Mal eben ein neuer Reifen


Das Auto vom Junior kaputt, der Junior muss aber auf einen Lehrgang in den Harz und will da mit dem Auto hin. Die Zuganbindung ist schrecklich und auch irgendwie nicht zuverlässig. Ich kann es verstehen. Ich werde in den zwei Wochen also Home-Office machen und der Junior hat mein Auto.

Anmerkung der Redaktion: Diese Geschichte hat sich am 10 Oktober 2025 abgespielt.

An dem Freitag bevor es in den Harz geht, hat er den Wagen auch mit zur Arbeit. Zu seinem Feierabend meldet er sich: Platter Reifen. Ich denke er spinnt und es fehlt nur ein wenig Luft. Er pumpt den Reifen mit dem Kompressor auf und kommt hergefahren. Ich kann mich nicht sofort kümmern, aber als ich dann zum Auto gehe hat er der schon wirklich wenig Luft.

Ich fahre also zur nächsten Werkstatt. Es ist 15 Uhr und die Mechaniker räumen bereits auf. Dennoch ist man nett und schaut flott. Ein Riss in der Seite des Reifens, keine Idee wie der da hinkommt. Kann man nicht flicken. Reifen muss getauscht werden. Natürlich hat die Werkstatt keinen passenden Reifen auf Lager. Reparatur frühstens Dienstag. Eigentlich kann er mich nicht vom Hof fahren lassen damit. Wir pumpen den Reifen auf und ich wieder nach Hause.

Tatsächlich bin ich jetzt sehr gestresst. Von drei KfZ auf 0 KfZ runter, in einer Woche? Das geht nicht. Frau muss zur Arbeit, jeden Tag. Öffis keine Option. Dann muss der Bengel doch mit dem Zug. Aber das ist schon ätzend. Er hat vor Ort ne Ferienwohnung und muss sich selbst verpflegen. Es muss also ne Menge mit.

Ich bin aber auch gestresst, weil die ganze Woche schon so war. Irgendwie immer im Alarm-Modus. Hilft nichts. Probleme sind da um aus der Welt geschaffen zu werden. Ich gebe Reifendienst bei Google Maps ein und beginne die Listen der Werkstätten abzutelefonieren. Diverse fallen schon raus, weil – jetzt um 15:45 aufm Freitag – bereits Feierabend ist oder weil die Werkstätten am Samstag gar nicht auf haben.

Ich muss mich wirklich zusammenreißen … der Stresslevel ist viel höher als es nötig ist. Aber mein Kopf geht quer. Eine Endlose wenn / dann Schleife startet und will mich in Ihren Bann ziehen. Ich lasse das nicht zu. Ich kämpfe dagegen an und fokussiere mich auf die aktuelle Aufgabe. Alle weiteren Entscheidungen können erst danach getroffen werden.

Die Telefonate waren im Prinzip alle okay und gingen nach dem Schema: Morgen? Ja da haben wir Termine frei, welche Reifengröße denn? Ne, haben wir nicht da. Sehr sachlich und Zielorientiert.

Highlights waren:

  • ATU – zwar hat jede Filiale eine eigene Nummer, aber der Führen in eine Hotline. Es wird empfohlen einfach zu ATU zu fahren und dort nen Termin zu machen. Dann beginnt eine Warteschleife in der ich wohl noch heute bin.
  • Großes VW Autohaus – Ja wir sind morgen da. Reifenwechsel? Nein – Reifenwechsel macht bei uns ein Sub-Unternehmen und die sind nur Dienstag bis Donnerstag da.
  • Reifendienst x – Ham wa nicht. Ruf doch mal bei Reifendienst y an. Die haben eigentlich immer alles da. Die sind super. – Bei Dienst y hat ich als erstes angerufen. Aber Danke.

Beim letzten Reifenhändler hatte ich dann tatsächlich Erfolg. Es gab noch einen Reifen in der richtigen Größe und einen Termin am Samstag. Gut, der Reifen ist ein Winterreifen – dem Gesetzgeber ist das aber egal. Wichtig ist nur, das man im Winter eine Flocke auf allen vier Rädern hat. Und der ganze Spaß kostet 200€, aber irgendwas ist ja immer. Na dann mischen wir das mal weiter durch.

Nächstes Problem – wie bekomme ich das Auto einmal quer durch Oldenburg zur Werkstatt. Der Werkstattmensch hat mir da ein wenig Angst gemacht, weil er meinte ich dürfte damit gar nicht fahren.

  • Option a) Trailer besorgen – geht nicht. Das einzige Zugfahrzeug in meinem Besitz hat nen Platten.
  • Option b) Auto aufbocken, Reifen runter und in den Kofferraum vom Seat und los. – da hab ich aber ja gar keine Lust zu.
  • Option c) Reifen aufpumpen, losfahren und Regelmäßig nachpumpen.

Jipp, C soll es werden. Am nächsten morgen steht der Wagen dann auch wirklich auf der Felge und ich schließe so einen kleinen Akkubetriebenen Kompressor an, den sich der Junior gekauft hat. Es dauert gut 4 Minuten bis der Reifen aufgepumpt ist – die Luft hält aber die 30 Minuten bis zu Werkstatt. Ab hier ist alles easy. Ende gut, alles gut.

Was bleibt ist die Frage: Wie konnte das passieren? Vor dem Haus hab ich eine Rasenfläche die ich gelegentlich zum Parken verwende. Jetzt wo wir ein Auto mehr haben, will ich immer dort stehen. Damit das reinfahren weniger Tricky ist, entferne ich zwei Heckenpflanzen. Also erst entferne ich eine und grabe auch die Wurzel aus. Am nächten Tag die zweite, bin aber Faul und lasse Wurzel und Stumpf herausschauen.

Vermutlich ist der Junior beim morgendlichen Ausparken mit dem Reifen über diesen Stumpf gefahren und abgerutscht. Also am Ende war es mein Fehler. Ganz klar.