt. Das Ziel war ein schneller grüner Sichtschutz. Dieser Erdwall ist mittlerweile vollkommen verschwunden und eingeebnet.

Um auf den Punkt zu kommen: Der hintere Teil der Wirtschaftsgebäude steht eben genauso auf Torf. Die fachlich richtige Lösung wäre sicherlich gewesen das ganze auf Stelzen zu stellen. Ich hab beim ersten Bau vor zig Jahren genau wie bei der Renovierung dieses Jahr den Aufwand aber einfach nicht auf mich nehmen wollen. Die entsprechenden Erdbohrungen sind mit einem riesigen Kraftakt verbunden. Denn nasser Torf ist sehr sehr schwer und klebrig.

Ich hab das ganze also so gebaut das ich das Absacken später ausgleichen kann, in dem ich das Grundgerüst des Ständerwerks einfach unterfüttern kann. Hatte ich früher schon gemacht, mit der alten Konstruktion. einmal im Jahr mit der Brechstange unter gehebelt und Pflastersteine oder Holzbretter runtergeschoben. Fertig.

Um festzustellen, ob das ganze schon gesackt ist, hab ich im August die Wasserwaage ins Fenster gelegt und fotografiert. Tatsächlich ist es hier bereits nach ein paar Monaten schon nach hinten abgesackt. Aber das war für mich noch vollkommen okay.

Im September ging es noch weiter herunter. Die Blase ist jetzt schon deutlich beim zweiten Strich zu erkennen. Ich beginne mir langsam Gedanken zu machen wie ich jetzt vorgehen sollte. Das ganz Konstrukt ist mittlerweile voll verkleidet und dreifach gestrichen. Das undichte Dach hab ich mit einer neuen Schicht Holz und Teerpappe eingedeckt (das alte Holz aus Gründen aber nicht runtergerissen). Die ganze Konstruktion hat jetzt ordentlich Gewicht und ich stelle Fest das ich mit Brecheisen hier nichts werde.

Ich schiebe die Gedanken daran einfach hinten. Wenn der Torf verdrängen kann, kann ich das auch.

Jetzt Mitte / Ende Oktober ist es allerdings Zeit was zu unternehmen. Ich hab schon mit bloßem Auge von außen Erkannt das sich da ordentlich was getan hat und der Blick auf die Wasserwaage bestätigt die Katastrophe leider nur. Hier ist echt viel Torf verdrängt worden.

Ich muss aus verschiedene Gründen aktiv werde: Angst das die Fensterscheibe durch den ungleichen Druck kaputt geht. Sorge das auf dem Dach nicht mehr ausreichend Gefälle besteht und so das Wasser sich einen falschen Weg sucht. Und es wird Zeit die Terrasse einzuräumen um die Gartenmöbel vor der Witterung zu schützen.

Und der 20.10.2026 scheint der letzte trocken und sonnig Tag zu sein. Also ran an den Speck.

Erstmal alles frei räumen, damit ich Platz habe, bei der Gelegenheit gleich mal aufräumen und fegen. Irre wie so Stauräume in so kurzer Zeit von ganz alleine voll müllen. Dann hole ich den Wagenheber und einen Balken und setze diesen Mittig unter einen der tragenden Balken des Daches an und pumpe. Tatsächlich hebt sich die ganze Konstruktion an, allerdings nicht so sehr wie ich es mir gewünscht habe. Der Balken biegt sich in der Mitte. Verrückt – Physik – wirklich verrückt. Dann also an der Seite und an den richtigen Punkt angesetzt. Jetzt klappt es. Diese eine Seite hebt sich an. Es knarzt und knackt alles etwas, aber es funktioniert. Die 2 Tonnen Kraft des Wagenhebers reichen noch aus. Also die Wasserwaage mir die Gerade anzeigt, messe ich die Differenz zum Punktfundament und stelle fest das das ganze 10,5 cm nach unten gesackt ist.

Das Gefälle ist natürlich auch beim laufen durch den Raum spür- und sichtbar. der ganze Boden ist schief und krumm. Ich bin mir sicher, das die Pflastersteine deutlich mehr abgesackt sind, als in den letzten Jahren. Irgendwann muss ich also auch da wieder bei. Aber nicht dieses Jahr.

Ich säg messe noch an ein paar anderen Punkten und säge mir passende Holzstücke zu recht dich dort platziere. Dann lasse ich den Wagenheber wieder runter. Seite eins ist gefixt.

Auf der anderen Seite hab ich von innen keinen passenden Hebel. Ich muss also von außen an den Schuppen um an einen der tragenden Balken heranzukommen. Dort steht die Hecke zum Nachbarn und der Boden ist uneben. Ich brauche ein paar Versuche um eine flache Ebene zu schaffen auf der ich den Wagenheber stellen kann. Wenn es zu „schief“ ist, bricht der Wagenheber zur Seite weg und hebe das Dach nicht wie gewünscht an. Auf dieser Seite profitiere ich aber von dem Bauteppich des Nachbarn. Der hatte mehr Geld und hat das ganze Grundstück ausgekoffert. Hier sind es nur 4 cm die abgesackt sind.

Nach dem der Schuppen also sichtbar begradigt ist, schraube ich noch Bretter vor den jetzt entstandenen Spalt. Ich möchte nicht das Tiere hier Unterschlupf oder Durchgänge suchen und finden. Jetzt noch eben alles wieder einräumen, Gartenmöbel und Sonnensegel verstauen. Der Winter kann kommen.