Im Januar hab ich mich in einem langen Beitrag über das Schulsystem ausgelassen und gefordert:

Weg mit jeglicher Leistungskontrolle.

Seit dem ist einige Zeit ins Land gegangen. Das zweite Schulhalbjahr 16/17 in Niedersachsen ist fast vollbracht und die Ferien stehen vor der Tür. Und an meiner Überzeugung hat sich nichts geändert. Ohne Noten wären wir besser dran.

Wie kann das aber gehen? Wie Sie so soll der Alltag in der Schule aussehen ohne Noten und Leistungskontrolle?

Wie bisher gibt es einen Lehrplan. Dieser wird auch strikt durchgezogen. Denn wir wissen ja: Kinder benötigen Strukturen. Der Lehrer bringt also mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den Kindern den Stoff bei der auf dem Plan steht. Die Art und Weise hängt dabei vom jeweiligen Fach ab. Gerne dürfen sich die Fächer auch vermengen. Musik ist Mathe (3/4 Takt) und Grammatik ist in jeder Sprache Grammatik. In Erdkunde einen Globus basteln ist Kunst und wenn man schon einen Globus hat kann man ja die Verschiebung der Grenzen im laufe der Geschichte beschreiben. Und wenn man einen ein Thema in Sachkunde durch nimmt und darüber eine Zusammenfassung schreibt, warum da nicht über Rechtschreibung und Grammatik sprechen.

Um das zu verwirklichen braucht ein Lehrer natürlich Zeit. Ich rechne das allein durch den Wegfall von Noten 150 Stunden* mehr Unterrichtszeit pro Halbjahr gewonnen werden. Hinzu kommt mehr Vorbereitungszeit für die Lehrer, da das lästigen Korrigieren und die mit den Noten verbundenen Bürokratie weg fällt.

Aber was ist, wenn in Kinde etwas nicht versteht, etwas nicht gelernt hat? Tja dann halt nicht. Dann hat das Kind vermutlich kein Interesse daran oder einfach kein Talent. Dann wird es das aber vermutlich für sein Arbeitsleben auch nicht benötigen. Ein Kind das kein Spaß an Mathe hat, wird kein Programmierer. Ein Junge der Probleme mit Englisch hat, wird sicherlich kein Übersetzer werden. Aber ein Kind das keine Angst vor schlechten Noten hat, wird offener mit der Fremdsprache umgehen und einfach so gut snacken wie es eben geht. Und ein Kinde das keine Angst vor schlechten Noten hat, wird eben auch keine Abneigung gegen Mathe entwickeln, weil Mathe jedes Jahr den Zeugnis Durchschnitt versaut.

Und natürlich gibt es immer die Möglichkeit Stoff nachzuholen. Einfach auf den Lehrer zu gehen. Wenn der Wunsch nach dem Wissen vom Kind alleine kommt, dann wird das Wissen auch besser aufgenommen. Schließlich kann das Interesse für Englisch entstehen, weil man gut im Programmieren ist, aber Probleme hat die Englischen Tutorials zu lesen. Oder im Werkunterricht immer wieder Probleme bei der Berechnung von Maßen immer wieder Probleme mit dem Dreisatz hat.

Natürlich ist es in diesem System nicht verboten zu korrigieren oder ein Wissen abzufragen. Aber eben ohne eine Bewertung. Die Schlüsse aus dem Ergebnis (man ist hier viel Rot in meinem Text) sollte das Kind selber ziehen. Und natürlich ist den Lehrern bewußt wo ein Kind Probleme hat und wo ein Kind Talente hat und darüber darf man auch sprechen. Und es gibt ja Sachen, die einfach sein müssen. Gewisses Mathematisches Grundverständnis, ein wenig Rechtschreibung und Grammatik. Das muss jeder können. Und da kann man auch sagen: Du, da müssen wir was machen. Die nächsten 4 Wochen machst du mal keine tollen Projekte sondern wir fördern dich mit dem und dem Kurs. Und ich bin mir sicher, die Lehrer können das auch ohne Noten einschätzen.

Es sollte also fließende Übergänge zwischen Themen, Fächern, Klassen und Lehrern geben und am Ende der ersten 10 Jahre Schule sollte jedes Kind ein Grundverständnis von allem haben.

Mehr ist es ja am Ende nicht was die Schule vermittelt: Das Basiswissen für die weitere Zukunft.

Es entsteht also ein natürlicher Flow und daraus entwickelt sich am Ende ein junger Mensch der einiges auf dem Kasten hat und der vielleicht (ziemlich sicher) auch schon weiß wo seine Stärken und Schwächen liegen. Aber dennoch kommt der Punkt an dem man sich überlegen muss wie es weitergeht.

Ich nehme da mal einfach die 10 Klasse, wir können da aber auch gerne die 9te Klasse nehmen. Hier wird es dann einen …. nennen wir es…. Eignungstest geben. Hier wird Standardisiert abgefragt was das Kind kann und will. Fachwissen wird abgefragt, auch sehr schweres und es wird nach Wünschen und Ideen gefragt. Psychologen können da bestimmt etwas raus bauen. Im Ergebnis wird sich dann Zeigen ob eigene Einschätzung mit der getesteten übereinstimmt und der Jugendliche kann damit dann seinen weiteren Weg planen. Zum Beispiel Abitur machen und nochmal 3 oder 4 Jahre die Schulbank drücken, diesmal aber unter strengeren Gesichtspunkten und auch mit einem gezielten Lehrplan …. gezielt auf eine bestimmte berufliche Ausrichtung. Oder es beginnt eben eine Ausbildung. Zur Bewerbung werden eben die Ergebnisse aus dem Eignungstest herbei gezogen.

Ja, so oder so ähnlich könnte das aussehen. Eine schöne Zukunft…. kann das Realität werden?

*Mein Sohn schreibt pro Schulhalbjahr über den Daumen 16 Klassenarbeiten. Das sind mit Vorbereitung (2-3 Schulstunden), Schreiben(1 Schulstunde) und Nachbereitung(1 Schulstunde) über den Daumen 85 Schulstunden pro Halbjahr mehr Zeit für Unterricht. Der Lehrer selber spart wiederum noch die Zeit, die er für die Korrektur der Klassenarbeiten benötigt. Dann gibt es ja noch immer die Zeit vor den Zeugnissen und nach der letzten Klassenarbeit. Da passiert in der Regel nicht viel. 2-3 Wochen pro Halbjahr wo Lehrer und Schüler vollkommen ausgelaugt sind von der stressigen Prüfungzeit und die Lehrer noch durch Klassenkonferenzen huschen müssen. 2-3 Wochen, das sind in der Grundschule 75 Unterrichtsstunden.

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