Zuhause


Mein Schwager und langjähriger Freund erzählt mir neulich davon, das mit dem Auszug seiner Eltern jeglicher Bezug zu dem Haus in dem er Groß geworden ist, verloren gegangen ist. Und wie es der Zufall so will, schreibt auch Frau Novemberregen darüber wie es ist, die Wohnung Ihrer Eltern an den Vermieter zu übergeben. Ein Zufall ist es sicher nicht. Menschen in einer Alters-Kohorte erleben eben ähnliche Dinge zu einer gemeinsamen Zeit. Ist ja eigentlich ganz klar.

In meinem Beitrag „Mutter“ hab ich ja schon mal das unstete Leben niedergeschrieben, das meine Mutter mir beschert hat. Nach meinem Auszug von zuhause hatte ich aber noch einen Schlüssel für das Haus in dem meine Eltern zu dem Zeitpunkt lebten. Und weil ich dort meine prägenden Jahre der Pubertät und Jugend verbracht hatte, hatte ich auch immer das Gefühl von „Nachhause“ kommen wenn ich meine Eltern dort besucht habe.

Als meine Eltern dann aber genau dieses Haus verkauften und wegzogen hat das etwas in mir ausgelöst. Ich war nicht nur traurig um den Verlust meines „Zuhauses“ sondern es hat auch ein Band zwischen mir und meinen Eltern zerrissen. Mein neues Leben, mein eigenes Haus und meine eigene Familie ist viel mehr in den Mittelpunkt gerückt und der Bezug zu meiner Mutter ging viel mehr verloren. Nicht nur das. Hätten meine Eltern das nicht getan, hätte ich sicherlich auch noch viel mehr Kontakt zu Freunden von Früher. ich würde mir im Dorf viel weniger als Besucher vorkommen. Ich wäre sicher noch mehr Teil der Gemeinschaft gewesen.

Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht war das nur eine zeitliche Überschneidung von Ereignissen die mit meiner Entwicklung rein gar nichts zu tun hatten. Vielleicht ist es auch so, wie es bei Frau N steht: Man kann natürlich alles mit Bedeutung aufladen, wenn man dazu neigt.